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Eine Kirche und ihre Geschichte

Seit nunmehr 150 Jahren steht die Maria-Magdalena-Kirche in der Gemeinde Thedinghausen und prägt das Ortsbild. Die Geschichte des Gotteshauses geht aber noch viel weiter zurück.
05.11.2020, 15:37
Lesedauer: 3 Min
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Eine Kirche und ihre Geschichte
Von Jürgen Juschkat

Die Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen wurde – wie berichtet – 1870, also vor 150 Jahren, eingeweiht. Die überlieferte Thedinghauser Kirchengeschichte beginnt aber bereits im 13. Jahrhundert und ist eng verbunden mit der Nachbargemeinde. Der Sprengel der Lunser Kirche umfasste nämlich einst das ganze Amt Thedinghausen. Die heutigen Orte der Samtgemeinde – mit Ausnahme von Riede und Felde – gehörten dazu, aber auch Schwarme und Martfeld. In Lunsen wohnten zunächst fünf Pastoren, die Gottesdienste abhielten, im Sprengel unterrichteten und in anderen Dörfern predigten.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts wurden die Kirchenbauten in Intschede und Blender fertiggestellt. Etwa 100 Jahre später – 1250 – entstanden in Thedinghausen und Schwarme Gotteshäuser. In Thedinghausen fand die Kapelle ihren Platz im Nordostteil des Friedhofs. Sie soll ein kleiner viereckiger Steinbau mit einer Wohnung für den Geistlichen gewesen sein und hieß Klueß (Klause). Das Gotteshaus war schon damals Maria Magdalena geweiht. Der Thedinghauser Geistliche durfte aber keine Gottesdienste abhalten, sondern musste vielmehr die Jugend unterrichten, Pastor Johannes Wildekind predigte dreimal im Jahr in Thedinghausen.

Weil das Steindach für die Grundmauern zu schwer geworden war, stürzte 1583 die Kapelle ein. Fortan wurde der Gottesdienst unter einer alten Linde auf dem Kapellenhof abgehalten. Vier Stufen wurden für den Pastor in den Baum gehauen. Eine neue Kapelle wurde erst 1610 erbaut, außerdem richtete die Kirchengemeinde an der Eyter in der Nähe des Amtshauses ein Wohnhaus für den Geistlichen ein. Am 28. Mai 1629 wurde Theodor von der Lith vom Erzbischof als Kapellan bestätigt.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) verließ Lith den Ort. Außerdem fiel in dieser Zeit die 20 Jahre zuvor gebaute Kapelle zusammen. Fast gleichzeitig wurde das Schulhaus abgerissen. Auf Veranlassung von Gottlieb vom Hagen, dem Besitzer des Erbhofs, ließen Drost Hermann vom Horn und der Amtmann Johannes Krause im Juni 1643 einen Kapellenneubau beginnen. Es wurde ein Fachwerkbau, bei dem nur der Turm aus Ziegelsteinen bestand. Sieben Jahre später (1650) wurde auch ein neues Schulhaus gebaut.

Akute Einsturzgefahr

Um die Jahrhundertwende 1700 wurde die Kirche renoviert und entscheidend erweitert. Oberkirchenrat Gerhard Frische schenkte der Kirche eine Kanzel sowie einen hölzernen Predigtstuhl und erwarb 1715 im Gewölbe ein Erbbegräbnis. Als Kompastoren in dieser wechselvollen Zeit werden Christoph Jasdorf (bis 1701), Johannes Ebel (1702 – 1703) und Friedrich Bühring (1703 – 1737) in der Kirchenchronik geführt.

Ernst Christian Friedrich Ritmeyer, der Sohn von Primarius Ritmeyer wirkte von 1844 bis 1870 in Thedinghausen. Seine Tätigkeit war mit der Durchführung eines Kirchenneubaus ausgefüllt, denn die alte, 1650 erbaute Kirche befand sich in solch schlechtem Zustand, dass 1860 akute Einsturzgefahr bestand. Doch erst am 16. Juli 1868 wurde der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Schon gut zwei Jahre später, am 6. November 1870 – also vor nunmehr 150 Jahren – wurde die neue Kirche von Generalsuperintendent Bank aus Holzminden eingeweiht. Baurat Ernst Wiehe hatte die Pläne für die im gotischen Stil erbaute Kirche entworfen. Das alte Gotteshaus wurde erst nach Vollendung des Neubaus abgerissen.

Es ist in der Kirche seitdem nicht alles so geblieben, wie es anfangs war. 1938 zum Beispiel wurde die Kirche neu ausgemalt. Dabei wurden Verzierungen entdeckt, die jedoch als unbedeutend eingestuft wurden. Damals hatte die Kanzel noch eine Spitze, die im Fachjargon „Filiale“ genannt wird, aber irgendwann verloren gegangen ist. Während der Jahrhundertwende 1900 fielen gewaltige Kronleuchter der Gründerzeit noch besonders auf, die später durch einfache Leuchten ersetzt wurden. In den 1970er-Jahren brachten neue Pendelleuchten besseres Licht. Außerdem wurde die aus Eichenholz gefertigte Empore mit Holzplatten verkleidet. Die Holzplatten wurden mittlerweile durch durchsichtige Scheiben ersetzt.

Die aktuellen Fenster im Altarraum entwarf Ende des vergangenen Jahrhunderts der Lesumer Heinz Lilienthal. Auf dem linken Fensterbild ist die Vorgeschichte der Auferstehung zu sehen: Judas verrät im Garten Gethsemane Jesus durch einen Kuss. Der Hahn ist im oberen Teil abgebildet. Das Fenster in der Mitte zeigt unter anderem den auferstandenen Herrn und das offene Grab. Im rechten Fenster steht eine Frau im Mittelpunkt – Maria Magdalena, die Namenspatronin der Thedinghauser Kirche.

Den Übergang von der Romanik zur Gotik stellt der Taufstein dar, die Schale wurde im 18. Jahrhundert gefertigt. Die Glocken haben auch eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen, denn im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden sie für die Waffenherstellung eingeschmolzen. 1945 beschädigten Granattreffer das Dach, den Turm und die Fenster. Zu der noch verbliebenen G-Glocke bekam die Kirche 1953 eine A- und C-Glocke, ein Jahr später ergänzte zusätzlich eine E-Glocke das Vierer-Geläut.

Weitere Informationen

Am Freitag, 6. November, findet um 19.30 Uhr der Jubiläumsgottesdienst in der Maria-Magdalena-Kirche mit Pastorin Cathrin Schley statt. Es predigt Superintendent Fulko Steinhausen. Die Veranstaltung kann trotz Corona-Pandemie stattfinden. Allerdings wird darum gebeten, sich telefonisch unter 0 42 04 / 3 08 anzumelden oder einen Kontaktdaten-Zettel mitzubringen. Außerdem ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

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