Fußball-Bezirksliga „Die Situation ist nicht ausweglos“

Lars Gudegast, Trainer des Bezirksliga-Aufsteigers TSV Thedinghausen, spricht im Interview über seine Liebe zum Verein und sein junges Team. Die sportliche Lage sieht er als nicht aussichtlos an.
21.10.2020, 16:21
Lesedauer: 5 Min
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Von Dennis Glock
Herr Gudegast, Sie sind ein echtes Urgestein des TSV Thedinghausen. 17 Jahre Vorstandsarbeit und eine jahrelange Tätigkeit als Trainer sprechen für sich. Was verbinden Sie mit dem Verein?

Lars Gudegast: Nachdem mein ältester Sohn beim TSV mit dem Fußball anfing, hatte ich den ersten Kontakt zu den Vereinsverantwortlichen. Mit den Jahren habe ich dann mitgeholfen, hier etwas aufzubauen und die Spieler von klein auf zu fördern. Insgesamt bin ich auf die Entwicklung dieses Vereins sehr stolz. Tag für Tag engagieren sich viele Leute in den verschiedensten Abteilungen, was nicht selbstverständlich ist. Der TSV Thedinghausen ist aufgrund dessen so etwas wie eine zweite Familie.

Bis zum Sommer 2018 bildeten Sie noch mit Ihrem Bruder Sven Gudegast sowie dem jetzigen Spartenleiter Jan Steffens das Trainer-Trio des TSV. Während Ihr Bruder eine neue Herausforderung als Trainer der zweiten Damenmannschaft des SV Werder Bremen suchte, legten Sie eine zweijährige Pause ein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wir waren uns zu diesem Zeitpunkt einig, dass ein klarer Schnitt her musste. Während mein Bruder direkt nach Bremen weiterzog, brauchte ich erst einmal eine Pause um durchzuatmen. In dieser Zeit habe ich das Erlebte Revue passieren lassen und mich anderen Aufgaben gewidmet. Aber der TSV hat ja auch ohne mich ganz gut gespielt.

Genau – denn während Ihrer Abstinenz leitete Jens Stührmann die Trainer-Geschicke des TSV – und das ziemlich erfolgreich. Nachdem die vergangene Saison coronabedingt abgebrochen worden ist, stand für den damaligen Tabellenzweiten der Aufstieg in die Bezirksliga fest. Wie haben Sie den Erfolg aus der Ferne wahrgenommen?

Ich kann nur wiederholen, dass Jens da einen unfassbar guten Job gemacht hat und das Team zu recht in die Bezirksliga geführt hat. Ihm ist es gelungen, aus dieser Mannschaft etwas Besonderes zu formen und sie auf ein neues Level zu hieven. Im Jahr 2017 waren wir ebenfalls ganz nah dran am Aufstieg. Damals scheiterten wir allerdings knapp in der Relegation gegen den TuS Bothel. Aufgrund dessen habe ich mich sehr gefreut, dass sich der Verein nun endlich für die harte Arbeit belohnen konnte.

Seitdem Jens Stührmann im vergangenen Sommer das Traineramt aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste, ist der Verein erneut an Sie herangetreten und hat Ihnen den Posten des Cheftrainers angeboten. War dies eine Anfrage, die Sie einfach nicht ablehnen konnten?

Zwischenzeitlich kamen immer mal wieder Anfragen rein, die einfach nicht gepasst haben. Für mich war eigentlich immer klar, dass ich nur in Thedinghausen Trainer sein möchte. Als der Verein dann nach Jens’ Rücktritt mit einem konkreten Angebot an mich herantrat, musste ich nicht lange überlegen. Die aktuelle Mannschaft besteht beinahe nur aus Spielern, die ich schon in der Jugend betreut habe. Ich habe sie gewissermaßen aufwachsen sehen. Einige Spieler kenne ich bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr. Das ist nicht nur für mich etwas Besonderes, sondern auch für die Jungs. So eine Geschichte gibt es nicht all zu oft im Fußball, da bin ich mir sicher.

Die aktuelle Spielzeit läuft allerdings alles andere als positiv für Sie und Ihr Team. Nach sechs Spieltagen befindet sich der TSV Thedinghausen mit nur einem Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Es stimmt, dass es sportlich nicht so gut läuft. Doch ich habe von Anfang an gesagt, dass es für uns eine schwierige Saison wird. Die Bezirksliga ist für uns als Aufsteiger nämlich ein absolutes Neuland, in dem wir uns erstmal beweisen müssen. Aufgrund der zahlreichen Verletzungen müssen wir Woche für Woche personell umstellen, was sich negativ auf den Spielfluss auswirkt. Doch ich will nicht weiter jammern und mit positiven Gedanken in die Zukunft blicken. Ich bin mir sicher, dass wir es schaffen werden, aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Die Situation ist schließlich nicht ausweglos.

Das Team hat erst vier Tore erzielt, aber bereits 21 Gegentore kassiert. Wo sehen Sie aktuell die größte Baustelle?

Man muss dazu sagen, dass wir ein schwieriges Auftaktprogramm hatten. Mannschaften wie der TV Sottrum, der TSV Bassen oder der FSV Langwedel-Völkersen sind für mich Teams, die zum engeren Favoritenkreis auf die Meisterschaft zählen. Mit ihrer personellen Klasse ist es natürlich schwer für uns, gegen sie zu punkten. In den Ergebnissen hat man dann gesehen, dass sie uns haushoch überlegen waren. Dennoch müssen wir uns in einigen Situationen besser anstellen. 15 Gegentore nach Standards sind eine Hausnummer. Daraus müssen wir lernen und uns in den kommenden Wochen besser anstellen. Das darf uns in dieser Art und Weise einfach nicht passieren.

Ist Ihr Team zu unerfahren für die Liga?

Das würde ich so nicht bestätigen. Wir agieren vielmehr des Öfteren zu blauäugig. Aber sind wir mal ehrlich, wo soll bei so einer jungen Truppe auch die Erfahrung herkommen? Ich bin mir sicher, dass wir es in den nächsten Wochen schaffen werden, den zu hohen Respekt gepaart mit jugendlichem Leichtsinn abzulegen. Das Team befindet sich in einem Lernprozess und lernt in jeder Partie dazu. Potenzial, um in der Liga zu bestehen, ist auf jeden Fall vorhanden.

Was erwarten Sie speziell von Kapitän Jan-Dirk Oelke, der mit seinen 29 Jahren zu den ältesten Spielern im Team zählt?

Jan-Dirk ist ein Phänomen und sehr wertvoll für diese Mannschaft. Denn speziell für unsere jungen Spieler fungiert er als Ansprechpartner Nummer eins. Ich beobachte immer wieder, wie er auf und neben dem Platz seine Erfahrung weitergibt und mit seinem Ehrgeiz voran geht. Ich kann mich zu 100 Prozent auf ihn verlassen und bin stolz, so einen vorbildlichen Spieler im Kader zu haben.

In den kommenden Wochen heißen die Gegner TSV Achim, FC Worpswede, MTSV Selsingen und Heeslinger SC II. All diese Teams tun sich derzeit ähnlich schwer und finden sich in der zweiten Tabellenhälfte wieder. Steht Ihre Mannschaft vor richtungsweisenden Partien?

Absolut. Gegen diese Teams wollen und müssen wir uns beweisen. Es sind speziell diese Mannschaften, die ich auf einem ähnlichen Level sehe wie uns. Wenn wir da also nicht die nötigen Punkte einfahren, weiß ich auch nicht weiter. Allerdings müssen wir erst einmal abwarten, ob es wegen der steigenden Corona-Fallzahlen überhaupt zu den Aufeinandertreffen kommt.

Stichwort Corona-Pandemie. Wie erleben Sie aktuell den Amateurfußball?

Es ist für uns alle eine schwierige Situation, aus der wir aber unsere Lehren ziehen werden. Ich bin der Meinung, dass wir den Sportlern die Chance geben müssen, ihr Hobby weiterhin ausüben zu können. Natürlich spielt da immer ein gewisses Risiko mit. Doch solange der Verband nicht einschreitet und die Saison abbricht, sollten wir weiterspielen. Einen Abbruch der Saison halte ich außerdem nicht für den richtigen Lösungsansatz.

Wie groß ist die Angst innerhalb des Teams, sich mit dem Virus zu infizieren?

Überhaupt nicht groß. Wir haben uns mit dem Thema ausgiebig beschäftigt und tun alles, um eine Infektion zu verhindern. Hierfür kümmern sich bei jedem Heimspiel der Abteilungsleiter Jan Steffens und der Herrenkoordinator David Hillmann engagiert darum, dass sich die Besucher an alle vorgeschriebenen Regelungen halten. Außerdem haben wir innerhalb des Teams nochmals betont, wie wichtig die Sicherheit für jeden Einzelnen ist. Von daher sehe ich uns gut aufgestellt.

Das Interview führte Dennis Glock.

Info

Zur Person

Lars Gudegast (52)

ist ein echtes Urgestein des TSV Thedinghausen. Nach zweijähriger Pause übt er beim Fußball-Bezirksligisten seit vergangenem Juli das Amt des Cheftrainers aus. Aktuell belegt er mit seinem Team in der Tabelle den letzten Platz.

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