Vortrag im Erbhof Womit die Germanen handelten

Wie lebten unsere Vorfahren in der örtlichen Region vor 2000 Jahren? Antworten gab es nun im Schloss Erbhof in Thedinghausen. Dort wurden die Ergebnisse von Ausgrabungen präsentiert.
18.02.2019, 16:33
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Hübner

Wie lebten die Menschen in der Region vor 2000 Jahren? Womit handelten sie? Waren sie Bauern, Händler, Handwerker oder zogen sie gar als raubende Horden durchs Land? Bildung von Stämmen, Besiedelung freier Räume in Flussnähe, Kultivierung des Bodens und die Herstellung und Handel mit Gebrauchsgütern waren bei den Germanen um die Zeitenwende bereits üblich. Und auch in der Region betrieben sie Handel. Das haben Ausgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 in Holtorf-Lunsen in der Gemeinde Thedinghausen gezeigt. Weitere Ergebnisse der Untersuchungen wurden nun bei einem Vortrag im vollbesetzten Erbhof erläutert.

Dass die Siedlung entdeckt wurde, war eher einem Zufall geschuldet. Der Hobbyarchäologe Gerald Neumann untersuchte dort vor wenigen Jahren den Boden auf Metallstücke. Viel öfter als gewohnt ertönte das erfolgsversprechende Signal seines Metallsuchinstruments. In kürzester Zeit fand der Grasdorfer Bruchstücke, die aus der römischen Kaiserzeit stammten. Sehr schnell war klar, dass es dort eine alte Germanensiedlung gegeben haben könnte. Er wandte sich daher an das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung – und kurze Zeit später gingen die Arbeiten in Kooperation mit dem Landkreis Verden los (wir berichteten).

Erste Hinweise

Federführend für die Arbeiten waren Verdens Kreisarchäologin Jutta Precht sowie Imke Brandt vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, die nun für den Vortrag in den Erbhof gekommen waren. „Zuerst mussten wir eine denkmalrechtliche Erlaubnis für unsere Ausgrabungen einholen, da alle Ausschachtungen, die mehr als nur die obere Ackerschicht abtragen, behördlich genehmigt werden müssen“, erklärte Jutta Precht. „Nach geomagnetischen und bodenkundlichen Untersuchungen konnten die Baggerarbeiten beginnen“, ergänzte Imke Brandt.

Die Wissenschaftler stießen schnell auf unterschiedliche Färbungen des Erdreiches, die Hinweise auf verschiedene Nutzungsbereiche gaben. „Es erfolgten weitere Arbeiten wie das Erstellen digitaler Grabungspläne, die dann ein weiteres zielgenaues Vorgehen erlaubten.“ In der Folge wären eine Vielzahl von Artefakten gefunden worden. Darunter historische Münzen, Gürtelschnallen, vergoldete Bügelfibeln aus dem sechsten Jahrhundert und Gefäße. Viele Funde, wie auf besondere Weise hergestellte Keramiken, hätten belegt, dass dort im ersten bis vierten Jahrhundert ein Austausch mit der römischen Kultur stattfand, erklärten die beiden Frauen. „Aufgrund der lokal aufgetretenen Erdverfärbungen konnten auch verschiedene ehemalige Standorte von Brunnen, Grubenhäusern aber auch Schmiedeessen definiert werden.“

Bedeutsames Ergebnis

Weitere Beweise für das Vorliegen einer bis zu 2000 Jahre alten Handwerkersiedlung wäre das Auffinden von Töpferöfen und Spinnwirbeln sowie Spulen, die als Teile von Spinnrädern und Webstühlen zur Textilverarbeitung benutzt wurden. „Ein ganz bedeutsames Ergebnis unserer Forschungsarbeit ist die Erkenntnis, dass es hier auch einen Fluss gegeben hat“, berichtete Imke Brandt und erklärte: „Weser und Aller lagen seinerzeit nicht in ihren heutigen Flussbetten, sondern schlängelten sich in vielen Nebenarmen verästelt durch das Land.„ Und sie nannte weitere Ergebnisse: „Wir konnten nachweisen, dass es zur Zeit der alten Römer eine an einem Fluss gelegene und vom Handel sowie Warentausch lebende Handwerkersiedlung im heutigen Gebiet von Holtorf-Lunsen gegeben hat.“

Bei den Zuhören stieß der Vortrag auf reges Interesse. Frank Geils aus Thedinghausen sagte: „Ich hatte bereits persönlich im letzten Jahr den Ausgrabungsort besichtigt. Mein Interesse liegt besonders in der örtlichen Historie und der daraus enstandenen Entwicklung meiner Heimatgemeinde.“ Er fand den Vortrag spannend und informativ.

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