Maria-Magdalena-Kirche

Geschichte eines Gotteshauses

150 Jahre ist es her, dass die Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen erbaut wurde. Eine Ausstellung erinnert nun an die Geschichte des Gotteshauses – mit teils ungewöhnlichen Exponaten.
01.11.2020, 17:41
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Geschichte eines Gotteshauses
Von Jürgen Juschkat
Geschichte eines Gotteshauses

Klaus-Dieter Schneider vom Heimatverein vor einer Schauwand, auf der alle bisherigen Hilfspastoren und Pastoren von der Gründung bis heute mit Bildern verewigt wurden.

Björn Hake

Ein Choral, der für den Protestantismus von großer Symbolkraft ist, diente am Reformationstag zum Einstieg in die Ausstellung anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Kirche Maria-Magdalena in Thedinghausen. „Ein feste Burg ist unser Gott“ spielte Andreas Schley auf der Orgel. Pastorin Cathrin Schley eröffnete die Auftaktveranstaltung, bei der Klaus-Dieter Schneider vom Heimatverein auf die Geschichte des Gotteshauses einging, mit dem Titel dieses von Martin Luther getexteten Kirchenliedes.

Erbaut wurde die Thedinghauser Kirche 1870 auf Initiative von Kompastor (Hilfspastor) Ernst Christian Friedrich Ritmeier. Das ist genau 150 Jahre her. Seitdem ist viel passiert in der Kirchengemeinde, und darauf ging Schneider in seinem Vortrag ein. Er erzählte aber auch mehrere Anekdoten. Zum Beispiel nannte er eine Begebenheit mit Kompastor Karl Wasmus (1897 – 1912). Da die Geschäfte in Thedinghausen sonntags geöffnet hatten und die Predigt meist sehr lange dauerte, wollten einige Geschäftsleute den Gottesdienst frühzeitig verlassen. „Bleibt wo ihr sitzt, wo ihr steht und wartet, bis der Gottesdienst beendet ist“, soll Wasmus energisch von der Kanzel herab befohlen haben. Schneider berichtete aber auch von Kirchenschläfern. „Da geht die Tür auf, wer tritt da ein? Es ist der Herr. So, kommen wir zum dritten Teil“, lautete der Weckruf des Geistlichen in Richtung der Aufbruch-willigen Besucher.

Jeder konnte denken, was er wollte, als Schneider über Sperrholzplatten bei der mit Rundsäulen verzierten Empore sprach. Tischler Winter hatte diese in den 1980er-Jahren erst von außen und später von innen an der Brüstung befestigt. Angeblich, damit Kinder nicht ihre Köpfe hindurchstecken können. Mittlerweile wurden die Holzplatten durch Plexiglas ersetzt. Es hält sich aber hartnäckig die These, dass die Verkleidung angebracht wurde, weil die Männer durch das Hochschauen abgelenkt worden seien. Auch eine mögliche Begründung, wie manch einer meinen mag.

In Vitrinen und an Schauwänden sind derzeit in der Kirche Maria-Magdalena viele Erinnerungsstücke an alte Zeiten zu sehen. Unter anderem Fotos von Kirchenansichten außen und innen sowie von etlichen Konfirmationen. Auf einer Seite wurden Bilder der Kompastoren und Pastoren angebracht - angefangen bei Theodor August Wilhelm Ritmeier (1817 – 1823) bis hin zu Cathrin Schley (seit 1993). Zu sehen ist auch der Kirchenerbauer Ernst-Christian Friedrich Ritmeier, Kompastor von 1844 bis 1870.

Bibeln und Gesangbücher präsentiert Schneider aus seinem Besitz in einer liegenden Vitrine. Seine ältesten Exemplare stammen aus den Jahren 1747 beziehungsweise 1749. Schätze des Heimatvereins sind eine Schwarzweiß-Postkarte aus dem Jahr 1910, auf der Thedinghausen vom Kirchturm aus zu sehen ist. Vase, Mokka-Tasse und ein Schälchen aus Porzellan ergänzen die Sammlung. Außerdem ein handgeschriebener Plan der Begräbnisplätze – der letzte Eintrag datiert von 1928. Auf den Fotos sind zwei Mal Glocken abgebildet, und zwar von 1927 und 1954. Auf einem Bild ist eine Kranzniederlegung am Volkstrauertag aus den 1960er-Jahren zu sehen. Listen unter anderem mit Pastoren, Organisten, Totengräbern, Diakonen und Gemeindehelfern geben einen Überblick. Es wird viel Interessantes ausgestellt.

Die Rückmeldungen auf den Fotowettbewerb mit dem Thema „Blickwinkel Kirche“, den Cathrin Schley anlässlich des runden Geburtstages ausgerufen hatte, fielen indes nicht so gut aus. Die für den Eröffnungstag geplante Siegerehrung musste sogar ausfallen, weil sich schlichtweg niemand daran beteiligt hatte. Und auch dem Aufruf, selbst Bilder und Dokumente für die Ausstellung einzureichen, waren nur wenige gefolgt. „Die Resonanz war nicht so gut“, bedauerte die Pastorin.

Nichtsdestotrotz nahmen zahlreiche Ehrengäste aus unterschiedlichen Vereinigungen und Vereinen, aber auch Samtgemeinde-Bürgermeister Harald Hesse und Thedinghausens Bürgermeister Thomas Metz an der Ausstellungseröffnung teil. An diesem Tag und beim ersten sonntäglichen Gottesdienst danach konnten die Besucher die Erinnerungsstücke bestaunen und sich näher informieren. Weitere Möglichkeiten gibt es dazu an diesem Freitag, 6. November, nach dem um 19.30 Uhr beginnenden Jubiläumsgottesdienst sowie am folgenden Sonntag nach dem Gottesdienst bis einschließlich 12 Uhr.

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