Konzert in Kirche Lunsen Große Klangfülle im Gotteshaus

Die Sinfonietta Aller-Weser ist ein gern gesehener Gast in der Kirche Lunsen. Am Sonntag gastierte das Ensemble wieder in dem Gotteshaus und präsentierte das Programm „Religioso“.
02.03.2020, 16:25
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Große Klangfülle im Gotteshaus
Von Jürgen Juschkat

Mit religiöser Musik aus verschiedenen Epochen begeisterte die Sinfonietta Aller-Weser am Sonntagabend das Publikum in der Kirche St. Cosmas und Damian in Lunsen. Unter dem Titel „Religioso“ standen in dem einstündigen Konzert unter der Leitung von Karsten Dehning-Busse Werke von Joseph Haydn, Max Bruch und Felix Mendelssohn-Bartholdy auf dem Programm. Die Sinfoniette Aller-Weser, die sich vor allem aus Musikerinnen und Musikern aus der Region zwischen Verden, Hoya und Bremen zusammensetzt, tritt schon seit mehr als zehn Jahren in Lunsen auf. „Wir haben in dieser Zeit schon französische, russische und englische Musik gespielt. Doch wir setzen auf Abwechslung und haben das Programm aktuell auf den Aufführungsort Kirche zugeschnitten“, erklärte Dehning-Busse.

Das 50 Mitwirkende umfassende große Sinfonieorchester hatte sich in drei Arbeitsphasen über drei Wochenenden projektbezogen auf dieses Programm vorbereitet und sorgte nunmehr in der Lunser Kirche für eine große Klangfülle und eine ganz besondere Atmosphäre. „Vom Gefühl her ist das Publikum in den Jahren immer mehr geworden. Die Hälfte weiß, wer wir sind“, glaubt der Dirigent. „Wir kommen sehr gern und fühlen uns hier sehr wohl“, fügte er an.

Am ersten Sonntag der Passionszeit – Invokavit – mussten die Musiker jedoch etwas auf den Beginn ihres Konzertes warten. Die für fünf Minuten den Sonntag einläutenden Kirchenglocken hätten nämlich den Klang der klassischen Musik übertönt. Aber irgendwie passte das zum Thema „Religioso“. Mit der Sinfonie Nr. 30 in C-Dur „Alleluja“ von Haydn eröffnete das Sinfonieorchester das Konzert. Im ersten Satz wurde die österliche Liturgie aufgegriffen. Neben den Streichinstrumenten setzten Hörner, Fagott und Oboe wichtige Akzente. Eher andächtig erklang das Andante im ruhigen zweiten Satz. Zu einem „Tempo di Menuet“ flossen im dritten Abschnitt das Menuett und Schlussrondo zusammen.

Das Bruch zugeschriebene Konzertstück „Kol Nidrei“ bildete durch die Sinfonietta Aller-Weser einen weiteren Höhepunkt in der Lunser Kirche. Ganz besonders aber durch den Einsatz der 17-jährigen Cellistin Rahel Meiler – einer Schülerin von Dehning-Busse. Immerhin wurde das Adagio nach hebräischen Melodien d-Moll op. 47 für Cello und Orchester geschrieben. Die junge Musikerin bekam mit ihrem Violoncello den Platz in der ersten Reihe gleich neben dem Dirigenten und strahlte viel musikalisches Gefühl aus. Setzten zunächst die Streicher ein, so sorgten nach Pauken- und Harfenklängen die Bläser von Klarinette bis Zugposaune vom Altarraum aus für ein volles Klangerlebnis im gesamten Gotteshaus. Manchmal klang die Musik von Bruch aber auch sinnlich und fast schon verträumt zu den Zuhörern hinüber. Ebenso wie die Solo-Violinistin, so hatte auch Jessica Breitlow an ihrer Harfe nur bei diesem Stück ihren Einsatz.

Mit der sogenannten „Reformationssinfonie“, der Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 von Mendelssohn-Bartholdy, mit der einst dem Reformator Martin Luther und dem Protestantismus ein musikalisches Denkmal gesetzt wurde, schlug das Aller-Weser-Orchester durch die Bläser bisweilen dramatisch wirkende Töne an. Gut möglich, dass der Komponist damit gezielt etwas Hektik ausdrücken wollte. Wer die Augen schloss und die Musik genoss, der konnte sich aber auch vorstellen, wie die Böen von Sturm und Orkan im Herbst oder Frühjahr übers Land fegen. Achtel- und Sechszehntelnoten sorgten für ein flottes und besonderes Klangerlebnis – unterstützt von Christian Sander an der Pauke. Die Zuhörer starrten derweil angespannt in Richtung Orchester und verfolgten die Musik. Die Flammen der hohen Kerzen auf dem Altar flackerten fast schon im Takt mit.

Tänzerisch und leicht kam der zweite Satz – das Allegro vivace – herüber. Da war nichts mehr von der Auftakt-Unruhe zu spüren. Dieser Abschnitt wurde zu einem weiteren Genuss für den verwöhnten Klassik-Liebhaber. Teilweise noch ruhiger, sogar feierlich-festlich wirkte das Andante – sinnbildlich zu vergleichen mit dem Hin- und Herschaukeln des Weines beim Absetzen des Glases.

Manch ein Besucher hätte sicherlich gern mitgesungen, als „Ein feste Burg ist unser Gott“ angestimmt wurde und schließlich als Thema in verschiedenen Varianten erklang. Da war nicht nur das Publikum begeistert, auch die Musiker lebten sichtlich diese musikalischen Passagen, die ein furioses Finale und somit einen krönenden Abschluss des Lunser Konzertabends bildeten. Eine Zugabe gab es nicht. „Nach diesem Stück kann man keine Zugabe geben. Wir werden aber nächstes Jahr im März wiederkommen“, versprach Dehning-Busse.

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