Herdenschutz vor Wölfen Gemeinde zahlt nicht bei Nutztierrissen

Der Westener Ratsherr Jörg Höfken hat eine Anfrage an die Dörverdener Verwaltung zum Thema Wolf gerichtet. Fazit: Die Kommune springt nicht ein, wenn das Land keine Entschädigung zahlt.
25.04.2018, 14:50
Lesedauer: 3 Min
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Gemeinde zahlt nicht bei Nutztierrissen
Von Jörn Dirk Zweibrock

Dörverden. Spätestens seit der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) den Wolf als Verursacher der beiden Schafsrisse in Hülsen nachgewiesen hat, steht fest: Der Isegrim ist auch im Aller-Weser-Dreieck angekommen. Der parteilose Ratsherr Jörg Höfken aus Westen hat daraufhin eine Anfrage an die Dörverdener Gemeindeverwaltung gerichtet, die nun schriftlich beantwortet wurde. Unter anderem wollte Höfken wissen, ob es einen Bezug zwischen den Nutztierrissen in Hülsen (16. Februar) und dem eine Woche später gerissenen Schaf in der benachbarten Samtgemeinde Rethem gab. Aus Sicht der Verwaltung besteht in diesem Fall allerdings kein Zusammenhang.

In der vom NLWKN laufend aktualisierten Tabelle über die Nutztierschäden steht unter dem Eintrag Rethem vom 23. Februar in der Spalte Schadensverursacher "Wolf nicht nachweisbar". "Nach dem 16. Februar sind zwei weitere Wolfssichtungen in Hülsen bekannt geworden. Hierzu gibt es neben den Augenzeugenberichten aber weder Fotos noch andere Nachweise, sodass es nicht möglich ist, das jeweils gesehene Tier sicher zu bestimmen", schreibt Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern (parteilos) in seiner Antwort auf die Anfrage an den Ratsherrn.

Des Weiteren wollte Höfken wissen, ab wann ein Wolf als verhaltensauffällig gelte. "Die Anwesenheit von Wölfen in einem Gebiet bedeutet nicht, dass sie ständig an einem Ort vorhanden sind. Sie laufen ihr Territorium in gewissen zeitlichen Abständen ab. Wölfe meiden jedoch, wie andere Wildtiere auch, nach Möglichkeit den Kontakt zu Menschen", erläutert der Verwaltungschef. Ein auffälliges Verhalten wäre dagegen, wenn ein Wolf beispielsweise wiederholt tagsüber an einem von Menschen genutzten Ort erscheine und dort gezielt "mögliche Attraktionen" wie frei zugängliches Fressen (Komposthaufen) aufsuche. Auffällig wäre es auch, wenn sich ein Wolf mehrfach Menschen oder Menschen mit Hunden aktiv annähere oder sich ihnen gegenüber unprovoziert aggressiv verhalte. "Das Töten von nicht ,wolfsabweisend' eingezäunten Nutztieren ist dem normalen Beutefangverhalten zuzuordnen. Werden jedoch regelmäßig wolfsabweisende Zäune überwunden, kann dies wiederum als problematisches Verhalten eingestuft werden", so die Verwaltung.

Ferner wollte der Ratsherr wissen, ob die Gemeinde Dörverden beabsichtige, Entschädigungen für die beiden Hülsener Wolfsrisse zu zahlen, da die bestehende Umzäunung nicht der sogenannten "Richtlinie Wolf" entsprochen habe. Die Antwort aus dem Rathaus: "Die Verwaltung sieht aktuell weder einen sachlichen Grund noch den finanziellen Handlungsspielraum für einzelfallbezogene Entschädigungsleistungen oder gar den Erlass einer eigenen Entschädigungsrichtlinie." Sofern das Land Niedersachsen im Einzelfall keine Entschädigungsleistungen nach der bestehenden "Richtlinie Wolf" bewillige, sei dies zwar bedauerlich für die Betroffenen, rechtfertige aus Verwaltungssicht allerdings keine gemeindliche "Auffangregelung" für abgelehnte Beträge.

Weil der Westener der Ansicht ist, dass Wölfe für Bodenbrüter eher eine Gefahr darstellen als Hunde, wollte er von der Verwaltung wissen, ob deswegen nicht die Anleinpflicht für Hunde im Gemeindegebiet ausgesetzt werden könne. Ob in einem Wolfsgebiet oder anderswo – die Anleihnpflicht für Hunde gelte laut Gesetz in der sogenannten Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli . Darüber hinaus empfiehlt der Bürgermeister Hundehaltern in einem Wolfsgebiet, auch außerhalb dieses Zeitraumes ihre Tiere in Rufweite bei sich sich führen oder gegebenenfalls anzuleinen.

Auch nachdem der Wolf nun in Hülsen ganz offiziell nachgewiesen worden ist, besteht dem Bürgermeister zufolge weiterhin "kein Grund zur Panik". Er nehme die Ängste der Menschen ernst und rate ihnen, Wolfssichtungen oder -begegnungen sofort dem zuständigen Wolfsberater zu melden. Als Wolfsberater für den Landkreis Verden ist ein ausgewiesener Experte, nämlich Frank Faß vom Barmer Wolfcenter zuständig.

"Machen Sie Lärm und versuchen Sie, das Tier einzuschüchtern, indem Sie sich zum Beispiel groß machen, Arme und Kleidungsstücke schwenken, es anschreien oder auch mit Gegenständen bewerfen", steht in den vom NLWKN empfohlenen Verhaltenstipps. Jörg Höfken reicht das jedenfalls nicht aus.

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