Schießen Vielseitig und erfolgreich

Der Sportschütze Rolf Beneke tritt bei Wettkämpfen für verschiedene Vereine an. Einen seinen größten Erfolge feierte der Donnerstedter im vergangenen Jahr.
27.11.2020, 05:00
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Vielseitig und erfolgreich
Von Jürgen Juschkat

Er ist die Vielseitigkeit in Person: Der 63-jährige Rolf Beneke schießt für den SV Dibbersen-Donnerstedt-Horstedt, aber in einigen seiner vielen Disziplinen auch für andere Schützenvereine. So startet er auch für die kreisdiepholzer Klubs Schwarme und Okel. Und das erfolgreich – sportlicher Höhepunkt war für ihn 2019 der Gewinn einer Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Garching-Hochbrück bei München.

Es war Ende August des vergangenen Jahres, als Rolf Benke sich bei der DM einen Platz auf dem Treppchen ergatterte. Gewonnen hat er die Silbermedaille bei den nationalen Titelkämpfen in der Disziplin 3x20 Schuss mit dem Kleinkaliber-Gewehr. Der Donnerstedter gewann nach langem Zittern für sich und den SV Etzhorn die Silbermedaille. Kniend hatte er 183 Ringe getroffen und kommentiert das heute ganz nüchtern: „Das war nicht so doll“. Liegend folgten aber äußerst starke 198 von 200 möglichen Ringen und schließlich 187 Stehendzähler zu einem 568er-Gesamtergebnis.

„Zwei Tage vorher hatte ich noch beim Liegendschießen eine 10,9 auf die Scheibe des Nachbarn geschossen. Dann habe ich mit der rutschenden Matte experimentiert, denn diese hatte sich nach 20 Schuss sichtbar bewegt“, erinnert sich der Donnerstedter. Beim Dreistellungswettbewerb leistete er sich aber liegend nur zwei Neunen. Da war er froh, dass er bei allem Wettkampf-Stress die richtige Entscheidung getroffen hatte. „Spezialisten sagen aber, schieß liegend ohne Matte“, fügt Beneke an, dessen Arm damals von einem Sturz noch etwas lädiert war.

Das gute Liegend-Ergebnis vermittelte dem Ausnahmeschützen Sicherheit, sodass er stehend mit 92 und 95 Ringen ausschoss. „Ich habe keinen Schuss verloren gegeben“, sagt Beneke, „das Wettkampfende war sehr emotional, doch das hat sich später auf dem Treppchen gelegt.“ Dass er auf Medaillenkurs steuerte, war ihm zwischenzeitlich klar.

Nach dem Wettkampf musste der Schütze, der für den SV Schwarme die Disziplinen 300-m-Großkaliber, Kleinkaliber 3x40 Schuss und GK-Pistole sowie neuerdings auch Ordonanzgewehr schießt, noch zur Waffen-Nachkontrolle. „Jetzt nur nichts falsch machen, denn ich war im Schlepp des Offiziellen mit dem Gewehr in der Hand“, denkt der Vorjahres-Silbermedaillengewinner zurück und damit an das Sicherheitsfähnchen im Lauf und an seine besondere Vorsicht.

Es war nicht das erste, aber erst das zweite Edelmetall für Beneke bei einer Deutschen Meisterschaft. Für die Farger Schützengesellschaft hatte er schon 2018 Bronze geholt – mit dem Ordonanzgewehr als Mannschaftsschütze. Fünf Urkunden kann Beneke vorweisen, auf denen von ihm aufgestellte Landesrekorde dokumentiert sind.

DM-Silber war für Rolf Beneke wie ein i-Tüpfelchen und die Krönung der umfangreichen Medaillen-Ausbeute ab der Kreismeisterschaft. „Über 50 dürfen es allein auf Landesebene gewesen sein“, schätzt der vielseitige Sportler. Vielseitig auch deshalb, weil er während seiner sportlichen Laufbahn auch eine längere Pause vom Schießen eingelegt hatte, 15 Jahre Karate als Leistungssport zu betreiben. „Trainiert wurde viermal die Woche“, weiß der Donnerstedter noch ganz genau.

Zum Schießen kehrte Beneke zurück, weil mit Holger Nesemann ein Kollege ihn ansprach, dem ein Schütze für die Mannschaft fehlte. So fing alles mit dem 60-Schuss-Liegend-Wettbewerb neu an. „Ich erreichte gleich ein Ergebnis Ende der 560 Ringe“, muss Beneke, der sich viel selbst erarbeitet, nicht lange nachdenken. Er trainiert nicht viel beim Schießen, legt den Schwerpunkt – zum Beispiel durchs Rad fahren – auf die Kondition und viel auf die Stärkung der Rumpfmuskulatur. „Bei den Wettkämpfen gebe ich mehr Schüsse als beim Training ab“, gesteht Beneke. Besonders großen Wert legt er aber auf den Mentalbereich. „Der ist deckungsgleich mit meinem Beruf. Wie funktioniert das Gehirn, wie kann ich das Beste rausholen“, fügt der Ruheständler an, der früher für die Berufsausbildung zuständig war.

In diesem Jahr sind für den Meisterschaftsschützen der Vereine aus Schwarme, Okel (KK-Liegend) und Etzhorn (3x20, 100 m und Luftgewehr) sowie dem Liga-Schützen von SV Dibbersen-Donnerstedt-Horstedt (Luftgewehr, KK-Liegend) und SV Neuenlandermoor (3x20) aufgrund von Corona keine weiteren hochkarätigen Erfolge möglich. „Das ist ein dickes Minus primär für die Motivation – kein Wettkampf, keine Trainingskollegen“, bringt der Leistungssportler, der mittlerweile längst den Senioren angehört, seine Enttäuschung auf einen Nenner und nennt auch seine Bedenken: „Viele sagen vielleicht irgendwann, es geht auch ohne Schießen. Das wäre schade. Es muss wieder in Gang kommen, dass wir uns wieder mit Wettkämpfen und der Konzentration beschäftigen.“

Aber wie ist ein Top-Schütze wie Rolf Beneke überhaupt zum Schießsport gekommen? „Durch meinen Vater, der damals Kreisjugendleiter (im Kreis Weser-Eyter, Anm. der Red.) war." Dieser schoss damals schon bald in Dibbersen und Riede mit dem Luftgewehr sowie in der Disziplin Kleinkaliber-Liegend. Ende der 1960er, Anfang der 1970 Jahre gehörte Herfried Knief zu seinen Mannschaftskollegen. Vater Helmut Beneke übernahm viele Trainingsformen von russischen Spitzenschützen, die Bücher dazu herausgebracht hatten. „Da habe ich viel Trockentraining gemacht, schon mal eine Viertelstunde nur das Gewehr gehalten“, denkt der Donnerstedter, der mittlerweile wieder in seinem Elternhaus in Donnerstedt wohnt, zurück. Und auch das Trockentraining hat sich sicher für den erfolgreichen Sportschützen ausgezahlt.

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