Markt der Tragenden Gemeinschaft in Schafwinkel: Die Bewohner identifizieren sich mit ihrer Tätigkeit / Auch Getränke selbstgemacht In wochenlanger Arbeit entsteht ein Teppich

Was die Bewohner der Tragenden Gemeinschaft in Schafwinkel alles selbst herstellen, zeigt der alljährliche Markt. Gestern fand er bei großem Zuspruch statt und gab auch einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung.
24.11.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Hermann Meyer

Was die Bewohner der Tragenden Gemeinschaft in Schafwinkel alles selbst herstellen, zeigt der alljährliche Markt. Gestern fand er bei großem Zuspruch statt und gab auch einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung.

Bei schönem Spätherbstwetter fand am gestrigen Sonntag der Markt der Tragenden Gemeinschaft Schafwinkel statt. Neben zahlreichen Ständen auf dem großen Anwesen und in den Werkstätten der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung seelenpflegebedürftiger Menschen hatten die Besucher umfangreiche Möglichkeiten, viele selbstgefertigte Gegenstände und anspruchsvolles Kunsthandwerk für die kommenden Weihnachtstage als Geschenk auszusuchen. Für das leibliche Wohl gab es frisch geräucherte Forellen und Aale aus der Teichwirtschaft Jarlingen, Heidschnuckenwurst, Salami-, Lachs- oder vegetarische Pizza aus dem Backhaus, Crêpes kandierte Früchte gebrannte Mandeln, Schmalzkuchen und Glühwein und Kinderpunsch.

In den vier Häusern der anthroprosophischen Einrichtung, dem Bunken- und Oelfkenhof sowie dem Eichen- und Rosenhaus leben und arbeiten zurzeit 40 geistig sowie mehrfach behinderte Menschen, die unter Anleitung viele Dinge produziert haben. Dazu gehören etwa Kerzen, die aus Bienenwachs hergestellt sind. „Der älteste Mitarbeiter ist 78 Jahre alt“, sagt Henk Dohle, der verantwortlich für diesen Bereich ist. Es helfe den Bewohnern, sich mit der Arbeit zu identifizieren, wenn sie sagen könnten: „Ich bin Kerzenzieher von Beruf.“ Seit Kurzem werden auch Getränke, wie Fruchtschorle oder Limonade, selbst hergestellt und an die in den Werkstätten Beschäftigten und an die Bewohner in den Häusern verteilt. Gleichzeitig werden die leeren Flaschen wieder eingesammelt und sauber gespült. Heiner Gerken steht selber am Grill und brät Heidschnuckenwurst auf dem Holzkohlegrill. „Die Tiere laufen hinter den Häusern der Tragenden Gemeinschaft, ich habe die Flächen für die Heidschnuckenhaltung gepachtet“, sagt er. Er ist seit 15 Jahren hauptberuflich als Schäfer tätig. Das Backhaus würden die beiden Pizzabäcker gerne wieder zum Leben erwecken und Brot oder Butterkuchen darin backen, aber es fehle an der notwenigen Zeit, sagen sie.

Shweshwe-Röcke für Teens bis Twens gab es in der Projektwerkstatt. Shweshwe ist ein südafrikanischer Baumwollstoff, der im traditionellen Verfahren hergestellt wird. Judith Singer aus Verden fliegt regelmäßig in die südafrikanische Region Elandskral, um mit den dortigen Frauen neue Produkte zu besprechen. Mit den Handtaschen und anderen schönen Produkten finanzieren die Frauen ihre Familien, weil es oft die einzige Einnahmequelle ist. In der Weberei kennt Anne Hartinger sich gut aus. „Ich bin seit sieben Jahren hier und fühle mich sehr wohl“, sagt die junge Frau. Sie weiß genau, wie sie den Webstuhl bedienen muss, damit dort in wochenlanger Arbeit ein schöner Teppich entsteht. „Ich habe das in der Schule gelernt.“ Die Teppiche sind aus schadstoffkontrollierter Schurwolle, die von den Schafen der Tragenden Gemeinschaft stammt. Hausschuhe aus Filz mit einer Latexsohle für einen langlebigen Gebrauch waren ebenso zu bekommen, wie kleine Filzblumen, Westen und Pulswärmer.

Billa Jahn und Anja Kahle stellten die Arbeiten der Kreativgruppe der Bremer Lebensgemeinschaft für seelenpflege-bedürftige Menschen vor.

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