Handball

Nick Volmert und der Ruf der Großstadt

Der Nachwuchshandballer Nick Volmert hat sich mit der HSG Verden-Aller zweimal für die Oberliga qualifiziert. Nun hofft der Wulmstorfer auf einen Platz in der Talentschmiede des SC DHfK Leipzig.
26.11.2020, 05:00
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Nick Volmert und der Ruf der Großstadt
Von Florian Cordes
Nick Volmert und der Ruf der Großstadt

Nick Volmert spielt aktuell für die C-Jugend der HSG Verden-Aller. Das Talent aus Wulmstorf peilt nun aber einen Platz in der Leipziger Handball-Akademie an.

Björn Hake

Weitläufige Felder, viel frische Luft, dünn besiedelt – Wulmstorf ist ein Dorf, wie es im Buche steht. Das komplette Gegenteil ist die sächsische Metropole Leipzig. Nick Volmert lebt im ländlichen Idyll von Wulmstorf, möchte aber dem Ruf der Großstadt folgen – und zwar aus sportlichen Gründen. Er hofft, in Leipzig den nächsten großen Schritt in seiner Laufbahn machen zu dürfen. Nick Volmert ist Handballer und strebt einen Internatsbesuch in Sachsen an.

„Seitdem ich Handball spiele, habe ich den Wunsch, auf ein Internat zu kommen“, sagt der 14-jährige Nick Volmert. Seine Stimme klingt dabei nach einer Mischung aus jugendlicher Schüchternheit, aber auch viel Selbstvertrauen – zu Recht. Denn dass sein Wunsch in Erfüllung geht, ist nicht so unwahrscheinlich. Bereits seit mehreren Monaten stehen Nick und sein Vater Marco Volmert mit dem Bundesligisten SC DHfK Leipzig in Kontakt. „Wir wurden damals angeschrieben, ob ich eine Probewoche in Leipzig machen möchte“, erzählt Volmert junior. „Das macht einen schon stolz.“

Bislang ist daraus aber noch nichts geworden. „Eigentlich sollte Nick im März nach Leipzig fahren. Alles war schon eingetütet – und dann kam Corona dazwischen“, sagt Marco Volmert. Der Kontakt zu der Nachwuchsabteilung des SC DHfK Leipzig besteht jedoch weiterhin. Nun muss sich der 14-jährige Linkshänder gedulden, bis die Pandemie-Lage einen Besuch in der sächsischen Metropole wieder zulässt.

Als sich die Leipziger erstmals bei Familie Volmert gemeldet hatten, herrschte durchaus ein wenig Verwunderung im Haus, wie der Klub auf Nick aufmerksam geworden ist. „Wulmstorf ist ja nicht gerade in der Nähe von Leipzig“, sagt Marco Volmert schmunzelnd. Beim SC DHfK arbeitet jedoch ein Trainer, der noch Kontakte in den Kreis Verden hat: Lennart Lingener. Der Coach der Leipziger B-Jugend war einst als Co-Trainer bei der A-Jugend des TV Oyten tätig, als diese in der Jugend-Bundesliga unterwegs war. „Lennart hat mich auf Nick aufmerksam gemacht“, verrät Matthias Albrecht, Nachwuchskoordinator und Cheftrainer der Handball-Akademie des SC DHfK Leipzig, im Gespräch mit unserer Zeitung den Hintergrund.

Leipziger haben einen Plan B

Albrecht könne jedoch nicht sagen, wann eine Probewoche für Nick Volmert möglich ist. „Das ist aktuell schwierig und nicht abzusehen, wann die Schnupperwochen wieder möglich sind“, verweist er auf die Corona-Situation. Bei solch einer Woche würden die jungen Handballtalente das Geschehen im Internat genau kennenlernen, sagt Matthias Albrecht: „Sonntags reisen die Jungs an und machen dann von Montag bis Freitag den kompletten Ablauf mit.“ Sprich: Vormittags steht Schulunterricht an, am Nachmittag das Handballtraining. Während dieser Woche gehe es auch um das gegenseitige Kennenlernen. Albrecht: „Die jungen Handballer müssen ja auch sehen, ob so ein Internatsbesuch überhaupt etwas für sie ist.“

Da eine komplette Schnupperwoche derzeit nicht möglich ist, haben Albrecht und seine Kollegen jedoch einen Plan B in der Schublade. „Wir versuchen, dass die Jungs zumindest für einen Tag zu uns kommen können“, schildert er. Für Anfang Februar sei dieser Sichtungstag geplant. „Wir hoffen, dass es klappt“, sagt der Cheftrainer der Handball-Akademie.

Die Chance, in Leipzig sein Talent zu zeigen, ist für Nick Volmert also da. Und dieses Talent ist, das ihn auf die Liste eines Bundesligisten gebracht hat. Bereits in verschiedenen Auswahltrainings wusste der 1,86 Meter große Rückraumspieler zu überzeugen. Und in seiner aktuellen Mannschaft – die männliche C-Jugend der HSG Verden-Aller – ohnehin. In der vergangenen Saison spielte der Nachwuchs aus der Kreisstadt in der Oberliga Süd. In der Torschützenliste landete Nick Volmert weit vorne. Mit seinen 120 Toren belegte er Rang sechs.

In der aktuellen Saison hat sich die HSG erneut einen Oberligaplatz ergattert. In ihrer Relegation wurden die Verdener, die von Marco Volmert und Björn Fechner gecoacht werden, unangefochtener Erster in ihrer Gruppe. Nick Volmert hatte einen großen Anteil an diesem Erfolg. Von den insgesamt 127 erzielten HSG-Toren gingen allein 39 auf sein Konto.

Verbandsmeisterschaft als Ziel

Mit der erneuten Qualifikation für die Oberliga will sich Nick Volmert allerdings nicht zufriedengeben. Er hat schon eine genaue Vorstellung, was er mit der C-Jugend der HSG Verden-Aller in dieser Saison noch erreichen will. „Mein Ziel sind die Verbandsmeisterschaften“, sagt der 14-jährige Wulmstorfer. Doch auch in diesem Punkt muss er sich wie alle Amateur-Handballer gedulden. „Es ist schon blöd, dass wir aktuell nicht in der Halle trainieren dürfen“, sagt Nick Volmert über die derzeit geltenden Corona-Regeln. Immerhin sehe er einige seiner Teamkameraden aber in seiner Schule, dem Gymnasium am Wall in Verden.

Sein mittelfristiges Ziel sei aber der Besuch eines Sportinternats – am liebsten das in Leipzig. „Denn man hört viel Gutes über das Internat“, sagt sein Vater. Von seinen Eltern wird Nick Volmert bei seinen Plänen voll unterstützt. „Schließlich ist es Nicks eigene Entscheidung. Er möchte diesen Schritt gerne machen. Und wenn er ihn macht, dann muss er ihn jetzt machen, wenn er in die B-Jugend kommt“, sagt Marco Vollmert.

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