Insektensommer Der Harlekin liegt vorne

Zweimal im Jahr zählen Interessierte bundesweit Insekten. Die Aktion geht auf den Naturschutzbund zurück, der nun die Ergebnisse für den Landkreis Verden und die Nachbarkreise vorstellt.
28.06.2021, 16:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs

Im Zählen von Winter- und Gartenvögel sind Naturfreunde im Landkreis Verden erprobt. Jedes Jahr beteiligen sich viele von ihnen an den Aktionen des Naturschutzbundes (Nabu), der interessierte Laien motiviert, um mehr über die Populationsentwicklung zu erfahren. Dasselbe Prinzip verfolgt auch ein weiteres Projekt des Nabu: der Insektensommer. Zwar führt die Aktion noch ein Nischendasein, dennoch haben sich einige Menschen auf die Lauer gelegt, um Insekten zu beobachten.

"Sechs Beine, bis zu 19 Punkte, ein 'W' auf dem Kopfschild und ein Riesen-Appetit auf Blattläuse", so beschreibt Leonie Jordan das Insekt, das es bei der diesjährigen Aktion erstmals auf den ersten Platz geschafft hat. Bundesweit führe der asiatische Marienkäfer die Liste an, sagt die Leiterin der Nabu-Geschäftsstelle Region Weser-Mitte mit Sitz in Verden. Damit verdrängt er die Steinhummel, die in den Vorjahren das am häufigsten gemeldete Insekt war. „In unserer Region wurden einige spannende Insekten entdeckt“, berichtet Leonie Jordan. „In Verden haben Teilnehmende zwei Pinselkäfer gemeldet, in Bassum spazierte ein Nashornkäfer durch den Garten und in Nienburg schwirrten 13 Löcherbienen umher.“ 

Der Spitzenplatz für den auch Harlekin genannten asiatischen Marienkäfer begründet der Nabu vor allem mit dem Wetter. „Durch das sehr kühle und feuchte Frühjahr konnte der asiatische Marienkäfer erst vergleichsweise spät mit der Fortpflanzung beginnen. Im ersten Zählzeitraum im Juni wurden dann besonders Larven und Puppen gesichtet, das war im letzten Jahr nicht so“, erklärt Insektenexpertin Laura Breitkreuz.

Seines großen Appetits auf Blattläuse wegen wurde der aus Asien stammende Marienkäfer seit den 1980er-Jahren im großen Stil zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Inzwischen ist das vermehrungsfreudige Tier in Europa und Nordamerika sehr verbreitet. Im Gegensatz zum typischen Marienkäfer, schmücken ihn nicht nur sieben Punkte, sondern gleich bis zum 19. Im Landkreis Verden sind beide Varianten bei der Zählung gleichauf. 

Das kühle Frühjahr ließ auch die Pflanzen später als üblich blühen oder die Blüte fiel teils ganz ins Wasser. Das bekamen besonders Hummeln und Wespen zu spüren. "Deren Königinnen machen sich im Frühjahr auf, um Nester zu bauen und neue Völker zu gründen", beschreibt der Nabu. Finde sich wenig Nahrung, sterben viele von ihnen. Und für jede gestorbene Königin fehlen im Sommer hunderte Nachkommen. „Besonders schwierig war der Frühlingsbeginn offensichtlich für Ackerhummeln und Erdhummeln. Gegenüber den Vorjahren nahmen die Erdhummelsichtungen beim Insektensommer um die Hälfte ab“, erzählt Breitkreuz. Ähnlich sehe es bei den Wespen aus: Deutsche Wespe und gemeine Wespe lagen nur bei 40 Prozent des Vorjahres. „Es könnte also sein, dass 2021 kein Wespenjahr wird", mutmaßt die Insektenfachfrau.

Bundesweit haben 9.060 Menschen bei der Aktion Anfang Juni Insekten gezählt. „Im vergangenen Jahr beteiligten sich im ersten Zählzeitraum 8.370 Naturfreunde an der Aktion“, sagt Leonie Jordan. „Es zeigt sich, dass der Nabu-Insektensommer einen Nerv trifft. Viele Menschen wollen mehr über diese interessante und überaus wichtige Tiergruppe wissen und sich für sie engagieren."

Vom 6. bis 15. August geht die Aktion in die nächste Runde. „Wir sind gespannt, was uns im zweiten Zählzeitraum noch über den Weg läuft“, sagt Jordan weiter. Auch dann steht der Marienkäfer wieder im Zentrum des Interesses. 2020 hatte noch der Siebenpunkt-Marienkäfer das Rennen gemacht.

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