Coronavirus Gesundheitsamt im Krisenmodus

Das Coronavirus hält auch den Landkreis Verden in Atem. Die Vorbereitungen auf eine Verbreitung des Krankheitserregers laufen auf Hochtouren.
03.03.2020, 18:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome

Das neuartige Coronavirus ist allerorts das bestimmende Thema. In Bremen und Niedersachsen wurden bereits Fälle von Infektionen mit dem Krankheitserreger bestätigt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass auch im Landkreis jemand erkrankt, steigt“, prognostiziert Gesundheitsamtsleiterin Jutta Dreyer. Die wachsende Alarmbereitschaft der Bürger äußert sich nicht nur anhand ausverkaufter Supermarkt-Regale. Immer mehr Menschen wenden sich mit Sorgen und Fragen rund um das Thema Coronavirus an das Gesundheitsamt des Landkreises Verden.

Seit vergangenem Monat befinde sich die Behörde im Krisenmodus, ein Krisenteam sei bereits gebildet worden. „Einige Mitarbeiter und ich haben seit drei Wochen Rufbereitschaft und informieren Bürger sowie Ärzte über das neuartige Virus“, berichtet Dreyer. Eine drastische Umstellung bedeute der Erreger für den Alltag im Gesundheitsamt aber nicht. „Die Wintermonate sind aufgrund der Grippesaison ohnehin von einer größeren Infektionsgefahr geprägt“, teilt die Fachärztin mit. „Unabhängig vom Coronavirus sind wir zu dieser Jahreszeit wachsam und haben viel zu tun.“

Verlauf ähnelt der Grippe

Der Verlauf der durch das Virus ausgelösten Covid-19-Erkrankung ähnele dem der Influenza sehr. „Die Frage nach dem Unterschied zwischen den beiden Krankheiten ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Dreyer. Symptome wie Fieber und trockener Husten seien für beide Erkrankungen typisch. Ein bekannter Unterschied ist, dass bei Covid-19 Durchfall auftreten kann. Einer Virenübertragung beugen vor allem kleine Maßnahmen vor, wie sie auch während der Grippesaison empfohlen werden. „Abstand zu anderen Menschen, die Husten- und Niesetikette sowie gute Handhygiene tragen enorm dazu bei, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu minimieren“, betont die Expertin. Schließlich sei Händewaschen immer noch das effektivste Mittel, um Viren loszuwerden.

Die wichtigste Aufgabe des Gesundheitsamtes ist nun, die Ausbreitung der Infektionskrankheit zu verhindern. „Die Reiseanamnese und der Kontakt zu anderen Personen sind die zwei Schlüsselfragen, wenn es darum geht, die Verbreitung des Virus einzudämmen“, betont Dreyer. „Wenn jemand erkrankt, kümmern wir uns sofort darum, die Kontaktpersonen des Patienten zu ermitteln.“ Menschen, die in den vergangenen Wochen aus einem Risikogebiet eingereist sind, sollen sich bei Erkältungssymptomen an den Hausarzt wenden. „Das Robert-Koch-Institut bietet aktuelle Informationen über Risikogebiete an“, empfiehlt Dreyer. Bei einem Verdacht auf eine Infizierung sollten Betroffene ihren Hausarzt vorerst telefonisch informieren und nicht sofort persönlich erscheinen, um eine Ansteckung anderer Patienten zu vermeiden.

Desinfektionsmittel, Konserven und Nudeln stehen bei vielen Deutschen zurzeit in hoher Anzahl auf dem Einkaufszettel. Hamsterkäufe und die zunehmende Beunruhigung der Bevölkerung sind für Dreyer nachvollziehbar, wie sie sagt. „Wir haben es mit einer neuen Krankheit zu tun, für die es keinen Impfstoff gibt“, ruft sie in Erinnerung. „Wie das Robert-Koch-Institut bereits angegeben hat, ist die Lage ernst“. Besonders bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen wie einer Herzinsuffizienz oder Diabetes könne die Krankheit schwer verlaufen und tödlich enden.

Aller-Weser-Klinik trifft Vorbereitungen

Seit Beginn des Jahres trifft auch die Aller-Weser-Klinik Vorbereitungen für das Coronavirus. Erst vergangenen Monat nahm die Achimer Klinik eine Patientin auf, bei der ein Verdacht auf eine Infektion ausgeräumt werden konnte (wir berichteten). Peter Ahrens, ärztlicher Direktor der Klinik, berichtet über das Vorgehen: „Genauso wie bei einem Verdacht auf Influenza würden unsere Mitarbeiter einem Patienten mit auffälligen Symptomen und einem Hinweis auf möglichen Kontakt mit dem Virus einen Abstrich aus dem Mund- und Rachenbereich entnehmen“, teilt er mit. „Die Probe wird im Labor möglichst schnell untersucht. Ist die Probe auffällig, werden die Behörden im Landkreis informiert.“

Einen Blick in die Zukunft wirft Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen: „Wie sich die Ausbreitung des Coronavirus entwickelt, hängt ganz davon ab, ob die Infektionsketten unterbrochen werden können.“ Von einer weiteren Verbreitung des Virus in Niedersachsen geht Haffke aus, wie er sagt. Trotzdem sei es zurzeit wichtig, nicht in Panik zu verfallen und sich in Erinnerung zu rufen, dass die Krankheit bei den meisten Infizierten leicht verlaufe. „Menschen, die Arztpraxen aufsuchen, obwohl sie keinerlei Symptome aufweisen, belasten die Ärzte nur unnötig.“ Ohne einen Verdacht auf eine Infektion würde ohnehin kein Test auf das Coronavirus durchgeführt werden.

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