Lesung von Margot Käßmann

Die Bedeutung von Freundschaften

Margot Käßmann hat bei einer Lesung in der Kirche Lunsen einen intensiven und nachdenklich stimmenden Einblick in ihr neuestes Buch „Freundschaft, die uns im Leben trägt“ gegeben.
05.03.2020, 16:45
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Die Bedeutung von Freundschaften
Von Jürgen Juschkat

„Ein Freund, ein guter Freund – das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“ So singen nicht nur die Comedian Harmonists in ihrem berühmten Lied, das sang am Mittwochabend auch der Rieder Kirchenchor zur Einstimmung auf die Autorenlesung der Theologin und Bestsellerautorin Margot Käßmann in der vollbesetzten Kirche St. Cosmas und Damian.

Eingeladen zu dieser Lesung hatte die Bücherkiste Riede um Kathrin Göstemeyer, die wieder einmal ein Ass aus dem Ärmel zog und damit goldrichtig lag. „Sie sagen ‚ein volles Haus‘, wir sagen ‚ein ganz normaler Sonntags-Gottesdienst‘.“ Pastorin Anja Sievers sorgte eingangs für Erheiterung und ergänzte zögerlich: „Schön wär’s“. Und sie fügte zum Thema des Abends an: „Freundschaft find‘ ich wichtig, find‘ ich gut.“

Mit dem am Anfang gesungenen Liedtext beginnt auch das aktuelle Buch „Freundschaft, die uns im Leben trägt“ der ehemaligen Bischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Unter anderem, weil sie dabei an den Film „Die Drei von der Tankstelle“ mit Heinz Rühmann denkt. Ihr Vater habe ebenfalls eine Tankstelle betrieben, und sie sowie ihre beiden Schwestern wären früher oft als „die Drei von der Tankstelle“ bezeichnet worden, erklärte die Autorin.

Animation durch Verlag

Margot Käßmann pflege bewusst viele langjährige Freundschaften. Weil sie vor ein paar Jahren einmal von Theologie und Freundschaft gesprochen hatte, animierte ihr Verlag sie, dieses Thema aufzugreifen. Seit 20 Jahren schreibt die Pastorin nun schon Bücher und nennt „In der Mitte des Lebens“ als das erfolgreichste Werk, in dem es um den Umbruch des Lebens geht. „Ich konnte früher nicht aus meinem Büchern lesen, mittlerweile ist es schön, die Redaktion zu sehen,“ nennt die Autorin etwas Positives bei den Vorlesungen.

Die Theologin, die mehrere Meter vor dem Altar auf einem beleuchteten Stehpult ihr Buch aufgeschlagen hatte, ging gleich auf die zehn Prozent Menschen in Deutschland ein, die laut einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft einsam sind und nur einmal im Monat oder noch seltener ein persönliches Gespräch führen. „Das ist doch ein Trauerspiel“, zitierte Käßmann, „wir brauchen Freundschaften!“

Im Buch kommen viele Freunde und Freundinnen der Bestseller-Autorin vor. Vergleiche werden gezogen zwischen Bekannten und Freunden. Ein hoher Stellenwert wird der Pflege von Partnerschaft und Freundschaften zugesprochen. Ernste, aber teilweise auch erheiternde Anekdoten mit Freundinnen – egal ob es nun die Almut ist, die ihren krebskranken Mann verlor oder die 15 Jahre ältere Astrid, die mit Margot neben Umzugskisten frühstückte, werden angesprochen. „Freundschaft ist, wenn du kommen kannst, auch wenn es nicht aufgeräumt ist“, wird hierzu ein Fazit gezogen. Auf Anregungen eines Freundes beleuchtet Käßmann auch die Gastfreundschaft.

Die Freundschaft in der Bibel

Die Schriftstellerin geht in ihrem neuen Bestseller aber auch auf die Freundschaft in der Bibel ein und hat anregende Passagen darüber im Buch Hiob (2, 11-13) gefunden, wo der Teufel in der Geschichte mit Gott darum ringt, ob er den frommen Hiob in Versuchung führen kann. Sie nennt die Situation „in der die Stunde der Freundschaft schlägt“: Hiob geht es schlecht. Und das nicht nur ein bisschen. Seine gesamte Existenz ist zerstört, er selbst ist krank. Menschen, die derart getroffen sind vom Unglück, meiden die anderen lieber. Und die Einsamkeit macht es für die Unglücklichen noch schwerer. Bei Hiob kommen aber die drei Freunde Elifas, Bildad und Zofar. Sie setzen sich zu ihm und schweigen mit ihm – sieben Tage und sieben Nächte. „Denn allzu oft können Worte nur danebenliegen, weil der Schmerz viel zu groß ist“, erklärt Käßmann in ihrem 192-seitigen Buch.

Neben den vielen Geschichten, die sinnbildlich das Leben geschrieben hat, sowie den Erfahrungen und Einschätzungen von Käßmann lockern Verse bekannter Dichter und Persönlichkeiten das Buch auf. Ebenso die Illustrationen von Sarah Wiesner. Margot Käßmann gab an diesem Abend einen intensiven und nachdenklich stimmenden Einblick in ihr jüngstes Werk, erhielt aber jederzeit die Spannung aufs Selbstlesen.

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