Craft Beer Hommage an die Hopfenkaltschale

Mit der neuen Stadtführung „Pro Bier mal“ begibt sich Stadtführerin Sabine Lühning mit der Verdener Bräu-Connection auf die Spuren des Gerstensafts. Der Rundgang klingt mit einer Verkostung aus.
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Hommage an die Hopfenkaltschale
Von Jörn Dirk Zweibrock

Lust auf ein selbst gebrautes kühles Blondes? Vor zweihundert Jahren war das überhaupt kein Problem in Verden. „Damals gab es noch 62 Brauereien in Verden. Die Allerstädter tranken Bier wie Ochsen das Wasser und die Biersteuer war die wichtigste Einnahmequelle der Stadt“, erzählt Stadtführerin Sabine Lühning lachend. Gemeinsam mit den Jungs von der Verdener Bräu-Connection hat sie die brandneue Stadtführung „Pro Bier mal“ konzipiert, die an diesem Sonnabend, 3. November, Premiere feiert. Höhepunkt des rund einstündigen Rundgangs durch Verden ist natürlich die abschließende Bierverkostung im Historischen Museum, dem Domherrenhaus. Dort warten dann die Mitglieder der Verdener Bräu-Connection mit ihrem Domherren-Stolz, einem handwerklich hergestellten Craft Beer, auf die Gäste.

Begibt sich Sabine Lühning auf die Spuren der Verdener Bierbrauer, beginnt sie natürlich am früheren Verdener Ratskeller. „Im Erdgeschoss und Keller des Historischen Rathauses hatte der Rat bis vor 144 Jahren seine eigene Schänke“, erläutert die Verdener Stadtführerin und ergänzt: „Eigentlich ganz praktisch, dass dort zeitweise auch das Gefängnis untergebracht war. So konnten die Bierleichen ihren Rausch gleich auf der Pritsche ausschlafen.“ Bis zu seiner Schließung wurde der Verdener Ratskeller von verschiedenen Pächtern bewirtschaftet.

In jedem zweiten Haus wurde gebraut

In jedem zweiten Haus in der heutigen Fußgängerzone (Große Straße) wurde früher also Bier gebraut – und das bei gerade einmal 4500 Seelen. Von minderwertigem Plemper-Bier bis zum starken Bockbier soll alles dabei gewesen sein. „Der Bürgermeister war stolz, dass das Bedürfnis der durstigen Bevölkerung alle 20 Schritte befriedigt werden konnte“, erzählt die Verdenerin. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken, denn die Biersteuer stellte damals ja schließlich die wichtigste Einnahmequelle der Stadt dar. „Die Alkoholsteuer machte früher rund ein Viertel aller städtischen Einnahmen aus“, rechnet Sabine Lühning vor. Übrigens: Zu den 62 Brauereien kamen vor 200 Jahren noch sage und schreibe 41 Branntwein-Schänken zwischen Rathaus in der Norderstadt und Dom in der Süderstadt hinzu.

„Selbst die alten Ägypter haben vor 5000 Jahren schon Bier getrunken“, weiß Sabine Lühning aus ihren Recherchen. Stichwort Predigerstraße: In Verden gab es vor 200 Jahren beispielsweise die Brauerfamilie Prediger oder eben das Nikolai-Brauhaus an der Nikolaistraße. Wirklich – in der ehemaligen Nikolaikirche wurde doch damals tatsächlich Bier gebraut. Wie praktisch, dass Fassbinder Osterhagen die schweren Holzfässer nur wenige Meter über die Straße rollen musste.

Hefe kannten die Braumeister nicht

„Hefe kannten die Braumeister früher noch nicht. Ohne Hefe schmeckt das Bier doch einfach nur nach Brotsuppe, oder?“, findet die Verdener Stadtführerin. Schließlich sei es die Hefe, die den Zucker in Alkohol und Kohlensäure umwandele. Irgendwann hielt das berühmte Bayerische Reinheitsgebot dann also auch am Allerstrand Einzug. Es besagt, dass Bier lediglich aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden darf. Kein Wunder also, dass oberhalb der heutigen Verdener Kultkneipe Sottis folgender Ausspruch prangt: „Hopfen und Malz – Gott erhalt's“. Warum mussten die, die früher des Lesens nicht mächtig waren, eigentlich dennoch nicht auf dem Trockenen sitzen? Ganz einfach: Weil sie vom auffälligen Brauerstern, dem Zunftzeichen der Brauer und Mälzer, direkt in die Schänke geführt wurden. „Das sechseckige Symbol findet sich noch heute an vielen bayerischen Gasthäusern“, weiß die Stadtführerin.

Bischof spendierte Bier

Hatten die Ratsherren mit dem Ratskeller ihre eigene Schänke in der Norderstadt, befand sich die bischöfliche Schänke in der Verdener Süderstadt – genauer gesagt am Lugenstein. „Sie trug einen ungewöhnlichen Namen, hieß ,Der Schaden'“, erzählt Sabine Lühning schmunzelnd. Zur großen Freude der Domschüler spendierte ihnen der Verdener Bischof doch regelmäßig ein Fass Bier. Ja, die Verdener Geistlichkeit, die unterhielt damals doch tatsächlich ein eigenes Brauhaus in ihrer Residenz im Stiftshof. „Und unter dem Brauhaus befand sich direkt das Badehaus“, erzählt Sabine Lühning Augen zwinkernd und sagt: „Wie schade, dass Jesus nur Wasser in Wein und nicht in Bier verwandeln konnte.“

Vor fast hundert Jahren, 1921, wurde dann mit der Brauerei Wiederholts am Brunnenweg die letzte der ursprünglich 62 Verdener Brauereien geschlossen. Also Grund genug für die Verdener Bräu-Connection, die Brau-Tradition wieder aufleben zu lassen. Bei der Verkostung im mächtigen Kellergewölbe des Domherrenhauses gibt sie den Teilnehmern der neuen Stadtführung „Pro Bier mal“ dann einen kleinen Einblick in die hohe Kunst des Bierbrauens.

Karten für die Stadtführung „Pro Bier mal“ kosten 12 Euro. Sie sind direkt im Domherrenhaus (Telefon 0 42 31 / 21 69) erhältlich. Die Premieren-Führung am 3. November beginnt um 15 Uhr am Verdener Rathaus. Weitere Termine sind am 23. und 24. November. Für 2019 sind bislang ein halbes Dutzend Stadtführungen mit Bierverkostung geplant.

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