Schloss in Thedinghausen Vom Erbhof und der Renaissance im Wesergebiet

Der Erbhof in Thedinghausen feiert sein 400-jähriges Bestehen. Bei einem zweitägigen Symposium haben sich nun Historiker, Politiker und Denkmalpfleger über das Schloss ausgetauscht.
12.05.2022, 18:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders

Ein Bauboom zu Zeiten der Weser-Renaissance. Den habe es tatsächlich gegeben, sind sich Historiker, Archivare und Eigentümer von Gebäuden aus der Zeit zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg einig. Entstanden sind seinerzeit landesherrliche Residenzen, Kirchen, Rathäuser und Schlösser zwischen Bremen und Kassel, Osnabrück und Magdeburg, fast alle gut erhalten und errichtet im Rahmen einer wirtschaftlichen Hochkonjunktur. Zu den interessantesten Gebäuden zählt das Schloss Erbhof Thedinghausen, aber auch das Bremer Rathaus fand Erwähnung während einer Festveranstaltung anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Kulturdenkmals in Thedinghausen.

Gerd Schröder vom Förderkreis Erbhof und Vera Lüpkes, Direktorin des Kooperationspartners Weser-Renaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo, hatten für Mittwochabend geladen, um dem Auftakt zur zweitägigen Veranstaltung einen würdigen Rahmen zu verleihen. Hatten die Veranstalter schon bei der Auswahl der Musik ein sensibles Händchen bewiesen, so zeugten auch die Wortbeiträge der einzelnen Referenten von umsichtiger und sorgfältiger Vorbereitung. Während der Mittwochabend Grußworten und einem Festvortrag vorbehalten blieb, trafen sich Experten und Gäste am Donnerstag zu einem Symposium, das sich mit der Instandsetzung, der Restaurierung und der Teilrekonstruktion des Erbhofes auseinandersetzte, unter anderem aber auch den Umbau des Bremer Rathauses zwischen 1595 und 1616 zum Thema hatte.

Im dritten Anlauf

Zurück zum Mittwochabend mit seinem Programm, das vom Renaissance-Trio Bremen musikalisch umrahmt wurde und gleich zu Beginn mit dem Stück „Canzon detta La Nicolina" des Komponisten Girolamo Alessandro Frescobaldi zu begeistern wusste. Es folgte die Begrüßung der Gäste durch Vera Lüpkes, die ihrer Freude darüber Ausdruck verlieh, dass die Veranstaltung nach drei Anläufen endlich zustande kommen konnte. Ganz besonders erwähnte sie „den ungebrochenen Elan des Gerd Schröder“, dem das als erstem Vorsitzenden des Förderkreises Erbhof zu Thedinghausen zu verdanken sei. „Darüber hinaus haben wir alle verstanden“, fuhr die Direktorin fort, „dass die Weser-Renaissance ein Pfund ist, mit dem die Region bis heute wuchern kann“. Marketingfachleute und Touristiker könnten daraus Angebote schnüren, die der Branche einen neuen Impuls geben und die Wirtschaft voranbringen könnte. Björn Thümler indes, der als Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur angereist war, würdigte das überragende ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten beim Erhalt des identitätsstiftenden Kulturdenkmals. „Baudenkmale sind viel mehr als ansprechende Gebäude“, sagte der Politiker, „sondern Wahrzeichen, auf die man stolz sein muss“.

Unermüdliche Arbeit

Dem Fleiß aller Aktiven widmete auch Landrat Peter Bohlmann dankende Worte und verwies in seiner Ansprache auf den Erwerb des Schlosses, „das im Jahre 1999 natürlich nicht mit der heute vorhandenen Strahlkraft punkten konnte“. Er freue sich über das rege Leben auf dem Gelände, über das Entstehen des angrenzenden Baumparks und über die unermüdliche Arbeit des Förder- und auch des Heimatvereins. Ganz besonders hob er die umsichtige Art der Restaurierung hervor, während der unter den abgehängten Decken wahre Schätze entdeckt worden waren. 50 Jahre früher wäre man wegen damals mangelnder Sachkenntnis wahrscheinlich weniger sensibel vorgegangen, mutmaßte Bohlmann. Auch Anke Fahrenholz lenkte ihren Blick auf die jüngere Geschichte des Schlosses. Etwa 300 Mal pro Jahr werde der Erbhof für unterschiedliche Veranstaltungen gebucht, informierte die Samtgemeindebürgermeisterin, die als Kind gern Prinzessin gewesen wäre und nun stolz darauf ist, als Schlossherrin auftreten zu dürfen.

Wenn Pago Balke sich zu Wort meldete, war Wortwitz im Spiel und feiner Humor Programm. Für seinen Auftritt hatte der Künstler einen Text geschrieben, der der bischöflichen Liebelei zwischen Johann Friedrich und Gertrud von Hermeling-Heimbruch mit leichtem Spott gedachte. So klagte die junge Geliebte einst beim Abschied: "Du willst schon gehen? Es ist noch längst nicht Tag. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche! Dort in der Heckenrose singt sie jede Nacht und hat schon oft mich um den Schlaf gebracht. Ihr Liebster entgegnet: Es war die Lerche, die zum Morgen schmettert. Ich bin in dein Gemach geklettert, doch nun bin ich von Angst geplagt: was wohl dein Gatte dazu sagt …." Ein ausführlicher Fachvortrag von Professor Dr. Ulrich Großmann vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg stand am Ende der zweistündigen Veranstaltung. Er beleuchtete den „Erbhof Thedinghausen und die Renaissance im Weserraum".

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