Wahlkreis 34 Verden-Osterholz

Hocker behält sein Mandat, für Gumnior reicht es nicht

Die Verdener Kreisgeschäftsführer von SPD und CDU bewerten das Wahlergebnis, enttäuscht sind sie beide. Über die Landesliste zieht der FDP-Direktkandidat wieder in den Bundestags ein.
27.09.2021, 15:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andreas Becker Jörn Dirk Zweibrock

Trotz großer Stimmengewinne der Grünen in Niedersachsen hat es für Lena Gumnior, Direktkandidatin der Partei für den Wahlkreis 34 Osterholz-Verden, nicht gereicht. Gumnior belegte auf der Landesliste Platz 17, aber das Landesergebnis von 16,2 Prozent reicht nur für die ersten 13 Plätze. "Ich bleibe aber bei den Grünen politisch aktiv", betont Gumnior unverdrossen. Nicht gereicht hat es auch für Mizgin Ciftci von den Linken, der Platz vier auf der Landesliste belegte, die ersten drei Kandidaten können in den Bundestag einziehen. Sicher wieder im Bundestag ist hingegen Gero Hocker (FDP), der über die Landesliste (Platz sechs) sein Mandat behält. Besonders spannend war in der Wahlnacht das Rennen zwischen Andreas Mattfeldt (CDU) und Michael Harjes (SPD). Wie berichtet, hatte Mattfeldt am Ende trotz deutlicher Stimmenverluste einen knappen Vorsprung von 1,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er holte 33,7 Prozent und gehört zum vierten Mal dem Parlament an, Harjes erhielt 32,5 Prozent und ist nicht über die Landesliste abgesichert (Platz 30).

Debakel bei CDU-Zweitstimmen

Aus Sicht eines Wahlkämpfers machte CDU-Kreisgeschäftsführer Jens Richter aus Verden keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über das Debakel der Union bei den Zweitstimmen. Die CDU kam im hiesigen Wahlkreis nur auf 24 Prozent und büßte im Vergleich zu 2017 gut zehn Prozent der Wählerstimmen ein. "Das ist schon sehr deutlich, und da gibt es auch nichts zu beschönigen", sagte Richter. Als Gründe für das schlechte Abschneiden der Christdemokraten im Bund nannte Richter einerseits "die allgemeine Wechselstimmung nach 16 Jahren Angela Merkel". Andererseits habe es die Frage nach dem Personal gegeben. "Die Persönlichkeit Laschets ist im Wahlkampf schlecht zu vermarkten", sagte Richter, der selbst Markus Söder als Kanzlerkandidaten favorisiert hätte. "Es war zwar gut, die Wahl zwischen beiden möglichen Kandidaten zu haben, aber eine so lange Personaldiskussion schadet einer Partei immer", argumentiert Richter. Zudem habe am Ende die CDU-Spitze entschieden, ohne die Basis zu beteiligen. Zur Option, jetzt im Bund eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP zu bilden, zeigt sich Richter skeptisch. "Da sind die Schnittmengen wohl zu gering". Er hätte am Wahlabend keinen Machtanspruch der CDU formuliert. "Das war nicht gut. Im Zweifel hat die Partei in der Opposition die Gelegenheit, sich zu erneuern."

Enttäuschung am Morgen

Auch Verdens SPD-Kreisgeschäftsführer Roland Güttler war die Enttäuschung am Morgen nach der Wahl deutlich anzumerken, allerdings aus anderen Gründen. "Michael Harjes hat aus dem Stand ein super Ergebnis gegen einen Kandidaten geholt, der den Wahlkreis bereits drei Mal direkt gewonnen hat. Ich hätte aber lieber mit zehn Prozent statt mit einem Prozent verloren", erläutert er. Bis zuletzt hätten die Genossen Hoffnung gehabt. Der letzte auszuzählende Wahlbezirk, die Samtgemeinde Hambergen, sei nun einmal traditionell eine Hochburg der SPD, sagte Güttler. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl habe der Wahlsieg in Hambergen letztlich aber nicht mehr die erhoffte Trendwende bringen können. 

Aber: "Der Wahlkreis Verden ist bei den Zweitstimmen rot, selbst in Kirchlinteln", freut sich Güttler. In der Tat, auch in der Heidegemeinde haben die Sozialdemokraten die meisten Zweitstimmen (30,9 Prozent) eingefahren. Die Konservativen brachten es dort auf 27,7 Prozent. Zweitstimmenkönigin ist im Aller-Weser-Dreieck mit 34,5 Prozent ebenfalls die SPD. Sowohl in Kirchlinteln als auch in Dörverden lag dagegen CDU-Direktkandidat Andreas Mattfeldt bei den Erststimmen deutlich vorn. Güttler macht keinen Hehl daraus, dass er sich lieber eine rot-rot-grüne Koalition statt einer möglichen Ampel gewünscht hätte. "Früher gab es einmal einen sozialliberalen Flügel in der FDP, heute überwiegt dort leider das Neoliberale."

Das Wahlergebnis in der Stadt Verden spiegelt ziemlich genau das Abstimmungsverhalten im gesamten Wahlkreis wider. Danach kommt Mattfeldt auf 33,8 Prozent, Harjes auf 31,5 Prozent, Gumnior holt 16,1 Prozent, Hocker 9,4 Prozent, Ciftci 3,5 Prozent. Dominique Paetz (Freie Wähler) 3,4 Prozent und Anton Körner (Die Basis) bilden die Schlusslichter. Bei den Zweitstimmen kommt die CDU in der Domstadt auf 24 Prozent, die SPD auf 31,6 Prozent. Die Grünen holen 17,7 Prozent, die FDP kommt auf elf Prozent und die AfD auf acht Prozent. Die Linke bekommt am Ende 3,3 Prozent der Wählerstimmen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+