Neujahrskonzert Ein Konzert mit vielen Höhepunkten

Es hat schon Tradition, das Neujahrskonzert der Klassichen Philharmonie Nordwest in Lunsen. Und wie schon in den Jahren zuvor, konnten die Musiker wieder vollends überzeugen.
14.01.2019, 17:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Susanne Ehrlich

„Mit Schwung und guter Laune“ – das Motto des diesjährigen Neujahrskonzer­tes mit der Klassischen Philharmonie Nordwest war Programm: In der bis auf den letzten Platz gefüllten St. Cosmas und Damian Kirche zu Lunsen kamen alle Musikfreunde auf ihre Kosten, die sich zum Jahresbeginn ganz traditionell nach Wiener Walzer und festlicher Marschmusik sehnen.

Auf Einladung des Kulturvereins The­dinghausen zauberten die etwa 30 Musiker unter ihrem Dirigenten Ulrich Semrau mit quirligen Heinzelmännchen, persi­schen Gauklern, Küssen im Dunklen und jeder Menge blaublütiger Durchlauchten einen bunten Bilderbogen in das trübe Grau des stürmischen Winterta­ges.

Den musikalischen Auftakt machten der Konzertmarsch „Hoch Heidecksburg“ von Rudolf Her­zer und „Heinzelmännchens Wachtpa­rade“ von Kurt Noack, zwei Stücke, die ihren sonst weitgehend unbekannt ge­bliebenen Komponisten einen bleiben­den Namen gesichert haben. Noch etwas verhalten wirkten die Musiker zu Beginn, und die Dominanz des Schlagwerks, vor allem der sehr blechern tönenden kleinen Marschtrommel, störte ein wenig den Gesamteindruck. Mit dem Walzer „Wo die Zitronen blüh'n“ von Johann Strauß (Sohn) fand das Orchester zu voller Geschlossenheit und Sensibilität, und tiefe Seufzer der Sehnsucht mengten sich in den Duft des Südens.

Szenisches Intermezzo aus Persien

Noch weiter südlich ging danach die musikalische Reise. Das szenische Intermezzo „Auf einem per­sischen Markt“ des britischen Kompo­nisten Albert Ketèlbey ist ein bezau­berndes Tongemälde, in dem sich ein edler Kalif und eine orientalische Prin­zessin, Händler, Gaukler und auch ein Schlangenbeschwörer tummeln. An all­dem zieht eine Karawane vorüber.

Als die fahrenden Händler mit den Worten „Bak-sheesh, Bak-sheesh, Al-lah“ um gute Geschäfte beteten, musste man einen Augenblick stutzen: Wo kam plötzlich der Gesang her? Die Musiker zeigten sich der ungewöhnlichen Her­ausforderung, Orchester und Chor in ei­nem zu sein, bestens gewachsen und hatten offenbar ebenso viel Spaß daran wie das staunende Publikum.

Mit augenzwinkernder Verve malten die Violinen die schluchzenden Balalaika-Klänge des „Wolgaliedes“, als der erste Teil des Konzertes mit einem Melodien-Medley aus Franz Lehars „Zarewitsch“ ausklang.

Nach der Pause liefen Dirigent und Musiker dann zu Hochform auf. Mit der Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß (Sohn) präsentierten sich vor allem die solistischen Holzbläser mit großer Präzision und Strahlkraft, und auch beim „Wiener Blut-Walzer“ strahlte die Musik mit dem Publikum um die Wette.

Radetzky-Marsch zum Abschluss

Großartige Orchestersolisten sorgten immer wieder für Glanzlichter; vom ersten Cellisten über die fantastischen Holzbläser bis zum warmen, vollen Klang des Horns. Bei den Schlagwerkern, die in diesem Programm alle Hände voll zu tun hatten, hätte man sich an manchen Stellen allerdings etwas mehr Sensibilität gewünscht.

Mit den „Küssen im Dunkeln“ von Giulio Michelis wurde es nun so richtig weltlich im Gotteshaus: „Neh­men Sie Ihre Liebste in die Arme und genießen Sie“, rief Semrau dem Publi­kum zu, und nur der Umstand, dass die Musiker ohne Licht ihre Noten nicht se­hen konnten, hinderte das Publikum daran, seiner Aufforderung zu fol­gen und sich von den zärtlichen Klängen hinreißen zu lassen. Trotzdem bekam am Ende jeder seinen Kuss, denn die Musik klang zum allge­meinen Vergnügen mit einem hörbaren kollektiven Schmatz aus.

Mit blaublütiger Klang-Opulenz prä­sentierte sich Franz Lehars „Luxemburg-Walzer“, bevor Semrau mit „An der schönen blauen Donau“ das traditionelle letzte Stück des Neujahrskonzertes ankündigte. Von der sehr spannend und effektvoll gestal­teten Einleitung bis zum mächtig aufrauschenden Finale war das Orchester nun nicht mehr zu bremsen, ging mit Leiden­schaft aus sich heraus und versetzte auch das Publikum in Höchststimmung.

Radetzky-Marsch zum Abschluss

Klar, dass gerade jetzt noch nicht Schluss sein konnte! Mit dem „Radetzky-Marsch“, mit dem nun auch Johann Strauß (Vater) mal zu Wort kam, ging es noch einmal richtig hoch her. Semrau machte sich den Spaß, das Publikum beim Mitklatschen zu dirigieren und sich dann behaglich zurückzulehnen: Seine Musiker konnten das ganz alleine!

An diesem Abend lag Wien an der Weser. Begeistert und beschwingt machten sich die Zuhörer auf in die stürmische Nacht und nahmen die Fun­ken des musikalischen Feuerwerks mit auf ihren Weg.

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