Bürgermeisterkandidat

Im Stadtgespräch

Mit einem undichten Dach in der BBS Dauelsen blühte in Kai Rosebrock (Freie Wähler) - damals noch Schüler - der Wunsch auf, etwas ändern zu wollen. Heute kandidiert der 27-Jährige als Bürgermeister für Verden.
03.05.2019, 18:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Lena Mysegades
Im Stadtgespräch

Das Ziel fest im Blick: Kai Rosebrock (Freie Wähler) möchte Bürgermeister in Verden werden.

björn hake

Mit einem undichten Dach in der BBS Dauelsen blühte in Kai Rosebrock der Wunsch auf, etwas ändern zu wollen. Dort ging der heute 27-Jährige gebürtige Verdener zur Schule. Damals ließ er sich in den Schülerrat wählen. Später dann schloss er sich der Piratenpartei an. Mittlerweile ist er bei den Freien Wählern. Für diese tritt der junge Politiker heute als Bürgermeisterkandidat an. Für das Gespräch mit ihm hat Kai Rosebrock den Bürgerpark als Treffpunkt vorgeschlagen. Bei einer Partie Boccia redet der groß gewachsene Politiker und ausgebildeter Medieninformatiker offen über Politisches und Persönliches.

Angefangen mit seiner Zeit bei den Piraten. „Die Zeit bei den Piraten will ich nicht missen“, sagt der Verdener Politiker. Allerdings habe er irgendwann gemerkt, dass es für die Partei nicht mehr voranging. 2017 dann der Wechsel vom Pirat zum Freien Wähler. „Ich fand damals an den Piraten gut, dass sie neuen Wind in die Parteienlandlandschaft gebracht haben“, erklärt sich der junge Politiker seine damalige Begeisterung für die Partei. Doch als die Wählerzahlen sanken und sich die Partei auf der Stelle bewegte, sah Kai Rosebrock sich nach einer anderen Partei um.

Nun musste eine Partei her, die „schon Unterstützung vor Ort“ hatte. Zu den Größeren wollte er nicht. „Die Freien Wähler waren mir dann sympathisch.“ In Bayern kommt die Partei konservativ daher, in Bremen hat sie mit Olaf Dinné einen Alt-Linken an der Spitze. Die Einordnung der Partei fällt so manchem Wähler also nicht ganz leicht. Das ist aber gerade das, was Rosebrock gefällt. Er selbst würde die Partei als „wertkonservativ“ bezeichnen, meint aber auch dass man als Freier Wähler getrost „seine Ideologie über Bord werfen kann“ und stattdessen „lieber über Fakten redet“. So sei die Partei also von Ort zu Ort unterschiedlich, habe aber dennoch ein gemeinsames Grundsatzprogramm.

Im Bürgerpark an der Boccia-Bahn riecht es nach frischem Regen. Rosebrock wirft eine gelbe Kugel. Er sagt: „Ich bin gespannt auf die Wahl.“ Von Bekannten in Doppelkopf-Runden oder im Kaffeekränzchen habe er gehört, dass er und seine Parteikollegen „im Stadtgespräch" seien. Um seine Konkurrenz in Gestalt von Lutz Brockmann (SPD) und Jens Richter (CDU) wisse er natürlich. Dennoch, man darf schließlich träumen. „Mein Ziel in diesem Wahlkampf ist es, Aufmerksamkeit für die Partei zu erreichen und Mitglieder zu generieren“, sagt er gelassen. Damit hätten er und seine Kollegen schon „jetzt gewonnen“. Denn die Partei hat es sogar geschafft, ihre Mitgliederzahl in der Allerstadt Verden nahezu zu verdoppeln. Von anfänglichen sieben Mitgliedern im Dezember vergangenen Jahres, können sich die Freien Wähler in Verden jetzt mit dreizehn Mitgliedern schmücken.

Der junge Politiker inhaliert die frische Luft und sagt: „Ich bin sehr naturverbunden.“ Aufgewachsen ist er in Holtum (Geest), für das Studium der Medieninformatik ist Rosebrock für anderthalb Jahre nach Stralsund gezogen. Dann hat ihn das Heimweh nach seinem „geliebten Verden und der Aller“ aber wieder gepackt. Wenn er Bürgermeister wird, möchte er sich für die Schulen einsetzen. „Ich möchte eine Clubkultur für Schüler nach dem Vorbild von Japan schaffen.“ Dort dürfe jeder Verein das Schulgelände für sich nutzen. Und junge Menschen könnten sich dann zum Beispiel dort für ein Band-Treffen oder zum Bogenschießen zusammenschließen. Für ihr Budget müssten sie selbst verantwortlich sein.

„Außerdem möchte ich dafür sorgen, dass jeder Bürger versteht, wo seine Steuern hingehen“, verrät Rosebrock ein weiteres seiner politischen Vorhaben. Des Weiteren hat er vor, Sozialprojekte voranzutreiben. „Ich finde es schade, dass die verschiedenen Kulturgruppen nicht miteinander interagieren“, sagt er. Alt und Jung, Deutsche und Migranten, die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung haben seiner Ansicht nach derzeit zu wenig Anknüpfungspunkte.

Danach gefragt, wie er sich in drei Adjektiven als Mensch beschreiben würde, muss der 27-jährige Verdener einen kleinen Augenblick nachdenken. „Engagiert, beharrlich, eigentlich immer freundlich“, kommt es dann aus Kai Rosebrock heraus. Mit dieser Beharrlichkeit hofft er übrigens, bei der kommenden Kommunalwahl dann sogar eine eigene Fraktion im Stadtrat und im Kreistag stellen zu können. „Das ist mein Ziel“, gibt sich der Bürgermeisterkandidat Kai Rosebrock selbstbewusst.

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