Das Interview

„Das war ein Trauerspiel“

Korbballerin Mirjana Uhde ist nach einem Jahr Pause zurück beim TSV Thedinghausen und spricht im Interview über die Schreckenssaison des TSV und die jetzigen Ambitionen des Teams.
09.10.2019, 15:37
Lesedauer: 3 Min
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„Das war ein Trauerspiel“
Von Patrick Hilmes
Frau Uhde, nach der Deutschen Meisterschaft 2018 haben Sie aufgrund Ihrer Schwangerschaft eine einjährige Korbball-Pause eingelegt. Genau dieses Jahr sollte sich als Schreckensjahr für den TSV Thedinghausen herausstellen. Neben Ihnen haben sich weitere Spielerinnen sowie das Trainergespann verabschiedet und die Mannschaft stieg sang- und klanglos aus der Bundesliga ab. Wie war es für Sie, diese Pause einlegen und diesen Niedergang hilflos mit ansehen zu müssen?

Mirjana Uhde: Als wir die Deutsche Meisterschaft gespielt haben, war ich schon schwanger und danach stand ja für alle erst mal eine Pause bis zur neuen Saison an. Daher hatte ich nicht das Gefühl, dass es ein Abschied für mich war. Ich habe mir dann in der neuen Saison auch einige Spiele angeschaut und ich muss gestehen, dass es ein Trauerspiel war. Es musste viel umstrukturiert werden und man hatte einfach keine Chance in der Bundesliga. Das tut schon weh, das zu sehen. Verlieren macht eh nie Spaß, aber das Gefühl zu haben, dass man keine Chance hat, das ist noch schlimmer. Da unsere Korbfrau gegangen war, war der Klassenerhalt in der Bundesliga unmöglich. Einfach vorne mehr Körbe machen, das ist nicht möglich. Das ist auch Psychologie, wenn du vorne nicht alles triffst und hinten andauernd einen reinbekommst. Das Gute im Schlechten war, dass sich die Mannschaft trotzdem nie aufgegeben hat. Sie ist immer wieder zu den Spielen gefahren und hat immer alles gegeben. Zum Ende der Saison ist dann mit Dorothea Schley die Korbfrau dazugekommen, die jetzt auch bei uns ist. Dadurch hatten sich die Spielverläufe auch etwas gewandelt, auch wenn sie natürlich noch nicht die Qualität von Agnetha Rippe (Korbfrau und Ausnahmespielerin, die zur SG Findorff-Bremen gewechselt war, Anm. d. Red.) hat.

Können Sie den Entschluss von Trainer Thomas Piper und seinem Co-Trainer Oliver Ihde nachvollziehen, sich aufgrund des Wegfallens der halben Mannschaft ebenfalls zu verabschieden?

Ich stehe dazwischen, da ich quasi mit ihnen gegangen bin. Daher ist das für mich schwierig zu beantworten.

Haben Sie selbst damit gerechnet, dass es solch eine Saison für den TSV werden würde?

Es war klar, dass es so kommen würde, da auch die Korbfrau gegangen war. Man kann nicht einfach irgendeine Spielerin als Korbfrau aufstellen. Man muss dafür ausgebildet sein und darf ja nicht über 178 Zentimeter sein. Es gibt nicht viele davon, Korbfrau zu sein ist ein Alleinstellungsmerkmal. Hat man keine, dann hat man ein großes Problem.

War für Sie klar, dass Sie wieder zurückkommen würden?

Ja, das wusste ich immer. Ich kann nicht ohne Korbball leben.

Auch, dass Sie sich wieder dem TSV Thedinghausen anschließen würden?

Ich hatte zuvor mit Thedinghausen nichts zu tun, aber dort sind Freundschaften entstanden, die mittlerweile auch über den Korbball hinausgehen. Daher war Thedinghausen meine erste Anlaufstelle.

Nun ist der Neustart in der Niedersachsenliga erfolgt. Wie viele Spielerinnen sind neben Ihnen zurückgekehrt?

Judith Gätje kam nach einer Babypause zurück und Katharina Boldt ist aus Hawaii wieder da. Für ein Semester hat uns aber Vanessa Rippe verlassen, sie kommt im Januar zurück.

Herrscht in der Mannschaft nun Aufbruchstimmung?

Ja, das bilde ich mir zumindest ein (lacht). Aber wir müssen uns erst mal finden. Ich beispielsweise habe noch nie in der Niedersachsenliga gespielt und kenne daher die meisten Gegner auch nicht. Aber ich habe ein gutes Gefühl.

Vier Spiele sind mittlerweile absolviert, zwei Siege und zwei Niederlagen stehen zu Buche. Wie wird der Start eingeordnet und was ist das Saisonziel?

Nach den ersten beiden Spielen hätte ich gesagt: Wir steigen auf jeden Fall auf. Nun muss ich das etwas zurücknehmen. Wir sind ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Wir sind keine Überflieger. Unsere Stärke ist die Defensive, in der Offensive müssen wir noch an uns arbeiten. Dennoch glaube ich, dass der Aufstieg möglich ist – man muss ja Ziele haben.

Ziele haben Sie nicht nur im Sport, denn Sie sind auch Sängerin. Welche Position nimmt Korbball in Ihrer eigenen Hierarchie ein?

Das Singen steht über dem Korbball. Die Musik ist mehr Berufung, sie bietet mir mehr Perspektive. Davon hängt auch mehr ab, beim Korbball verdiene ich nämlich kein Geld. Meist lässt sich beides aber gut miteinander vereinbaren.

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Info

Zur Person

Mirjana Uhde (35)

spielt seit fünf Jahren Korbball für den TSV Thedinghausen. Zuvor war die gebürtige Bremerin auch für den TV Bremen-Walle, FTSV Jahn Brinkum und den TSV Heiligenrode aktiv.

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