Gespräch mit Jobst Kohmüller, Direktor des Amtsgerichts Verden Hohe emotionale Beteiligung

Dass ein Nachbarschaftsstreit vor einem Landgericht landet, ist eher die Ausnahme. In der Regel sind die Amtsgerichte mit diesen Fällen befasst. Anke Landwehr befragte Jobst Kohmüller, den Direktor des Verdener Amtsgerichts, zum Wesen der Konflikte.
14.08.2012, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Dass ein Nachbarschaftsstreit vor einem Landgericht landet, ist eher die Ausnahme. In der Regel sind die Amtsgerichte mit diesen Fällen befasst. Anke Landwehr befragte Jobst Kohmüller, den Direktor des Verdener Amtsgerichts, zum Wesen der Konflikte.

Nachbarschaftsstreitigkeiten werden oft besonders erbittert ausgetragen. Woran liegt das?

Da müsste ich spekulieren, weil wir keine Ursachenforschung betreiben. An uns wird ein bestimmter Sachverhalt herangetragen, den es zu verhandeln gilt. Dabei stellen wir häufig fest, dass es eine lange Vorgeschichte gibt. Das trägt auch dazu bei, dass die Verfahren mit hoher emotionaler Beteiligung geführt werden.

Woran entzünden sich Auseinandersetzungen?

Klassiker sind Vorwürfe, die mit der Grundstücksgrenze zusammenhängen. Das kann ein Zaun sein, der aus Sicht des Nachbarn nicht mehr in Ordnung ist, falsch steht oder zu hoch ist und deswegen die Sicht nimmt. Oft geht es auch um überhängende Zweige und um zu hohe Bäume, die Licht nehmen, zu viel Laub in den Nachbargarten abwerfen oder deren Wurzelwerk unter den Zaun durchwächst.

Heißt das, dass sich Hauseigentümer oder -mieter eher in die Haare geraten als Nachbarn in Mehrfamilienhäusern?

Dazu habe ich keine Statistik. Ich kann nur sagen, dass es in Sachen Etagenwohnungen eine Menge Rechtsprechung zu Grillabenden auf dem Balkon gibt. Selber habe ich solche Fälle allerdings noch nicht erlebt.

Es sind mitunter absonderliche Vorwürfe, mit denen sich verfeindete Nachbarn beharken. Kann es sein, dass dahinter manchmal die pure Lust am Streiten steckt?

In der Regel ist es ein konkreter Anlass, der zu Streitigkeiten führt, die sich dann allmählich hochschaukeln. Gelegentlich sind es auch persönliche Anwürfe. Mein Eindruck ist, dass Konflikte generell zu spät bearbeitet werden.

Was raten Sie Betroffenen?

Frühzeitig die außergerichtliche Einigung zu suchen – bei einem Mediator oder der Schiedsperson, die es in jeder Gemeinde gibt. Gerade Schiedspersonen haben gute Erfahrungen in der Bearbeitung dieser Konflikte und eine sehr gute Erfolgsquote. Sie bieten einen atmosphärischen Rahmen, der besser geeignet ist als eine Gerichtsverhandlung, um eine Einigung herbeizuführen.

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