Landkreis Verden

Jobcenter: Viele Flüchtlinge sind gut qualifiziert

Aktuell haben 1408 Flüchtlinge im Kreis Verden Aufnahme gefunden. Darunter viele mit akademischem Abschluss oder Berufsausbildung. Doch die Qualifikationen werden nicht ohne Weiteres anerkannt.
02.09.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Jobcenter: Viele Flüchtlinge sind gut qualifiziert
Von Andreas D. Becker
Jobcenter: Viele Flüchtlinge sind gut qualifiziert

Özden Konuralp, Berater für die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, ist für die Landkreise Verden und Osterholz zuständig.

Focke Strangmann

Immer mehr Flüchtlinge kommen in den Landkreis Verden, nach Angaben von Bernd Dannheisig, Leiter des Fachdienstes Soziales, sind es aktuell 1408, die hier Aufnahme gefunden haben. Darunter sind zahlreiche Frauen und Männer, die einen akademischen Abschluss und/oder eine qualifizierte Berufsausbildung vorweisen können.

Doch nicht alle im Ausland erworbenen Qualifikationen werden hierzulande ohne Weiteres anerkannt. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen, weiß Özden Konuralp vom Kommunalen Jobcenter Arbeit im Landkreis Verden (ALV).

Der studierte Politologe arbeitet seit 2011 bei der ALV und berät seit März 2015 alle Ratsuchenden, die im Ausland einen Beruf gelernt oder studiert haben. „Das sind zurzeit viele Flüchtlinge, aber auch Menschen, die lange im Ausland gelebt haben oder die durch Heirat oder zu Verwandten in den Landkreis gekommen sind“, sagt Konuralp. Zurzeit seien rund 50 Prozent der Ratsuchenden Flüchtlinge, die Krieg und Verfolgung entgehen wollten. Dem Vorurteil, ein Großteil sei schlecht ausgebildet, widerspricht er entschieden. „Die meisten Leute, die zu mir kommen, haben einen akademischen Berufsabschluss“, sagt Konuralp. In den vergangenen Wochen hat er Physiker und Geologen beraten, aber auch Juristen, Sozial-Pädagogen, Agrarwissenschaftler, Buchhalter und Kfz-Mechaniker. Allerdings seien die Anforderungen an eine Ausbildung im internationalen Vergleich sehr unterschiedlich. „Wer Krankenpfleger werden will, muss in anderen Ländern mitunter ein Studium absolvieren. Hier ist das eine ganz normale Berufsausbildung“, sagt Konuralp.

Die Beratung funktioniert auf freiwilliger Basis, eine zentrale Überprüfung, wer welche Qualifikation mitbringt, gibt es nach Angaben von Bernd Dannheisig im Landkreis nicht. „Das klärt sich später. Wir bieten einen Basis-Deutschkursus an, der auf freiwilliger Basis besucht werden kann“, so Dannheisig. Özden Konuralp sieht die Bedeutung seiner Beratung vor allem in der Orientierung der Menschen, die sich mit der deutschen Bürokratie nicht auskennen und möglicherweise der Sprache nicht ausreichend mächtig sind. „Wir haben eine Lotsenfunktion und sagen den Leuten, wo sie sich melden müssen und welche Unterlagen sie brauchen“, so der Experte.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen reglementierten Berufen wie Arzt, Lehrer, Krankenpfleger. „Diesen Beruf darf man nur ausüben, wenn man den Abschluss in Deutschland erworben hat oder er hier anerkannt ist“, sagt Konuralp.

Probleme der Arbeitgeber

Die Schwierigkeit sei, dass auch bei unreglementierten Berufen wie Kaufmann oder Jurist viele Arbeitgeber Probleme hätten, den ausländischen Abschluss einzuschätzen. „Wenn jemand in Guatemala ein Studium durchlaufen hat, kann man das nicht ohne Weiteres einordnen“, so der Experte. Auch dabei sei er behilflich. „Wir beraten also nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmen“, sagt der Experte. Von den Firmen gebe es zwar Anfragen, zahlreich seien diese jedoch nicht. „Es hängt natürlich von den Deutschkenntnissen und der Qualifikation ab, ob ein ausländischer Arbeitnehmer einen Job findet. Aber auch die Arbeitgeber müssen sich darauf einlassen“, sagt Konuralp.

Die Beurteilung der verschiedenen Abschlüsse erfolge nicht zentral, sondern je nach Beruf von verschiedenen Instanzen. So werden akademische Abschlüsse von der Zentralstelle für das ausländische Bildungswesen bewertet und eingeordnet. Kaufmännische Ausbildungen beurteilt die Industrie- und Handelskammer (IHK). Außerdem werden unter anderem die Handwerks- und die Ärztekammer bei den entsprechenden Berufen eingeschaltet.

Schwierig werde es, wenn Unterlagen während der Flucht verloren gegangen sind. „Dann müssen die Ratsuchenden versuchen, die Unterlagen beizubringen“, betont Özden Konuralp.

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