Theater im Erbhof

Hypochonder sorgt für Heiterkeit

Der Theaterverein „Theater SpielArt“ gastiert mit dem Stück „Der vermeintlich Kranke“ im Erbhof Thedinghausen. Das Besondere: Das Stück wird auf Hoch- und auf Niederdeutsch aufgeführt.
01.10.2019, 15:33
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Hypochonder sorgt für Heiterkeit
Von Onno Kutscher
Hypochonder sorgt für Heiterkeit

"Der vermeintlich Kranke" wird auf Hoch- und Niederdeutsch in Thedinghausen aufgeführt.

Theater SpielArt e.V.

Der Verein "Theater SpielArt" ist eine Gruppe Theaterschaffender, die sich aus professionellen und semiprofessionellen Theaterfachleuten und an innovativer Theaterarbeit interessierten Amateuren im März 2017 gebildet hat. Entstanden ist sie aus einer Weiter- & Fortbildungsmaßnahme des Landes Niedersachsen. Nun gastiert die Gruppe im Erbhof Thedinghausen. Am 19. und 20. Oktober führen sie das Stück "Der vermeintlich Kranke" auf. Im niederdeutschen trägt es den Titel "Von’t Lief un von de Leev!". "Wir gastieren im Rahmen unseres Kulturauftrages mit innovativen Produktionen in regionalen kulturellen Einrichtungen und Heimathäusern. ,Theater SpielArt' leistet Erwachsenenbildung im besten Sinne", sagt der Verein über sich selbst. ​

„Ein erklärtes Anliegen des Leitungsteams ist die Förderung der niederdeutschen Sprache. Wir leisten einen innovativen Kulturbeitrag für die ländliche Region“, teilt der Theaterverein mit. Die Gruppe präsentiert daher in der Spielzeit 2019 ein Theaterevent der besonderen Art: „Wir produzieren erstmals zweisprachig und offerieren unserem Publikum eine hoch- und eine niederdeutsche Version der Komödie 'Der vermeintlich Kranke' von Jean Baptiste Molière mit dem niederdeutschen Titel ,Von’t Lief un von de Leev!'“

Dramatisches Ende

„Der vermeintlich Kranke“ (im Original „Le Malade imaginaire“) ist eines der berühmtesten Theaterstücke von Molière und zugleich sein letztes Werk, heißt es vom Theaterverein. Die Komödie in drei Akten wurde am 10. Februar 1673 uraufgeführt. Die Rolle des Titelhelden spielte der Dichter selbst. Molière, durch eine Bronchitis, Hustenanfälle und die Anstrengungen der letzten Wochen geschwächt, erlitt bei der vierten Vorstellung, am 17. Februar 1673, einen Aderriss der Lunge – er verstarb, noch im Kostüm, nur wenige Stunden später. ​

Geblieben ist der Nachwelt ein Stoff, dessen Thematik im Laufe der Jahrhunderte nichts an Prägnanz und Brisanz eingebüßt hat. „Im Gegenteil, sie erscheint uns angesichts der Götter in Weiß, der Machenschaften der Pharmaindustrie und unseres Gesundheitssystems aktueller denn je“, heißt es vom Theaterverein. „Weit mehr als nur ein Zeitzeugnis offenbart sich uns in Molières Bühnencharakter. Menschliches spielt sich vor unseren Augen ab. Leidensfähigkeit auf dem Prüfstand und ohne Frage aktuell. Allzu aktuell kommt die Inszenierung daher, wollen wir es doch allzu oft nicht wahrhaben, was uns im Innersten bewegt und umtreibt.“

Ein Egomane als Hauptfigur

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hubert, ein Hypochonder vor dem Herrn, dessen Leben nur um sich selbst, seine egomanischen und bisweilen egozentrischen Eingebungen und Ängste kreist. Es ist Molières Abrechnung mit den Medizinern und den Praktiken der Schulmedizin seiner Zeit – verstarb er doch selbst auf den Brettern, die für uns die Welt bedeuten. „In einer eigens für den Spielbetrieb erarbeiteten Bühnenfassung präsentieren wir unserem Publikum diesen zeitlosen Komödienstoff. Ein historisches Schauspiel erwartet den Zuschauer, welches in seiner Überzeitlichkeit und Relevanz bis in unsere Tage ein Theatervergnügen der besonderen Art verspricht.“


Das Stück wird am
19. Oktober ab 20 Uhr auf Hochdeutsch im Renaissancesaal des Erbhofs gespielt, am darauffolgenden Sonntag, 20. Oktober , wird das Stück ab 15 Uhr in der Niederdeutschen Version aufgeführt. Veranstalter ist der Förderkreis Erbhof zu Thedinghausen . Karten gibt es für zehn Euro (Schüler, Studenten acht Euro) bei der Touristik-Information der Samtgemeinde Thedinghausen im Schloss Erbhof ( 0 42 04 / 88 22), Buch und Papier Lange, Braunschweiger Straße 55/57 (0 42 04 /2 94), und www.nordwest-ticket.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+