Bauhistorie Gestern Stedorf, heute Dörverden

Der Wiederaufbau der Durchfahrts-Scheune von 1846 schreitet auf dem Dörverdener Kulturgut voran. Dort zieht ein Reparatur-Café ein.
09.04.2018, 17:50
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Gestern Stedorf, heute Dörverden
Von Jörn Dirk Zweibrock

Was ist eigentlich genau ein sogenanntes Repair-Café? Friedrich Röhrs, Vorstandsmitglied im Ehmken-Hoff-Verein, wurde diese Frage in den vergangenen Wochen bereits öfter gestellt. „Im Reparatur-Café wird kein Kaffee getrunken. Dort werden kleinere Elektro-Reparaturen vorgenommen“, erklärt er. Bedeutet: Die Dörverdener Seniorin kann dort endlich ihren bereits seit Ewigkeiten defekten Mixer reparieren lassen. Verläuft alles nach Plan, spielt die Witterung mit, steht die neue Scheune, in die das Reparatur-Café einzieht, schon im Herbst. Gerichtet ist sie bereits.

Die bunten Bänder des Richtkranzes flattern momentan noch im Frühlingswind, während die Zimmerleute dort auf Hochtouren an der Gebäudehülle werkeln. Friedrich Röhrs, Helmut Gerbes und die anderen Ehrenamtlichen aus der Aktionsgruppe Haus und Hof innerhalb des Ehmken-Hoff-Vereins stellen Tag für Tag die historischen Baumaterialien für die Handwerker bereit. „Steine und Dachziegel stammen allesamt aus Abbrucharbeiten“, versichert Gruppen-Sprecher Helmut Gerbes, dass nur nostalgische Materialien verwendet werden. Gut, an der einen oder anderen Stelle mussten dann doch abgängige Balken durch neuere ersetzt werden.

„Bei der Scheune handelt es sich um das letzte Gebäude einer ursprünglich großen Vollmeier-Stelle in Stedorf. Sie wurde 1846 von Dietrich Trau und seiner zweiten Frau Chathrine Margrethe Marie Lüders errichtet“, schreibt Heinz Riepshoff von der Interessengemeinschaft (IG) Bauernhaus in einer entsprechenden Abhandlung. Die mit roten Hohlpfannen gedeckte 13 mal zehn Meter große Querdurchfahrts-Scheune stand vor ihrer Abtragung im Jahre 2015 parallel zur Stedorfer Buschmeyerstraße. „Weil Lehm-Ausfachungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts immer seltener wurden, wurde das Fachwerk damals mit handgefertigten Backsteinen ausgemauert. Sie wurden auf einem offenbar reicheren Vollmeier-Hof auch aus repräsentativen Gründen bevorzugt“, weiß Riepshoff.

Am neuen Scheunen-Standort auf dem Dörverdener Ehmken-Hoff mauern die Mitglieder der Haus- und Hofgruppe das Gefache nun in den kommenden Wochen und Monaten fleißig aus. In Eigenleistung versteht sich. „Wir sind noch auf der Suche nach weiteren freiwilligen Helfern“, betont Gruppensprecher Helmut Gerbes. Interessierten könnten sich wie immer im Kulturgut-Büro melden. Zwei Bauernhöfe, ein Backhaus, eine Scheune und ein Speicher – so sieht das ursprüngliche Grundkonzept für das Dörverdener Kulturgut Ehmken Hoff (In der Worth) aus. Auf ihren Radtouren haben Gerbes und Röhrs deswegen in den vergangenen Jahren immer wieder nach einer passenden Scheune Ausschau gehalten und diese bekanntlich in Stedorf gefunden. Die heutigen Besitzer haben sie der Kulturgut-Stiftung unter einer Auflage kostenlos überlassen: dem orginalgetreuen Wiederaufbau.

Nachdem die Haus- und Hofgruppe die Scheune in Eigenregie zerlegt hatte (Stichwort Rückbau) wurden die historischen Einzelteile eingelagert. Nach der Sicherstellung der Finanzierung – für den Wiederaufbau der Stedorfer Scheune samt dem vorgelagerten interkulturellen Garten fließen Leader-Fördermittel – und den notwendigen Ausschreibungen konnten die Arbeiten dann also endlich losgehen. „Wir sind alle älter geworden und wollten nicht mehr über den Boden kriechen. Deswegen haben wir das Sockel-Mauerwerk anderen überlassen“, ulken Gerbers und Röhrs. Nach Aussage von Heinz Riepshoff wurde in die Stedorfer Scheune in den 1930er-Jahren eine Mietwohnung eingebaut. Aus diesem Grund seien die großen Räume damals auch parzelliert worden. Neben dem Reparatur-Café soll in der wiederaufgebauten Scheune künftig auch ein Raum für die Geräte aus dem interkulturellen Garten geschaffen werden.

Nach Fertigstellung der Scheune vergrößert sich das überregional bekannte Dörverdener Kulturgut um ein weiteres ortsbildprägendes Gebäude. Fehlt also nur noch der Speicher, bis das ursprüngliche Konzept für den Ehmken Hoff umgesetzt ist.

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