Einwohner gründen Bürgerinitiative Geplanter Maststall erregt die Gemüter

In Thedinghausen-Dibbersen soll eine Schweinemastanlage errichtet werden. Die Anwohner wollen sich gegen das Vorhaben wehren, sie befürchten Beeinträchtigungen für die Gesundheit und für den Tourismus.
12.06.2014, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elisabeth Hintze

In Thedinghausen-Dibbersen soll eine Schweinemastanlage errichtet werden. Die Anwohner wollen sich gegen das Vorhaben wehren, sie befürchten Beeinträchtigungen für die Gesundheit, für die Tierwelt und für den Tourismus.

Zunächst einmal möchten sie eines betonen: Sie seien nicht gegen den geplanten Schweinemaststall in Dibbersen, weil sie als Anwohner direkt davon betroffen sind. Nein, vielmehr seien sie grundsätzlich gegen jegliche Art von Massentierhaltung. Deshalb haben sie sich nun zusammengeschlossen: rund 30 Bürger aus Dibbersen, allen voran Bettina Harsleben und Jürgen Maaß. Grund ist der geplante Bau eines Stalles im Ort, die Dibberser Bürger wehren sich dagegen und wollen nun eine Bürgerinitiative gründen.

Wie berichtet, hat der Gemeinderat Thedinghausen in der vergangenen Woche das gemeindliche Einvernehmen für den Bau eines Schweinemaststalles sowie eines Güllebehälters in Dibbersen erteilt. Der Stall mit 1292 Endmast- und 440 Ferkelplätzen soll auf dem Baugrundstück gegenüber dem Bürogebäude der Firma Schröder Gas errichtet werden. Elf Ratsmitglieder stimmten für den Antrag, vier dagegen, zwei enthielten sich. Antragsteller ist Henning Arndt, Landwirt aus Donnerstedt.

„Wir halten den Standort für vernünftig“, erklärt Landwirt Arndt. Gemeinsam mit seinen Eltern führt er bereits einen Betrieb in Donnerstedt, mit der Schweinemast-Anlage in Dibbersen möchte sich der 31-Jährige nun einen eigenständigen Betrieb aufbauen. „Am Standort in Dibbersen ist bereits Gewerbegebiet vorhanden, die Erschließung ist gesichert.“ Dies sei schließlich vorteilhafter, als wenn er den Stall inmitten einer freien grünen Wiese errichten ließe. Die umliegenden Häuser seien weit genug entfernt, die erforderlichen Abstände eingehalten. Zudem sei vom Landvolk Mittelweser ein Immissionsgutachten erstellt worden. „Wir haben alle Auflagen eingehalten, es wurden keine Grenzen überschritten“, betont der Landwirt. Nun gelte es, noch die Zustimmung des Landkreises abzuwarten, „denn dieser hat in der Angelegenheit das letzte Wort“.

Alle Auflagen wurden eingehalten: Für die Dibberser dennoch kein Grund, das Vorhaben kommentarlos hinzunehmen, sagen Harsleben und Maaß. „Wenn wir keinen Widerstand leisten, dann können auch alle weiteren Bauvorhaben ausgeführt werden. Prinzipiell könnte jeder kommen und einen Maststall errichten“, kritisiert Maaß. Harsleben ergänzt: „Wir sind grundsätzlich gegen Massentierhaltung, das wollen wir deutlich machen und die Politik aufrufen, etwas dagegen zu unternehmen.“

Gemeindedirektor Gerd Schröder erläuterte bereits während der Ratssitzung, dass es sich bei Arndts Antrag um ein privilegiertes Vorhaben gewerblicher Art handele. Der Antrag sei geprüft worden, es gebe keine Belange, die dagegen sprächen. Die Erschließung sei über die Straße Dibberser Bahnhof gesichert. Auch die vorhandenen Löschwasserversorgungsanlagen sind aus Sicht der Verwaltung ausreichend. „Wir haben alles nach Gesetz und Recht geprüft“, so Schröder auf erneute Nachfrage. „Da ist von Außenstehenden rein rechtlich gesehen nichts zu machen, außer an den guten Willen des Landwirtes zu appellieren.“ Bei dem Vorgang in Dibbersen handele es sich um einen normalen Vorgang, der allerdings wie so häufig einigen Bürgern nicht passe. Schröder: „In der Nähe meines Hauses stehen auch Windräder und Schweineställe.“ Damit müsse man nun mal leben.

Das wollen die Dibberser allerdings nicht. Maaß wohnt nach einigen Angaben 380 Meter von dem künftigen Maststall entfernt, Harsleben rund 800 Meter. „Die Keime und Gerüche – Studien haben ergeben, dass auch in über einem Kilometer Entfernung Krankheiten auftreten können“, erklärt Harsleben. Zudem wisse man nicht, ob den Tieren nicht auch Antibiotika verabreicht würden, ergänzt Maaß. Er befürchtet außerdem Lärmbelastung und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen.

Noch einen wesentlichen Punkt hat Maaß zu beanstanden: „Thedinghausen wirbt mit seinem Tourismus, mit dem Erbhof, dem Weser-Radweg, dem Status als Urlaubs-Region. Ich glaube nicht, dass Touristen bei ihren Ausflügen an zig Schweinemaststätten vorbeifahren möchten.“ Keinerlei Vorteile hätte das Vorhaben, nicht einmal Arbeitsplätze entstünden dadurch.

Die neu formierte Bürgerinitiative hat bereits die weiteren Schritte geplant: Zunächst sollen Unterschriften gesammelt sowie Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Naturschutz und Umwelt (Bund) angeschrieben werden. Denn, so Harsleben, es gebe in Dibbersen schützenswerte Tiere, die durch ein derartiges Vorhaben möglicherweise gefährdet würden.

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