Rathaus Verden

Große Leere nach dem Brand

Fast vier Monate ist es her, dass ein Mann mit dem Auto in das Verdener Rathaus an der Ritterstraße raste. So sieht das Gebäude jetzt von innen aus.
04.08.2017, 17:38
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Große Leere nach dem Brand
Von Anna Zacharias
Große Leere nach dem Brand

Blick nach unten in den Schacht: Der Fahrstuhl wurde durch den Brand so stark beschädigt, dass er ausgetauscht werden muss.

Björn Hake

Verden. Ein schwarzer Rußfleck auf den Bodenfliesen erinnert noch an den 9. April. Kurz hinter dem vernagelten Eingang des Verdener Rathauses an der Ritterstraße ist der Wagen des Amokfahrers abgebrannt, der durch die Glastür donnerte. Fast vier Monate ist das jetzt her. Wie lange die Sanierungsarbeiten noch dauern werden, kann bei der Stadt noch niemand sagen. In jedem Fall wird das Gebäude bis Mitte nächsten Jahres nicht nutzbar sein, sagt Bürgermeister Lutz Brockmann.

Erst seit Kurzem riecht es in den Räumen, die kaum wiederzuerkennen sind, nicht mehr nach Rauch. Das liege daran, dass die Betonwände gerade mit dem Sandstrahler bearbeitet wurden, erklärt Wolfgang Tobias, bei der Stadt zuständig für den Neubau von Gebäuden. Ansonsten ist von den Wänden, die die Büros trennten, nicht mehr viel zu sehen. „Das waren Trockenbauwände, die kontaminiert waren, auch die Türen mussten raus, ebenso die Einbauschränke – wir stehen praktisch im Rohbau“, sagt Tobias. Der verbrannte Kunststoff sei dabei das größte Problem gewesen. Auch alle Stromleitungen mussten ausgetauscht werden, ebenso der Fahrstuhl.

Der 47-jährige Täter war nach Aussage seines Anwalts aus Frust gegenüber den Behörden und angesichts eines Nachbargebäudes, das an der Bremer Straße errichtet wurde, mit dem Auto in das Rathaus gefahren und hatte diesen mit einem Brandbeschleuniger angezündet. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest, nach Angaben der Verdener Staatsanwaltschaft ist noch keine Anklage gegen ihn erhoben worden.

„2,2 Millionen Euro Gebäudeschaden sind von der VGH-Versicherung anerkannt worden“, sagt Brockmann. Was die Technik angehe, sei die Schadenssumme noch nicht beziffert. Es gebe auch noch diverse offene Posten, wie zum Beispiel beschädigte Kunstwerke oder das Stadtmodell, das nicht von den Schadstoffen gereinigt werden könne. Rund 70 Mitarbeiter haben ihren Büroplatz verloren und mit ihm auch viele private Gegenstände. Ein Viertel der betroffenen Akten sei inzwischen wieder verfügbar, der Rest befinde sich noch im Lager, sagt Brockmann. Und noch ein weiteres Problem haben die Handwerker entdeckt: Ein behoben geglaubter Wasserschaden von Anfang der 1990er-Jahre kam wieder zum Vorschein. Dieser war offenbar doch nicht richtig getrocknet worden. Der Fall ist inzwischen verjährt, so dass ihn die Stadt eine geschätzte halbe Million Euro kosten wird. Da nun ohnehin saniert werden muss, soll nun auch gleich einiges umgestaltet und an die aktuellen Brandschutzbestimmungen angepasst werden, so der Bürgermeister. Das Bürgerbüro etwa soll moderner werden, auch ein Pausenraum und mehr Barrierefreiheit schweben Brockmann vor. Für die Umgestaltung wird das Verdener Architekturbüro Dreischhoff beauftragt. Die Kosten werden auch Thema der nächsten Sitzung des Stadtrats am Dienstag, 29. August, sein.

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