Historisches Museum Im Domherrenhaus wird geheiratet

In der neuen Ausstellung dreht sich alles um den schönsten Tag im Leben. Bei der Vernissage ist sogar eine Hochzeitssängerin dabei.
10.04.2018, 17:01
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Im Domherrenhaus wird geheiratet
Von Jörn Dirk Zweibrock

Liebesheiraten – die gab es früher im Gegensatz zu heute nicht. "Ehen waren damals reine Rechtsgeschäfte", sagt Björn Emigholz, Leiter des Verdener Domherrenhauses. Rund um den schönsten Tag im Leben, die Vermählung, dreht sich die neue Ausstellung "Trau Dich" im Historischen Museum an der Unteren Straße 13 in Verden. Die von den Museumsmitarbeitern Gabriele Müller und Stefan Berends konzipierte Schau wird an diesem Sonntag, 15. April, um 11 Uhr im Domherrenhaus eröffnet. Anlass für die Hochzeitsausstellung war übrigens der 20. Geburtstag des Trauzimmers im Historischen Museum. "Es wird sehr gut angenommen. Im Schnitt haben wir pro Jahr zwischen 30 und 40 standesamtliche Trauungen im Museum", sagt Gabriele Müller. Stefan Berends und sie haben aus dem museumseigenen Fundus wieder so manches Exponat für die neue Ausstellung rund ums Thema Heiraten zusammengetragen. Klar, dass es dort auch ein schneeweißes Brautkleid und festliche Hochzeitsgarderobe für die Herren der Schöpfung zu sehen gibt. "Ist es vor dieser schönen Deko nicht jetzt noch ein Grund mehr, im Domherrenhaus zu heiraten?", fragt sich die Ausstellungs-Macherin.

Auf eine Reise in die Geschichte der Hochzeitsfotografie nimmt die Besucher indes der Verdener Fotograf Iraklis Panagiotopoulos mit. Acht Schwarz-Weiß-Fotografien und zehn farbige Bilder hängt der gebürtige Insulaner (Rhodos) im Domherrenhaus auf. Die künstlerischen Wurzeln von Iraklis Panagiotopoulos liegen eigentlich im Bereich Film, seit einigen Jahren hält der freischaffende Regisseur allerdings auch den schönsten Tag im Leben junger Brautpaare fest. "Früher gab es noch keine Hochzeitsfotografien, früher wurden noch Gemälde von den Brautpaaren angefertigt", blickt Museumsdirektor Björn Emigholz weit in die Geschichte zurück. Oder die Familienwappen der Ehepartner wurden kunstvoll zusammengeführt. Vor grauer Vorzeit gab es auch noch grausame Riten wie die sogenannte Ochsen-Hochzeit. Hatten sich die Ehepaare fünf Jahre nach ihrer Hochzeit immer noch nicht vermehrt, wurde ganz plakativ eine hässliche Blutspur bis zu ihrem Hause gezogen.

Doch diese Bräuche gehören glücklicherweise längst der Vergangenheit an, stattdessen schließt heute aktuell fast kein Paar mehr den Bund fürs Leben, ohne einen professionellen Hochzeitssänger zu engagieren. Die Verdenerin Johana Klaas bedient dieses Genre, wird immer wieder gerne zur musikalischen Untermalung des schönstes Tages engagiert. "In den vergangenen Jahren hat sich eine Art neuer deutscher Romantik herauskristallisiert", erzählt die Künstlerin mit leuchtenden Augen davon, dass gerade deutsche Titel ganz hoch im Kurs stehen. Das Lied "Liebe meines Lebens" des Liedermachers Philipp Poisel stimme sie beispielsweise besonders gerne an. Es müsse schließlich nicht immer ein Stück von Ed Sheeran sein. Bereits im Kindesalter entdeckte die Künstlerin ihre Liebe zur Musik. Den Grundstein für ihre Gesangskarriere hat Johana Klaas übrigens bei der Verdener Gesangspädagogin Christiane Artisi gelegt. Heute bezaubert sie mit ihrer besonderen Stimme in ganz besonderen Momenten – nämlich beim Einlaufen in den Hafen der Ehe. Klar, dass Johana Klaas bei der Vernissage zur Ausstellung "Trau Dich" an diesem Sonntag, 15. April, gemeinsam mit ihrem Gitarristen Stefan Decker auch eine kleine Kostprobe ihres Könnens gibt.

Außerdem hält Museumsleiter Björn Emigholz einen Vortrag über die Hochzeit im Wandel der Zeit. Er erzählt zum Beispiel, dass es sich beim traditionellen Blumenstreuen um nichts weiter als ein Friedenssymbol handelt. "Hochzeiten gingen damals oft kriegerische Auseinandersetzungen voraus." Zu den besonderen Exponaten bei der Ausstellung gehört auch eine Ehefibel. "In der Biedermeier-Zeit mussten die Ehefrauen noch folgsam sein", erklärt der Museumschef mit einem Augenzwinkern.

Die Hochzeitsausstellung "Trau Dich" ist bis zum 17. Juni zu den Öffnungszeiten des Domherrenhauses zu sehen. Anlässlich der Schau liefern sich Museumsleiter Björn Emigholz und Museumspädagogin Julia Nehus am Dienstag, 12. Juni, ab 18.30 Uhr auch einen augenzwinkernden Dialog unter dem Titel "Wer traut sich denn?" im Museum. Karten dafür sind im Vorverkauf zum Preis von 12 Euro erhältlich.

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