Juleica-Ausbildung in Thedinghausen

Auf dem Weg zum Jugendleiter

Schüler der Gudewill-Schule sowie Mitglieder des Jugendzentrums haben in Thedinghausen nun ihre Juleica-Ausbildung absolviert. Damit sahen sich die Teilnehmer auch mit unangenehmen Situationen konfrontiert.
28.08.2019, 16:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Lukas Warnecke
Auf dem Weg zum Jugendleiter

Arbeit in Praxis und Theorie: Jugendliche absolvieren Juleica-Ausbildung im Jugendzentrum Thedinghausen.

Björn Hake

Sind Obdachlose alle Schnorrer? Über diese – provokante – These debattierten Jugendliche nun unter anderem im Rahmen der Ausbildung für den Jugendleiterschein Juleica in Thedinghausen. Eine Woche lang erlernten Schüler der Gudewill-Schule sowie Mitglieder des Jugendzentrums, in dessen Räumen die Ausbildung stattfand, das Handwerk eines Jugendleiters. In insgesamt 50 Arbeitsstunden erfuhren die zwölf Teilnehmer, welche Aufgaben ein Jugendleiter grundsätzlich hat, wie Konflikte zu lösen sind und außerdem den einen oder anderen pädagogischen Kniff.

An diesem Morgen sollte es vor allem um politische Bildung und Kommunikation gehen. Die Organisation Wabe, die sich mit Beratung gegen Rechtsextremismus beschäftigt, kümmerte sich in diesem Fall um die Lerneinheiten. Auf großen Tafeln notierten die Übungsleiter gemeinsam mit den Teilnehmern Vorurteile gegen verschiedene Gruppen – zum Beispiel gegen Ausländer, Deutsche oder Frauen. Übungsleiter Rudi Klemm nannte diese Aussagen Stammtischparolen. Gemeinsam erarbeiteten die angehenden Jugendleiter Strategien, um mit dieser Form von Diskriminierung fertig zu werden.

Rollenspiele zur Übung

Und das geht natürlich besonders gut, wenn man selbst in eine entspreche Lage gebracht wird. So musste beispielsweise der 16-jährige Johnny versuchen, sich nicht von der ihm aufgetragenen Meinung abringen lassen, dass alle Obdachlosen Schnorrer seien. „Leute die Stammtischparolen vertreten, sind selbst in einer Rolle festgesetzt“, erklärte Klemm die Übung. Der Schüler war im Anschluss sichtlich erleichtert, seine Rolle beenden zu können. „Es war schon ein bisschen anstrengend“, erklärte er. Mit dieser Übung sollten die Jugendlichen lernen, mit Sprachlosigkeit umzugehen. Zusätzlich sollten sie erkennen, was oftmals hinter solchen Aussagen steckt.

Es standen auch einige weniger ernste Übungen auf dem Lehrplan, wie die Erklärung eines Spieles vor den anderen Teilnehmern und die anschließende Umsetzung des Ganzen. Hier ging es vor allem um das Feedback, das nach jeder Übung von den anderen Teilnehmern gegeben wurde. Anhand dessen konnten die Jugendlichen erkennen, an welchen Fähigkeiten eines Jugendgruppenleiters sie noch zu feilen haben.

Um die Ausbildung für den begehrten Juleica-Schein überhaupt zu ermöglichen, kooperiert Sandra Linge, Schulsozialarbeiterin an der Gudewill-Schule, seit zwei Jahren mit dem Jugendzentrum. Die kommissarische Leiterin des Zentrums, Lena Krieger, und ihr Kollege Euke Jörgen Koos freuen sich über die Möglichkeiten, die sich so bieten. „Ich glaube, dass es total wichtig ist, dass sich Jugendliche hier in der Samtgemeinde entfalten können“, sagte Krieger. Mit dem Juleica-Schein in der Tasche soll es Jugendlichen möglich sein, ihre eigenen individuellen Ideen in Thedinghausen umzusetzen. „Es macht mir Spaß, ihnen diese Möglichkeit zu geben“, meinte Krieger.

Sommerfest der Schule

Die Jugendlichen absolvierten die Ausbildung aus verschiedensten Gründen. „Generell die Arbeit mit Jugendlichen ist interessant“, erzählte Johnny. Teilnehmerin Mareike hingegen hat bereits konkrete Pläne, welchen Projekten sie sich widmen will. Die 20-Jährige möchte mit dieser Ausbildung bei der Kinderfeuerwehr arbeiten. Nächster Schritt in der Ausbildung ist die Teilnahme und Organisation des Sommerfestes der Gudewill-Schule. „Solche Praxisprojekte sind ganz wichtig“, betonte Übungsleiter Klemm. Hier sollen die Jugendlichen das Gelernte zum ersten Mal praktisch anwenden.

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