Dorfgemeinschaft Dibbersen-Donnerstedt „Wir erhoffen uns eine Belebung“

Erst kürzlich gründete sich in Dibbersen (Gemeinde Thedinghausen) ein neuer Dorfverein. Wie die Ziele und Pläne aussehen, verraten der Vorstandvorsitzende und die Kassenwartin im Interview.
03.07.2019, 15:04
Lesedauer: 5 Min
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Von Nico Brunetti
Kleine Orte haben oft auch ein Problem mit der Wahrnehmung. Wie sieht das bei Dibbersen in der Gemeinde Thedinghausen aus?

Helga Andretzky : Das kennen wir auch. Dibbersen kommt uns oft so vor wie ein vergessenes Dörfchen.

Ist das zu ändern?

Andretzky : Ja, indem man versucht, sich Gehör zu verschaffen.

Das soll mit dem neugegründeten Dorfverein Dibbersen-Donnerstedt gelingen. Welche weiteren Ziele sollen außerdem erreicht werden?

Andretzky : Dorfgemeinschaft, das ist alles, was wir wollen – die Alten und die Jungen unter einen Hut kriegen. Wir wollen das alte Dorfleben wieder aufleben lassen.

Benjamin Burgemeister: Der Kernauftrag des Vereins heißt: Förderung der Nachbarschaft. Ganz konkret wollen wir einfach nur Zeit miteinander verbringen und durch eine bessere Lebensgemeinschaft für Lebensqualität sorgen. Uns ist wichtig, Anlaufpunkte zu schaffen und eine Hilfe zu sein, gerade für ältere Menschen.

An Ideen mangelt es Ihnen nicht.

Burgemeister: Man muss da unterscheiden. Einmal wollen wir über die digitale Welt eine Plattform bieten. In der Praxis kann das dann so aussehen, dass man in einer WhatsApp Gruppe fragt: Wer hat noch Holz für den Gartenzaun im Schuppen? Es gibt aber auch die analoge Alternative, durch den im Mai aufgestellten Schaukasten. Der darf auch von jedem benutzt werden, da werden auch die Treffen öffentlich gemacht und da darf jeder einen Aushang machen. Natürlich planen wir auch gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel Theaterfahrten. Im Alltag kann die Hilfe so aussehen, dass man sich gegenseitig mit Dingen aushilft wie mit Werkzeugen, Autos oder Zucker.

Doch damit nicht genug: Sie haben noch etwas in petto.

Burgemeister: Es ist eine Herausforderung, jeden zu erreichen. Denn viele Ältere sind ohne Internet, was wir aber mit Patenschaften lösen wollen. Das würde dann so aussehen, dass man Ihnen die Informationen ausdruckt und in den Briefkasten schmeißt.

Andretzky : Damit wollen wir auch den Wert der Älteren ausdrücken. Nur die ältere Generation kann uns von früher erzählen, und wir sind der Meinung, dass man das am Leben erhalten muss.

Zugleich will Ihr Verein die infrastrukturelle Entwicklung anschieben. Was haben Sie da im Blick?

Andretzky : Wir gucken, wo wir das Dorf von der Nutzung verbessern können. So gibt es zurzeit viel Nachwuchs im Dorf, weshalb wir über einen Spielplatz nachdenken. Aber auch ein Café würden wir gerne in Dibbersen einrichten. Einige Dorfvereine in der näheren Umgebung haben außerdem auch ein Dorfgemeinschaftshaus, das wäre ein Traum für uns.

Wirklich?

Burgemeister: Das ist eine berechtigte Frage. Es ist ja auch irgendwo toll, dass unsere Treffen in privaten Wohnungen stattfinden. Die Älteren finden es auch gut, wenn die Bude voll ist. Deshalb würde es vielleicht auch etwas kaputtmachen, wenn wir uns nur noch in einem Dorfgemeinschaftshaus treffen würden. Trotzdem wäre es vorteilhaft, so einen Ort zu haben. Das Haus könnte man vor allem für Projekte und für die Jugendarbeit, als offenen Raum, nutzen.

Offenheit ist ein gutes Stichwort. Davon soll auch Ihr Verein leben.

Burgemeister: Wir haben jetzt über 35 Mitglieder, die zwischen 30 und über 80 Jahre alt sind. Es geht uns aber nicht um eine hohe Mitgliederzahl, das betonen wir. Bei uns darf jeder dabei sein: ein Mensch, eine Stimme! Deshalb bleibt es dabei, dass das Dorftreffen und keine Vereinstreffen sind. Wir stehen für alle offen, wollen für jeden ein Stimmrecht ermöglichen. Für die Mitglieder veranstalten wir aber auch eine Jahreshauptversammlung.

Das Geld, sagen Sie, spielt keine Rolle. Trotzdem: Wie sind die Konditionen bei einem Eintritt in Ihren Verein?

Burgemeister: Pro Monat nehmen wir einen Euro, es gibt aber auch einen Familientarif für einen Haushalt. Dieser beträgt 18 Euro im Jahr. Mit dem Geld wollen wir uns einen Puffer aufbauen, um in Vorleistung treten zu können, damit sollen überwiegend gemeinnützige Zwecke finanziert werden.

Andretzky : Sollte jemand dann mal nicht zahlen, dann wird man mal nachfragen. Wir werden jetzt aber nicht mit einem Mahnverfahren auffahren.

Inwiefern stehen Sie in Konkurrenz zu anderen Vereinen im Dorf?

Burgemeister: Die sehen wir gar nicht. Von unserer Seite ist eine Zusammenarbeit gewünscht. Mit beratender Stimme sollen die Freiwillige Feuerwehr, der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr, der Schützenverein und der Waldkindergarten an unserem Verein teilnehmen. Dadurch erhoffen wir uns sogar eine Belebung.

Generell: Wie ist die Idee entstanden, einen offiziellen Verein zu gründen?

Burgemeister: Ausgangspunkt war Ende des Jahres 2017. Da wurden die Dorfbewohner zu einem offenen Treffen geladen, bei dem es um die Vorbereitungen auf das 850-jährige Jubiläum von Dibbersen im Jahr 2018 ging. Mit einer hohen Anwesenheit wurde auch ein großes Interesse bekundet. In dieser Zeit hat dann ganz viel Begegnung und Zusammensitzen stattgefunden und auf dem Dorffest ist dann auch das erste Mal über eine mögliche Vereinsgründung gesprochen worden. Seit August vergangenen Jahres waren wir dann eine offene Gruppe, die sich zu den Dorftreffen, zum Glühweintrinken oder zu einem Grillfest verabredet hat.

Bis sich die Pläne konkretisierten.

Burgemeister: Ja, immer mehr haben wir das Für und Wider abgewogen und von einer Arbeitsgruppe ist dann auch ein Satzungsentwurf erarbeitet worden. Daraufhin gab es Rückmeldungen und eine Einladung zur Gründungsversammlung am 19. Juni, wo dann auch abends der Verein gegründet wurde und wir ihn nun beim Amtsgericht in Walsrode offiziell eintragen lassen werden. Man muss aber dazu sagen: Das war kein Selbstläufer. Wir haben kontrovers diskutiert und der Abend war mit offenem Ausgang. Ich persönlich habe noch bis zu diesem Abend gewartet, ob ich als Vorsitz kandidiere. Zwar wohne ich hier extrem gerne, habe ein Herz für das Dorf und mag die Menschen, aber ich komme aus dem Harz und bin vor neun Jahren zugezogen. Deshalb habe ich überlegt, ob es vielleicht nicht noch jemand Geeigneteres gibt, der mehr Tradition hat.

Andretzky : Du bist genau der richtige Mann dafür. Organisieren, strukturieren, moderieren und vermitteln – das kannst du zu hundert Prozent. Du hast eine ruhige Art, das kommt sowieso immer gut an.

Welche Vorteile gaben letztlich den Ausschlag für die Vereinsgründung?

Burgemeister: Das Hauptinteresse lag darin, dem Ganzen eine Struktur zu geben. Wir wollten feste Ansprechpartner haben. Als Verein wirst du auch nach außen eher gehört als eine Privatperson oder ein loser Zusammenschluss. Zudem gibt es die vereinsrechtlichen Vorteile bei Themen wie Versicherungsschutz, Haftung oder Spendenzuwendungen. Man muss auch sagen: Es sind jetzt schon Verknüpfungen da, die es früher nicht gab.

Das Interview führte Nico Brunetti.

Info

Zur Person

Benjamin Burgemeister (41)

Als Vorstandsvorsitzender ist der gebürtige Harzer das Oberhaupt des neuen Dorfvereins Dibbersen-Donnerstedt. Beruflich fungiert der zweifache Familienvater als Lehrer an der Grundschule am Bunnsackerweg in Bremen.

Helga Andretzky (62)

Die gebürtige Dibberserin ist Buchhalterin und bekleidet im neu gegründeten Dorfverein die Funktion als Kassenwartin.

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