Plattdeutsches Theater

Stimmung im Wohnzimmer

Die Premiere des Stücks „Jung wees helle – bliev Junggeselle“ ist geglückt. Die Wulmstorfer Theatergruppe bescherte in Intschede dem Publikum einen unterhaltsamen Abend.
12.01.2020, 17:26
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Stimmung im Wohnzimmer
Von Jürgen Juschkat
Stimmung im Wohnzimmer

Die Wulmstorfer Theatergruppe sorgte für einen unterhaltsamen Abend.

Björn Hake

Selten so viel gelacht: Mit der Komödie „Jung wees helle – bliev Junggeselle“ feierte die Wulmstorfer Theatergruppe am Sonnabend in der Gemeinschaftssportanlage Intschede eine gelungene Premiere. In dem Dreiakter von Bernd Spehling – ins Plattdeutsche übersetzt von Günter Drewes – ging es im Wohnzimmer des „Noch“-Junggesellen Arne Freese (gespielt von Martin Kleemeyer) hoch her.

Im Mittelpunkt der Komödie, bei der Dorle Lührs Regie führte, stand der von Helmut Lührs überzeugend gespielte Georg. Ein Gauner älteren Semesters, der als „Bankspezialist“ nach 13 Jahren aus dem Knast entlassen wurde. Schorschi, wie er schon immer von Freunden genannt wurde, kam in der Freiheit zunächst bei seinem Enkel Arne unter, der aber in einer ganz anderen Welt mit liebestollen, hysterischen und hemmungslosen Frauen lebte und seinen Junggesellenabschied feiern wollte.

Aufgedreht und frivol

Ein und aus gingen in Arnes Wohnung drei Frauen mit unterschiedlichen Charakteren. Zum einen die von Heike Meyer gespielte „High-Society-Friseuse“ Lilli, die Probleme mit dem Alkohol hatte und schon nach zwei Gläsern Sekt die Kontrolle über sich verlor. Dann Arnes sportlicher Freundin Ulli (Marie Meyer), die auf die 30 zuging, immer über den Balkon ins Zimmer kletterte und bei der Verbindung zu Arne „am Rest noch arbeiten“ wollte. Völlig aufgedreht und frivol präsentierte sich als Dritte im Bunde „de scharpe Nobersche“, die Frau aus dem Untergeschoss mit ihrem hemmungslosen und schaumgeladenen Auftritt. Diese Rolle füllte Eike Lührs eindrucksvoll aus.

Völlig überzeugend spielte Torsten Mai den Hausmeister Willi, der sich mit Nebenjobs einiges hinzuverdiente. Er schlüpfte in unterschiedliche Kostüme, warf als Installateur mit Fach-Chinesisch nur so um sich und wurde schließlich sogar als Fahrer engagiert. Schließlich kamen die schlanke Mareike (Nele Meyer), die sich als Verlobte schon auf die bevorstehende Heirat mit Hausherr Arne freute, und Georgs Frau Berta (Marlies von Hollen) ins Spiel. Das sorgte natürlich für weitere Stimmung in dem Wohnzimmer mit zwei roten Sesseln und einem Schaukelstuhl zum Entspannen.

Herrschte schon bei dem alleingelassenen Georg während Arnes Abschiedstour das reine Chaos mit einem amüsanten Verwechslungsspiel, so gerieten die Männer auf der Bühne beim Erscheinen der beiden längst erwarteten Damen Mareike und Berta in erhebliche Erklärungsnot darüber, was sich eigentlich vorher im Wohnbereich zugetragen hatte.

An den Wänden hingen Büstenhalter, andere Reste einer Party wurden nur teilweise vom Hausmeister weggeräumt, und auf dem Tisch standen noch leere Sektflaschen. Aus dem zum Schlafraum umgestalteten Arbeitszimmer und aus dem Schlafzimmer selbst klangen zwischenzeitlich unerklärliche Geräusche. Das Bad mit Wanne wirkte ebenfalls geheimnisvoll. Es war alles etwas turbulent, aber so ganz nach dem Geschmack der Zuschauer, deren Lachmuskeln während der Vorstellung kräftig arbeiten mussten. Mit Applaus honorierten die Besucher die Darbietungen mit zweideutigen Dialogen.

Doppeltes Bühnen-Debüt

Ihr Bühnen-Debüt gaben Nele und Marie Meyer. Kurzfristig gab es noch zwei Umbesetzungen, weil zwei Mitspielerinnen ausgefallen waren. Mit dem plattdeutschen Sketch „Auf der Autobahn“ zeigte die Wulmstorfer Theatergruppe, dass sie auch über jungen und talentierten Nachwuchs verfügt. Alfred Gehrke hatte dieses Stück mit Malte Sczes und Celine Bielefeldt einstudiert. Hinter den Kulissen übernahmen Heike und Fred Wigger, Alfred und Luise Gehrke, Kevin Mai und Hendrik Schlottmann unterschiedliche Aufgaben.

Neben den Abendvorstellungen präsentiert die Gruppe das Theaterstück auch am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen. Die Termine: Freitag, 17. Januar, 20 Uhr; Samstag, 18. Januar, 14.30 Uhr und 20 Uhr und Sonntag, 19. Januar, 14.30 Uhr. Restkarten sind bei Heike und Fred Wigger unter der Telefonnummer 04233/243564 zu ordern. Für den Abend kosten die Karten neun Euro, mit Kaffee und Kuchen liegt der Preis bei 16 Euro.

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