Korbball

Neustart auf ungewohntem Terrain

Die Frauen des TSV Thedinghausen standen im Korbball lange Zeit für Erfolg. Das ist erst mal Geschichte. Nach über 20 Jahren sind die Korbballerinnen nicht mehr in einer der beiden höchsten Ligen vertreten.
29.03.2020, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Neustart auf ungewohntem Terrain
Von Maurice Reding

Elke Dahme wirkt gefasst. So richtig kann sie es immer noch nicht glauben. Der TSV Thedinghausen ist am letzten Spieltag der Korbball-Niedersachsenliga der Frauen noch auf einen Abstiegsrang gerutscht und muss den Gang in die Bezirksoberliga antreten. „Die Enttäuschung ist nach wie vor groß. Das konnte man sich nicht vorstellen“, sagt die TSV-Trainerin. Damit endet eine lange andauernde Ära. Über 20 Jahre waren die Thedinghauserinnen in einer der beiden höchsten Korbballligen Niedersachsens, der Bundesliga Nord und der Niedersachsenliga, vertreten. Ein Strohhalm für einen eventuellen Ligaverbleib bleibt dem TSV allerdings noch.

Doch wie kam es zu dem Szenario, an das keiner in Thedinghausen zunächst glauben wollte? „Jeder hatte seine Probleme und sein Päckchen, das er mit sich trug. Corinna Ehlers war zu Beginn verletzt, eine andere Spielerin ist in die zweite Mannschaft gewechselt. Dann mussten wir die neuen Spielerinnen erst mal integrieren“, weist Dahme auf personelle Probleme hin. Hinzu kam die Neubesetzung der Korbfrau in Person von Dorothea Schley. „Sie macht das noch nicht so lange. Das ist dann natürlich schwierig“, sagt Dahme, die neben ihrer Trainertätigkeit auch Abteilungsleiterin der Korbballsparte ist.

Zu Beginn der Saison sah es für die Thedinghauserinnen nicht nach einem Abstieg aus. Im Gegenteil: Nach den ersten drei Doppelspieltagen wies der TSV mit drei Siegen und drei Niederlagen eine ausgeglichene Bilanz auf und fand sich in der Spitzengruppe wieder. Was dann folgte, war eine nicht enden wollende Misere. Es sollte acht Spiele dauern, bis der TSV wieder ein Spiel gewann. Mit 21:9 schlugen die Dahme-Schützlinge den Tabellenletzten SV Brake II. Was keiner zu dem Zeitpunkt ahnte: Es war der letzte Sieg in der Saison. „Wir haben den Abstiegskampf zu spät ernst genommen und sind dort hereingeschludert. Wir dachten, dass es schon klappt. Das war ein bisschen wie bei Werder Bremen in dieser Saison“, vergleicht Dahme die Situation mit der des Fußball-Bundesligisten.

Haben die TSV-Korbballerinnen nach dem Abstieg aus der Bundesliga die Niedersachsenliga unterschätzt? „Nein“, sagt Dahme deutlich. „Mir war klar, dass die Niedersachsenliga ausgeglichen ist und dort jeder jeden schlagen kann.“ Deshalb sei ihr Saisonziel auch das gesicherte Mittelfeld gewesen. Einige Spielerinnen hätten sogar höhere Ziele gehabt, erzählt Dahme.

Höhere Ziele hatte der TSV Thedinghausen in der Vergangenheit öfters. Der Verein spielte regelmäßig in der Bundesliga, wurde dort Meister und richtete im Jahr 2015 sogar die Deutsche Korbballmeisterschaft aus. Doch das Jahr 2018 sollte sich als ein einschneidendes erweisen. „Es war der große Knackpunkt“, sagt Dahme und spricht damit mehrere Ereignisse an, die sich teilweise überschlugen. Gleich mehrere Spielerinnen wurden schwanger. Zudem wechselte Korbfrau Agnetha Rippe den Verein und schloss sich der SG Findorff an. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, verabschiedete sich auch noch das damalige Trainerteam, bestehend aus Coach Thomas Piper und Co-Trainer Oliver Ihde. Die Thedinghauserinnen mussten als amtierender Meister der Bundesliga Nord komplett neu starten. Am Ende stiegen sie nach 20 Niederlagen aus 20 Spielen sang- und klanglos in die Niedersachsenliga ab.

Wie es für den TSV Thedinghausen nach dem zweiten Abstieg in Folge personell weitergeht, vermag Elke Dahme nicht zu prognostizieren. „Wir haben uns nach dem letzten Spiel noch mal alle getroffen. Einige Spielerinnen haben sich die Entscheidung offen gehalten, ob sie bleiben oder gehen möchten. Wir müssen aber abwarten. Ich hoffe, dass der Kern bleibt.“ Das könnte sich jedoch als schwierig gestalten. „In der Bezirksoberliga sind die Spiele samstagabends. Da sind einige meiner Spielerinnen aber beruflich eingespannt“, sieht Dahme neue Personalprobleme auf sich zukommen.

Die neue Spielzeit soll im September oder Oktober beginnen. Ob das tatsächlich so geschieht, steht aufgrund der Corona-Pandemie in den Sternen. In der Bezirksoberliga fiel der letzte Spieltag dem Virus zum Opfer. Für den 17. Mai sind die Aufstiegsspiele zur Niedersachsenliga angesetzt. Auch hinter diesen Partien steht ein großes Fragezeichen. „Wenn die Spiele ausfallen, müsste eh geguckt werden, wie die Saison gewertet wird. Vielleicht gibt es dann ja auch keine Absteiger aus der Niedersachsenliga. Das wäre aber der allerletzte Strohhalm für uns“, sagt Dahme. Wann eine Entscheidung bezüglich der Aufstiegsspiele fällt, hängt laut der Korbballtrainerin von den aktuellen Entwicklungen des Virus ab.

Gedanklich ist Elke Dahme bereits in der Bezirksoberliga. „Unser Ziel ist der direkte Wiederaufstieg“, will sie gar nicht groß drumherum reden. Der Neustart in der Bezirksoberliga soll der Beginn einer neuen Ära sein. Beim TSV Thedinghausen wissen sie, wo sie herkommen. Und genau dort wollen sie wieder hin – in eine der beiden höchsten Korbballligen Niedersachsens.

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