Hohe Belohnung ausgesetzt Teure Wagyu-Rinder aus Stall in Dibbersen gestohlen

Aus dem Stall in Thedinghausen-Dibbersen sind dem Züchter Andre Seefried drei Wagyu-Rinder gestohlen worden. Wert der Tiere: fast 50.000 Euro. Nun hat Seefried eine hohe Belohnung für Hinweise ausgelobt.
13.09.2022, 16:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Juschkat

Das war ein Schock für den Rinderzüchter Andre Seefried: In der Nacht vom 28. auf den 29. August wurden ihm aus dem Stall in Dibbersen zwei äußerst wertvolle Wagyu-Zuchtbullen und ein Ochse der gleichen Rasse gestohlen. Bis heute wurden die vermeintlichen Täter nicht ermittelt. Der in Weyhe lebende Eigentümer der Tiere hat deshalb Belohnungsprämien ausgelobt und hofft auf Hinweise, die die Kripo in Achim entgegennehmen und verwerten kann.

„Die Täter müssen sich mit Rindern auskennen und vom Fach sein“, glaubt Seefried, der den Stall in Dibbersen auf dem ehemaligen Ramke-Meyer-Hof vor rund zwei Jahren von Steffen Osmers gepachtet hat. Die Tiere haben erheblichen Wert, deshalb ist der Eigentürmer der Wagyu-Rinder bei der ausgesetzten Belohnung auch nicht kleinlich. „5000 Euro habe ich ausgesetzt für einen gerichtsverwertbaren Beweis, der zur Verurteilung des Täters führt, sogar 10.000 Euro zahle ich, wenn die Tiere geschlachtet wurden und der Schlachter vor Gericht verurteilt ist“, erklärt der Rinderzüchter.

"Echte Brocken"

Die gestohlenen Zuchtbullen und der Ochse standen direkt an einem Ende des Strohstalls. Das Gitter zum Gehege wurde dort geöffnet, wo die beiden Bullen ihren Platz hatten. „Sie waren die ältesten Tiere die ich hatte, echte Brocken. Der Ochse war wohl nur Beiwerk“, glaubt Seefried. Vermutet wird, dass die Tiere mit einem Lkw oder in einem Anhänger abtransportiert wurden. „Aber das muss schon ein großer Anhänger gewesen sein“, grenzt der Stall-Pächter ein.

Ausgegangen wird von einem Schaden von 47.500 Euro netto, was dem Schlachtpreis entspricht. Die beiden Bullen waren nicht einmal für die Schlachtung vorgesehen, sondern für die Zucht. Mitglieder des Dorfvereins haben per E-Mail dazu aufgerufen, Beobachtungen mitzuteilen. Aufmerksam auf fehlende Tiere im Stall wurde der Helfer von Seefried am Montagmittag. „Er hat mich gefragt, ob wir welche verladen hätten. Beim Durchzählen stellte auch ich fest, dass welche fehlen“, erzählt der Besitzer. Die amtliche Liste, in der unter anderem die Lebendohrmarken-Nummern erfasst sind, wurde überprüft. Da standen sie schwarz auf weiß neben weiteren: DE 03 603 43434, DE 03 607 14667 und DE 03 622 21776.

Tiere vermutlich geschlachtet

Wenn die Tiere von einem Stall in den anderen wechseln, müssen sie ab- und angemeldet werden. Festgehalten ist aber auch ein genetischer Fingerabdruck eines jeden Wagyu-Rindes. „Deshalb geht eine weitere Zucht gar nicht“, erklärt der Züchter. So spricht scheinbar viel dafür, dass sie verwertet, also sofort geschlachtet wurden. Doch da ist der Fleischhandel ebenso schwierig. Das Bullenfleisch hat eine mittlere Marmorierung, sieht nicht wie normales Rindfleisch aus. „1200 bis 1500 Kilo Schlachtgewicht müssten das gewesen sein“, glaubt der Stallpächter.

Um die 70 reinrassigen Wagyus hat Seefried im Strohstall in Dibbersen stehen. „Keine Kreuzung, das war eine gute Entscheidung“, sagt er. Vor vier Wochen wurden die Vierbeiner von der Weide geholt, weil diese sogar an der Weser zu trocken geworden war. „Das sind Mast-Tiere, da muss Energie rein“, nennt der Züchter die Fütterung, „sonst bekommt man die Marmorierung – das intramuskuläre Fett – nicht rein“. Im Vergleich zu herkömmlichen Rindern sind Wagyu-Rinder pechschwarz, kleiner und das Fleisch ist eben anders. Während ein Fleischrind nach 24 Monaten geschlachtet wird, dauert es bei einem Wagyu etwa vier Jahre. „Halb so groß und doppelt so lange“, beschreibt Seefried den Vorgang.

Einer der Zucht-Pioniere

Der Dibberser Züchter vermarktet in der Regel das Wagyu-Fleisch selbst online unter „WAGYU.shop“ und der gleichnamigen App, doch zurzeit ist er fast ausverkauft. „Der Ochse wäre bald dran gewesen. Ende Oktober sieht die Situation aber wieder besser aus“, glaubt Seefried. Der junge Mann aus Weyhe, der hauptsächlich Gras und Heulage sowie Kraftfutter fürs i-Tüpfelchen verfüttert, gehört bei der Wagyu-Zucht mit zu den Pionieren in Deutschland. Die Rasse stammt aus Japan. Die beiden Dibberser Bullen sind Söhne von Kenhanafuji. Aus dem ostasiatischen Land wurden weniger als 200 Tiere jemals exportiert. Seefried hat zu einem der beiden Bullen ein ganz besonderes Verhältnis. „Den habe ich von Hand großgezogen. Er war zahm und lag mir besonders am Herzen“, bedauert der Besitzer ganz besonders diesen Verlust. Es klingt Verbitterung aus den Worten von Seefried heraus, der gar nicht verstehen kann, dass es solch dreiste Diebe gibt.   

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