Bogenschießen-Bundesliga

SV Dauelsen in Hochform

13:1 Punkte, sechs Siege und ein Remis – die Bundesliga-Bogenschützen des SV Dauelsen haben den Heimwettkampf in Verden mit starken Leistungen für sich entschieden.
09.12.2019, 19:01
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Nico Brunetti
SV Dauelsen in Hochform

Wie schon am ersten Wettkampftag in Jena war er auch diesmal wieder der beste Dauelser Schütze: Florian Kahllund.

Jonas Kako

Verden. Lauter Jubelschrei und geballte Fäuste: Die Reaktion von Andreas Hehenberger hat keine Zweifel gelassen. Der Heimwettkampf in der Halle der Berufsbildenden Schule in Verden war ein voller Erfolg für die Bundesliga-Bogenschützen des SV Dauelsen. Mit 13:1 Punkten, sechs Siegen und einem Remis, präsentierten sich die Dauelser am Sonnabend als stärkstes Team. Kein Wunder also, dass ein emotionaler Trainer wie Hehenberger aus der Haut fährt. „Ich bin geflasht, da muss der Druck raus“, meinte der 52-Jährige unmittelbar nach Abschluss des zweiten Spieltages.

Den Zuschauern in der Halle ging es genauso. Das abschließende Spiel zwischen dem SV Dauelsen und dem BSC BB Berlin war an Spannung kaum zu überbieten. Beide Mannschaften lieferten sich eine sehr enge und auch hochklassige Begegnung, die erst mit dem letzten Pfeil des Tages entschieden wurde. Es lag in den Händen von Florian Kahllund, ob die Dauelser den Wettkampf vor eigenem Publikum mit einem Sieg, einem Unentschieden oder einer Niederlage beenden. Fast schon erwartungsgemäß hielt der Topschütze dem großen Druck stand. Zum Abschluss und passend zum gesamten Tag schoss er eine Zehn, somit münzte das Hehenberger-Team in dem Duell mit dem Zweiten tatsächlich einen 0:4-Rückstand in einen 6:4-Erfolg um. „Dass wir das Spiel noch gedreht haben, ist ein Kracher. Und es zeigt die Klasse und die Nervenstärke der Mannschaft.“

Christian Dauel meistert Kaltstart

Neben Kahllund, der mit 9,81 Ringen im Schnitt bester Dauelser Schütze war, galt das Lob von Hehenberger auch Sebastian Rohrberg und Christian Dauel. Vor allem dem 21-jährigen Eigengewächs Dauel muss ein großes Kompliment ausgesprochen werden: Er bekam nämlich lediglich den Einsatz gegen die starke Berliner Mannschaft – keine einfache Aufgabe, sofort auf den Punkt da zu sein. „Das war ein Kaltstart für mich, ich wurde reingeworfen“, beschrieb er. Aber der Student aus Osnabrück bestärkte Hehenberger in seiner Entscheidung, ihn in diesem Spiel gegen den Deutschen Rekordmeister schießen zu lassen. Mit einem Schnitt von 9,30 Ringen zeigte er sich in guter Verfassung. „Ich weiß, man kann ihm vertrauen“, sagte der Trainer. Denn die Form von Dauel stimmt, das bewies er am ersten Spieltag in Jena und zuletzt auch bei der Kreismeisterschaft in Dauelsen. Erfahrungen, die ihm geholfen haben. „Das gibt einem Sicherheit und erhöht den Glauben daran, dass man es schafft“, berichtete Dauel, der sich in seiner fünften Bundesliga-Saison befindet. Er möchte den Weg mit dem SVD auch weitergehen. „Beim Bogenschießen gefällt es mir, dass man sich nur auf den Schuss konzentriert, andere Dinge im Leben ausblendet. Und ich bin gerne im Leistungssport dabei, schieße gerne in der Bundesliga und bei Deutschen Meisterschaften.“

Es ist jedenfalls aller Ehren wert, wie er mit dem Druck in dem Spitzenspiel gegen die Berliner umgegangen ist. Doch auch sein Teamkollege Holger Rohrbeck, den Hehenberger als „Hüne aus dem Harz“ bezeichnet, bestritt mit einem Schnitt von 9,16 Ringen einen sehr ordentlichen Wettkampf. Nach dem Einschießen durfte er in den ersten sechs Begegnungen ran und war demnach an den Erfolgen gegen den SV GutsMuths Jena (7:1), Blankenfelder BS 08 (6:0), RSV Detmold-Klüt (6:0), Sherwood BSC Herne (6:0), SV Querum (6:2) und dem Remis gegen Aufsteiger TuS GW Holten (5:5) beteiligt. Gewohnt stark performte auch Rohrberg, der in den sieben Partien mit einem Schnitt von 9,70 Ringen unterwegs war. „Gegenüber dem ersten Wettkampf in Jena hat man sich als Team deutlich gesteigert“, bilanzierte Michael Gerhardt, der seit drei Jahren als Co-Trainer von Hehenberger fungiert und für die Statistiken zuständig ist. Sein Sohn Andreas Gerhardt hielt sich auch für einen Einsatz bereit. Aufgrund seiner Selbstständigkeit hat er jedoch Trainingsrückstand, sodass er keine Option war.

Unterdessen überzeugte der SVD nicht nur sportlich, sondern auch als Gastgeber. „Der Wettkampf ist sehr gut organisiert gewesen“, erklärte Andreas Hermann, Spielführer des SV GutsMuths Jena. Er nahm die Atmosphäre in der Halle als sehr angenehm wahr. „Es ist motivierend, wenn hinter einem gejubelt wird und gute Leistungen belohnt werden.“ Wenngleich nicht ganz die von Hehenberger erwarteten 100 bis 150 Zuschauer dem Wettkampftag beiwohnten, waren auch die knapp 60 Zuschauer für die Bundesliga-Bogenschützen nicht alltäglich. So fand beispielsweise der erste Spieltag in Jena, der im November ausgetragen wurde, mehr oder weniger ohne Zuschauer statt. „Wir haben zwar einen herausragenden Verein und sind Stützpunkt-Standort. In Thüringen gibt es trotzdem weniger Interesse am Bogenschießen. Bei etablierten Vereinen wie Querum, Dauelsen oder in Richtung Berlin ist das anders.“

Saisonziel nach oben korrigiert

Über die Kulisse war Hehenberger zunächst etwas sauer, wie er selbst sagte. Das legte sich allerdings, als er meinte, die Gründe gefunden zu haben. „Es waren nicht so viele wie gedacht, aber es ist Weihnachten. Da sind Märkte, Weihnachtsfeiern, das hatte ich nicht auf dem Schirm.“ Daraus hat er jedoch seine Lehren gezogen, der nächste Wettkampf in Dauelsen soll deshalb im Februar 2021 ausgetragen werden. Insgesamt war er stolz auf den reibungslosen Ablauf sowie die Leistungen seiner Schützen. Vor allem der 6:2-Sieg gegen Querum freute ihn besonders. „Das ist ein Derbysieg und wie Hamburg gegen St.Pauli. Das Ding möchte man gewinnen“, meinte Hehenberger, der nun auch das Saisonziel des aktuellen Tabellenführers korrigierte. „Wir müssen den Fokus auf das Finale legen, über den Klassenerhalt brauchen wir nicht mehr zu reden. Das wäre Understatement.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+