Nach Hochwasserpause befördert die Solar-Allerfähre wieder Fahrgäste zwischen Otersen und Westen Im Schritttempo ans gegenüberliegende Ufer

Das Hochwasser ist zurückgegangen, und die Aufräumarbeiten sind abgeschlossen – so konnte die Solar-Allerfähre Otersen-Westen am Wochenende wieder Passagiere zwischen den Anlegestellen hin und her befördern. Besonders die Radfahrer freuten sich über die Wiederinbetriebnahme des Fahrgastschiffes.
01.07.2013, 05:00
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Im Schritttempo ans gegenüberliegende Ufer
Von Marius Merle

Das Hochwasser ist zurückgegangen, und die Aufräumarbeiten sind abgeschlossen – so konnte die Solar-Allerfähre Otersen-Westen am Wochenende wieder Passagiere zwischen den Anlegestellen hin und her befördern. Besonders die Radfahrer freuten sich über die Wiederinbetriebnahme des Fahrgastschiffes.

Kirchlinteln·Dörverden. Vier Wochen lang verhinderte Hochwasser die Fahrt der Solar-Allerfähre zwischen Otersen und Westen, am Wochenende konnten nun erstmals wieder Passagiere übergesetzt werden. Und das Angebot wurde an den ersten beiden Tagen auch gleich wieder von zahlreichen Menschen wahrgenommen. "Größtenteils wird die Fähre von Radtouristen genutzt", sagte Günter Lühning, erster Vorsitzender des Heimat- und Fährvereins Otersen. Die Ziele der Radfahrer waren am gestrigen Sonntag jedoch sehr unterschiedlich. Manche kehrten nach der Überfahrt ins Café im Westener Amtshaus direkt neben der Anlegestelle ein, andere nutzten sie als Abkürzung des ansonsten 60 Kilometer langen Aller-Radweges Verden-Rethem. Einige Schützen indes fuhren nach der Fahrt mit der Fähre zum Kreisverbandsschützenfest nach Ahnebergen weiter.

Die Allerfähre zwischen Otersen und Westen gibt es bereits seit über 400 Jahren. Zu Beginn war sie für die Westener und Oterser Bauern erforderlich, um die Felder und Weiden in der Allermarsch jenseits des Flusses zu erreichen. Von 1967 bis 1997 ruhte der Fährbetrieb. Seit 1997 wird die Allerfähre vom Heimat- und Fährverein Otersen mit momentan 60 ehrenamtlichen Fährleuten betrieben und diene heutzutage nur noch dem Tourismus, wie Lühning sagt. 250000 Mark seien damals in das Projekt gesteckt worden. Nur 2002 hatte die Fähre schon einmal wegen Hochwassers einige Wochen nicht verkehren können. Sie liefe zu 100 Prozent mit Solarstrom, wie Lühning erläuterte. Die acht Akkus würden von Montag bis Freitag aufgeladen und hätten dann genügend Energie gesammelt, um den Elektromotor am Wochenende zu betreiben.

Freiwillige räumen Anleger auf

Damit der Fährbetrieb in den vergangenen Tagen wieder aufgenommen werden konnte, musste nach dem Hochwasser erst einmal aufgeräumt werden. Lühning erklärt, dass daran neben vielen Mitgliedern des Heimat- und Fährvereins auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr beteiligt gewesen seien. Mehrere Meter war die Aller an dieser Stelle über die Ufer getreten.

Im Mai dieses Jahres konnten die Betreiber der Allerfähre den 90000. Fahrgast seit der Wiederinbetriebnahme 1997 begrüßen. Jährlich nutzen nach Angaben des Vereins rund 6000 Passagiere das Fahrgastschiff. "Ursprünglich hatten wir damals nur mit der Hälfte an Fahrgästen gerechnet", erzählte Lühning. Er freut sich darüber, wie gut das Angebot genützt wird.

Wer mit dem Auto oder zu Fuß von Westen nach Otersen möchte, ist in etwa 20 Kilometer unterwegs, da die nächste Brücke erst in Rethem steht. Da bietet die rund einminütige Überfahrt mit der Fähre in Schrittgeschwindigkeit doch eine erhebliche Zeitersparnis. Wer ans gegenüberliegende Ufer möchte, muss nur an der Glocke am Anlegesteg läuten, und schon holt ihn die Fähre für die Überfahrt ab. Neben dem praktischen Nutzen der schnellen Überfahrt können die Fahrgäste auch "die Ruhe und Entspannung genießen", sagt Lühning.

Die Saison der Allerfähre läuft noch bis zum 3. Oktober. Fahrten gibt es jeweils am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Die Kosten für die Überfahrt betragen für Kinder einen Euro und für Erwachsene 1,50 Euro, Fahrrad inklusive. Für Gruppen können auch an Werktagen Sonderfahrten organisiert werden. "In Spitzenjahren haben wir bis zu 40 Anfragen dafür", erzählt Lühning.

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