Kleine Schienenkreuzfahrt: Triebwagen rollt am 14. August zwischen Verden und Stemmen Grüße aus dem Kleinbahnbezirk

Verden/Kirchlinteln. Zwölf Stundenkilometer – bei so einem gemächlichen Tempo lässt sich eigentlich nebenbei noch prima Blumen pflücken. Mit genau dieser Geschwindigkeit tuckern die Verdener Eisenbahnfreunde am Sonntag, 14.
12.08.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Verden/Kirchlinteln. Zwölf Stundenkilometer – bei so einem gemächlichen Tempo lässt sich eigentlich nebenbei noch prima Blumen pflücken. Mit genau dieser Geschwindigkeit tuckern die Verdener Eisenbahnfreunde am Sonntag, 14. August, wieder über die Schiene. Allerdings nicht mit ihrem Kleinbahnexpress, sondern mit dem Triebwagen des Deutschen-Eisenbahn-Vereins (DEV) aus Bruchhausen-Vilsen. Die Muselbahner aus dem Luftkurort leisten dem befreundeten Verein gerne Nachbarschaftshilfe, wenn es darum geht, den Fahrbetrieb auf der Strecke Verden-Stemmen aufrecht zu erhalten. Weil die Lok (Magdeburger) und die beiden Waggons zur Hauptuntersuchung (HU) müssen, fahren die Kleinbahner aus dem Landkreis Verden eben nicht mit ihrer eigenen Zuggarnitur, geifen vielmehr auf den blau-weißen Triebwagen aus Bruchhausen-Vilsen zurück. Der kann für die kleine Schienenkreuzfahrt von Verden bis tief in den Süden der Gemeinde Kirchlinteln hinein rund 50 Fahrgäste mitnehmen.

„Um 11 und 14.30 Uhr fahren wir Sonntag in Verden los, erreichen dann nach ungefähr 50 Minuten Stemmen“, hofft der Vorsitzende der Verdener Eisenbahnfreunde, Walter Wenzel aus Hülsen, an diesem Tag auf viele Passagiere. Auf Passagiere mit gültiger Fahrkarte wohlgemerkt, nicht auf die berüchtigten blinden Passagiere. Vom Bahnhof Stemmen aus gehe es dann nachmittags um 13.20 und 16.20 Uhr wieder retour in die Allerstadt, wirft Wenzel einen Blick in den Fahrplan. Der Triebwagen des DEV hält dann wie gewohnt an allen Unterwegsbahnhöfen, sprich Nedden (Neddenaverbergen), Armsen, Hohen (Hohenaverbergen), Luttum und Eitze. Der Kleinbahnexpress ist ja schließlich kein Höchstgeschwindigkeitszug, der auf dem Weg von Hannover in die Bundeshauptstadt mal eben den fahrplanmäßigen Zwischenstopp in Wolfsburg vergisst. „Am Sonntag haben wir auch unseren Fahrrad-Express dabei“, freut sich Walter Wenzel auf Drahteselfahrer, die Lust auf einen Ausflug in die Natur haben. „Familie Rusack öffnet wieder die Pforten der Wassermühle Stemmen. Die Besucher können sich dann ein Bild von der Turbine machen, die zur Stromerzeugung dient“, hat Wenzel gleich einen Besichtigungs-Tipp parat. In Stemmen Hauptbahnhof bewirten die Verdener Eisenbahnfreunde ihre Gäste wie gewohnt mit einem kleinen Imbiss sowie Kaffee und Kuchen.

Die Fristen sind abgelaufen. Wie Autos müssen auch die Erben von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer regelmäßig mit ihren Kleinbahnen zum Tüv, sprich in eine zertifizierte Werkstatt. „Ein Waggon steht gerade bei der EVB in Bremervörde. Dort werden die Achsen ausgebaut und gesäubert, damit der Sachverständige zur Ultraschall-Messung kommen kann“, erläutert Hobby-Eisenbahner Walter Wenzel. Und wo ist der andere Waggon? „In Farge.“ Die Lok, eine ehemalige Industrielok namens Magdeburger, befinde sich derzeit in der Halle der Verden Walsroder Eisenbahn (VWE). Die Kosten für den Zug-Tüv bewegen sich insgesamt im hohen fünfstelligen Bereich. „Wir haben bereits entsprechende Förderanträge gestellt und bei Sponsoren angefragt“, erläutert Wenzel. Im vergangenen Jahr haben die Verdener Eisenbahnfreunde bereits zwei Waggons verkauft. „Wenn wir die Förderbescheide erhalten, können wir in der nächsten Saison wieder mit unseren eigenen Schienenfahrzeugen fahren“, blickt Wenzel trotz der aktuell klammen Vereinskasse optimistisch in die Zukunft. Der Landkreis Verden sowie die Stadt Verden und die Gemeinde Kirchlinteln gewähren den Kleinbahnern einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro. Ob es auch diesmal wieder Geld für die erforderlichen Investitionen aus Kirchlinteln gibt, hängt allerdings noch in der Schwebe – die Eisenbahnfreunde müssen der Gemeinde erst ein tragfähiges Konzept vorlegen.

Jeweils vom Maifeiertag bis zum Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) verkehrt die Museumsbahn einmal im Monat (sonntags) zwischen Verden und Stemmen. „Natürlich bieten wir auch Sonderfahrten an. Ende Mai haben wir die Gewinner der Verdener Stadttombola befördert, Ende August machen wir einen Ausflug mit Senioren aus Verden“, zählt Wenzel auf. Die Ferienpass-Aktionen (Rangier-Abitur) nicht zu vergessen. Rund 50 Mitglieder zählt der Verein aktuell. „Neue Mitstreiter werden natürlich immer gesucht. Sie können sich unter der Mobilnummer 01 71 / 5 83 49 25 bei unserem Kassenwart Walter Wenzel melden“, sagt der oberste Kleinbahner. Weil die Vereinsmitglieder in ihren Reihen nur noch einen Lokführer haben, sind sie natürlich stets auf der Suche nach weiteren. Seit 1989 rollt die Museums- und Touristikbahn nun schon auf dem Teilstück der Verden Walsroder Eisenbahn. Der 76-jährige Walter Wenzel hat 2014 den verstorbenen Dierk Mahnke als ersten Vorsitzenden abgelöst. „Dierk war Eisenbahner durch und durch, hatte sogar immer eine Uniform an“, erinnert sich Wenzel gern an den Ehrenvorsitzenden der Eisenbahnfreunde zurück. Auf dem Abschnitt Verden-Nedden unterhält die VWE die Strecke, die restlichen Kilometer bis nach Stemmen (Grenze zum Heidekreis) müssen die Eisenbahnfreunde tatkräftig selbst mit anpacken. Dort sei „Manpower“ gefragt, betont Wenzel. Das Gleis stamme schließlich noch aus dem Jahr 1910, weist er in diesem Zusammenhang auf die Sand-Kies-Bettung hin. Das Intervall zwischen Nedden und Verden sei hingegen schon „geschottert“.

Die stillgelegte Verden Walsroder Eisenbahn wurde ursprünglich für den Kali-Abtransport aus Häuslingen errichtet. Wenzels Traum ist es, dass der Lokschuppen am Stemmer Bahnhof irgendwann ans Gleis angeschlossen wird. „Und vielleicht eine eigene Dampflok. Aber das ist natürlich viel zu teuer“, steigt er rasch wieder aus dem Traum-Express aus.

Fahrkarten für die kleine Schienenkreuzfahrt am Wochenende (einfache Fahrt fünf Euro) gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Info im Verdener Rathaus sowie im Touristik-Büro der Gemeinde Kirchlinteln an der Hauptstraße.

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