Erbhof Thedinghausen

Eine gelungene Mischung

Das hat gut gepasst: Natasha Korsakova und Pago Balke sind gemeinsam im Erbhof aufgetreten. Mit Erfolg. Die Mischung aus Lesung und klassischer Musik hat hervorragend funktioniert.
01.12.2019, 16:14
Lesedauer: 2 Min
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Eine gelungene Mischung
Von Jürgen Juschkat
Eine gelungene Mischung

Natasha Korsakova und Pago Balke, das passt gut zusammen. Im Erbhof hinterließen sie ein zufriedenes Publikum

Björn Hake

Eine international erfolgreiche Pianistin und ein bekannter Schauspieler aus der Region, dazu mitreißende Worte und klassische Noten – das Rezept ist aufgegangen. Die sympathische Violinistin Natasha Korsakova und der wortgewandte Lokalmatador Pago Balke zogen am Freitagabend die Zuhörer im Renaissancesaal des Schlosses Erbhof in Thedinghausen in ihren Bann.

Die Virtuosin und Autorin mit russisch-griechischer Abstammung stellte auf Einladung des Förderkreises Erbhof und der Bücherkiste Riede in dem rustikalen Gebäude ihren neuen Roman mit dem Titel „Römisches Finale“ vor beziehungsweise ließ diesen vorstellen. In diesem geht es um einen neuen Fall für Commissario Di Bernardo. Und diesen brachte der Sänger und Kabarettist Pago Balke dem Publikum näher. Zunächst durch einen Prolog und später durch packende Auszüge einzelner Kapitel.

Commissario Di Bernardo wird bei der verwirrenden Handlung im Buch zu einem weiteren Fundort gerufen. Der weltberühmte Pianist Emile Gallois wurde nämlich nach einem grandiosen Konzert in Rom erschossen aufgefunden. Ein Sumpf aus Intrigen und Affären tut sich dem Commissario, der von dem jungen Kollegen Ispettore Del Pino unterstützt wird, auf. Zunächst drei Tote und eine Autoexplosion – die Autorin hat viele Register gezogen.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass Emile Gallois ein Doppelleben geführt haben muss. Seine Ehe bestand nur noch nach außen, sodass die Frau des Toten durchaus ein Mordmotiv gehabt haben dürfte. Als plötzlich eine zweite Leiche gefunden wird, stellt sich der Fall auf einmal ganz anders dar.

Natasha Korsakova, die mit einem strahlenden Lächeln auftrat und ihre Texte teils in lockerer, aber auch mit viel hintergründigen und detaillierten Aspekten verfasst, kam mit 19 Jahren nach Deutschland und verliebte sich auf Anhieb in die Sprache dieses Landes. Die junge Frau zeigt mit ihrem Buch, dass sie nicht nur eine international konzertierende Solo-Violinist von Format ist, sondern es auch versteht, packende Bücher in der Sprache zu schreiben, die sie mittlerweile fließend beherrscht. In ihrem Porträt heißt es, dass das Geheimnis der berühmtesten Geige Antonio Stradivaris, der Messias, sie schon lange fasziniere. Deshalb setzte sie diesem Instrument, dessen Versicherungswert bei 30 Millionen Euro liegt, in ihrem 2018 erschienenen Debütroman „Tödliche Sonate“ auch ein Denkmal.

Natasha Korsakova, selbstbewusst und mit einem großen Wortschatz ausgestattet, lebt zwar im Süden der Schweiz, reist aber immer wieder nach Italien, dem bedeutendsten Land der Violinen-Bauer. In Rom hat der aktuelle Kriminalroman seinen Schauplatz, aber auch in San Luca im süditalienischen Kalabrien, wo die Mafia das Leben prägt.

Mit „Chaconne“ des italienischen Violinisten Tomaso Antonio Vitali, der 1663 in Bologna geboren wurde, eröffnete Natascha Korsakova die Veranstaltung auf der Violine mit viel Hingabe. Teils mit geschlossenen Augen lebte die Dame die Musik und bewies viel Fingerfertigkeit. Die Solistin trug aber auch den ersten Satz „L´Aurore“ (Sonnenaufgang) der Sonate Nr. 5 des Belgiers Eugene Ysaye für Violine vor und beherrschte ebenso Johann Sebastian Bachs Largo aus der C-Dur-Sonate für Solo-Violine. Inspiriert von Astor-Piazolla-Themen begeisterte sie die Zuhörer mit einem selbst zusammengestellten Medley. Auch hier bewies die Musikerin viel Fantasie.

„Wir sind alle hin und weg“, urteilte Gerd Schröder, Vorsitzender des Fördervereins Erbhof. Die Musik sei allein schon wert für eine Wiederholung, lobte ein Zuhörer. Um Zugaben kam die Violinen-Solistin nicht herum. Nach der Eigenbearbeitung von „Hey Jude“ von den Beatles folgte zum Abschluss eines gelungenen Abends etwas unfreiwillig ein weiteres Stück.

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