Handball

Planänderung am Weserstrand

Intschedes Leistungsträgerin Michele Dahlendorf wollte nach der jüngsten Saison eigentlich aufhören. Nun hängt sie aber mindestens ein weiteres Jahr ran.
13.05.2020, 15:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Prütt

9,88 – so viele Tore hat Michele Dahlendorf in der Saison 2019/2020 für den TSV Intschede im Durchschnitt pro Spiel markiert. Eine bessere Quote in der Handball-Landesliga Bremen weist nur Laura-Sophie Lissewski vom Elsflether TB auf. Sie kommt mit 170 Toren in 17 Spielen auf zehn Treffer pro Partie. Dahlendorf liegt mit 158 Toren in 16 Spielen auf Platz zwei. Damit hat die Linkshänderin einen großen Anteil daran, dass der TSV Intschede als Aufsteiger eine bemerkenswerte Saison hingelegt hat. Als die Spielzeit Mitte März zunächst unter- und wenige Wochen später abgebrochen wurde, nahm der TSV Platz sechs ein. Daran hat sich nun in den aktualisierten offiziellen Tabellen nach Quotientenregelung nichts geändert.

Nach dem Aufstieg in die Landesliga sollte die Spielzeit 2019/2020 für die Dahlendorf eigentlich die letzte sein. Noch ein Jahr mit dem Klub von der linken Weserseite in der höheren Liga auflaufen, noch einmal die Euphorie des Aufstiegs mitnehmen, dann sollte Schluss sein. Inzwischen hat die mit Abstand beste Torschützin des Klubs vom Weserstrand ihren Plan verworfen. „Ich hatte in dieser Saison so gut wie keine Verletzungsprobleme, eine Saison hänge ich mindestens noch dran“, sagt sie. In Zukunft will die 31-Jährige „von Jahr zu Jahr“ schauen, wie es mit ihrer Laufbahn weitergeht.

Jannik Sievers, der den TSV gemeinsam mit Niklas Bodenstab trainiert, wird es gerne vernommen haben, dass sich seine Haupttorschützin für eine weitere Saison entschieden hat. „Michele ist in Sachen Einsatz und Zuverlässigkeit ein Vorbild für unsere jungen Spielerinnen“, hält der 24-Coach große Stücke auf seine sieben Jahre ältere Führungsspielerin. Beim TSV Intschede steht Michele Dahlendorf inzwischen mit vielen Akteurinnen auf dem Feld, die sie zuvor bereits gemeinsam mit Luisa Hahn viele Jahre in der Jugend trainiert hat. „Einschulung, Konfirmation und den ersten Freund. Viele Mädels habe ich ab den Minis über 15 Jahre auf ihren Lebensstationen begleitet. Jetzt stehen wir zusammen auf dem Feld“, erklärt Michele Dahlendorf ihre besondere Intschede-DNA. Die Crew vom Weserstrand und die in Achim-Bierden wohnende Linkshänderin, das ist eine über viele Jahre gewachsene Verbindung.

Ihre größten Erfolge hat die Linkshänderin allerdings in einem blauen Trikot gefeiert – und zwar in dem des TV Oyten. Als B-Jugendliche war sie einst zu den „Vampires“ gewechselt. Im Erwachsenenbereich spielte Michele Dahlendorf – damals noch unter ihrem Geburtsnamen Müller – mit der Zweitvertretung des TVO in der Oberliga. Bevor es zurück zum TSV Intschede ging, stand sie in Oyten auf dem Sprung in die erste Mannschaft, die damals in der 2. Bundesliga unterwegs war. Am Ende habe es damit jedoch nicht geklappt, blickt Michele Dahlendorf auf ihre Zeit beim Nordkreisklub zurück. Dort war sie nicht nur als Spielerin aktiv, ein Jahr lang trainierte sie zudem die weibliche A-Jugend der „Vampires“. Die Berufung in die Polizei-Nationalmannschaft und Teilnahme an der Europameisterschaft waren weitere Höhepunkte.

In all den Jahren hat sich Dahlendorf auch durch schwere Verletzungen nicht aus der Bahn werfen lassen. Zweimal wurde sie durch Kreuzbandrisse ausgebremst, dreimal musste sie wegen Meniskusverletzungen Zwangspausen einlegen. Aufhören war dennoch keine Option für die Kämpferin. Seit fünf Jahren ist Michele Dahlendorf inzwischen von schwereren Verletzungen verschont geblieben. Nur die Spiele stecke sie nicht mehr so locker weg wie früher. „Ich bin ja quasi die Oma in unserer Mannschaft, die Regeneration braucht schon ihre Zeit“, schmunzelt Dahlendorf.

Mit dem Abschneiden in der inzwischen durch den Verband abgebrochenen Saison sei sie „super zufrieden.“ Nur zweimal sei ihr TSV Intschede in den Spielen auf Landesliga-Parkett chancenlos gewesen. Die anderen Niederlagen stuft die Rechtsaußen im Team von Coach Sievers als „ärgerlich“ ein. Ab und an müsse ihre Mannschaft noch die Nervosität ablegen, nennt Michele Dahlendorf ein Manko. Der eine oder andere Einbruch sei nicht nötig gewesen. Auf zwei Spiele freut sich Michele Dahlendorf in der kommenden Saison besonders: auf die Duelle gegen den TSV Morsum. „Das werden sicher zwei schöne Derbys mit dann hoffentlich auch wieder vielen Zuschauern.“

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