Heisenhof Käufer für Heisenhof gesucht

Die Eigentümerin will das ehemalige Rittergut Ramdohr in Dörverden nach wechselvoller Geschichte verkaufen. Die Abbruchanordnung des Landkreises bleibt aber auch nach einem Verkauf bestehen.
28.02.2018, 17:44
Lesedauer: 3 Min
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Käufer für Heisenhof gesucht
Von Andreas Becker

Landkreis Verden/Dörverden. In der wechselvollen Geschichte des Heisenhofs – auch bekannt als Gut Ramdohr – wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das "Anwesen auf dem Land" steht unter diesem Titel zum Verkauf, aktuell wird es auf einer großen Immobilienplattform im Internet angeboten. "Zum Verkauf steht ein ehemaliges Rittergut", ist in der Annonce zu lesen. "Die Besonderheit ist hier, dass in Verbindung mit einer gewerblichen Nutzung, etwa Tierzucht oder Landwirtschaft, eine Nutzung als Wohngrundstück realisiert werden könnte." Für die bestehenden Gebäude und das 21 606 Quadratmeter große Grundstück ruft der Anbieter 500 000 Euro auf.

"Ja, wir wollen verkaufen", bestätigt Rüdiger Meyer aus Kirchlinteln, dessen Ehefrau Barbara das Gut Ramdohr 2011 für einen Euro erworben hatte. Nachdem sie jahrelang vergeblich versucht hätten, gegenüber dem Landkreis und der Gemeinde Dörverden ein Nutzungskonzept durchzusetzen, hätten sie mittlerweile die Lust verloren. "Es interessiert uns einfach nicht mehr", begründet Meyer die Verkaufsabsichten. Es hätten sich bereits einige Interessenten gemeldet, konkrete Verhandlungen gebe es allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. "Wir suchen uns die Käufer sehr genau aus", betont Meyer. Wie berichtet, hatte das Ehepaar geplant, aus dem Heisenhof gemeinsam mit dem ehemaligen Handelsattaché der DDR im Iran, Rolfeckhard Giermann, in eine Kombination aus Luxus-Hotel, Wellnesstempel und Ärztezentrum für reiche Araber zu verwandeln. Für diese Pläne konnten sich jedoch weder der Landkreis Verden noch die Gemeinde Dörverden erwärmen.

Denn nach wie vor betreibt der Landkreis eine Abbruchanordnung für den Heisenhof und hat diese im vergangenen Jahr auch vor dem Verwaltungsgericht Stade durchgesetzt. "Auch bei einem Verkauf hat die Abbruchanordnung Bestand und geht auf den neuen Eigentümer über", erklärt Joachim Kmetsch von der Kreisverwaltung. "Auch ein neuer Eigentümer wäre verpflichtet, die Gebäude abzuräumen." Das habe das Verwaltungsgericht Stade im vergangenen Jahr bestätigt, nachdem das Ehepaar Meyer gegen die Anordnung vergeblich juristisch geklagt habe. "Man muss sich vorstellen, dass der Heisenhof und die umliegenden Nebengebäude zwar noch da sind, rechtlich sind sie jedoch bereits weg", betont Kmetsch.

Für die Abrissanordnung habe es gute Gründe gegeben, erklärt Kmetsch. "Es ist Tatsache, dass die Bundeswehr als letzte Nutzer des Guts abgezogen ist und die Gebäude deshalb ihre Daseinsberechtigung verloren haben." Daher sei auch das Baurecht erloschen. Bei der Frage, welche Verwendung in der Lage im Außenbereich der Gemeinde Dörverden möglich sei, sei laut Baurecht nur eine sogenannte privilegierte Nutzung möglich. "Das kann eine landwirtschaftliche Nutzung sein, aber dann müsste es sich um einen privilegierten Landwirt im Vollerwerb handeln und keinen Hobby- oder Nebenerwerbsbauern", so Kmetsch. Für eine andere Nutzung hätte die Gemeinde Dörverden ein neues Baurecht schaffen müssen. Falls dies nicht erfolge, seien Wohnbebauung und andere Nutzungen im Außenbereich nicht möglich.

Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern (parteilos) erklärt, dass das baurechtliche Verfahren mit einem neuen Flächennutzungsplan starten müsste. "Alle ehemaligen Liegenschaften des Bundes verlieren nach der Nutzung ihren Bestandsschutz", sagt er. Aktuell sei keine Bauleitplanung geplant. Die Gemeinde werde sich keinen Nutzungskonzepten verschließen, die "dem Allgemeinwohl dienen und im Außenbereich möglich sind", betont von Seggern. Zurzeit sei kein Konzept in Sicht, das diese Voraussetzungen erfülle. Eigene Pläne mit dem Gelände habe die Gemeinde ebenfalls nicht. Sollten die bestehenden Bebauungen genutzt werden, müsste für jedes Haus das komplette baurechtliche Verfahren durchlaufen werden, so der Bürgermeister. Für den Landkreis Verden jedenfalls ist der Abriss der Gebäude der nächste Schritt, wie Joachim Kmetsch sagt. "Im Moment haben wir andere Sorgen, aber im Sommer werden wir eine Kostenanforderung einholen, die wir der Eigentümerin in Rechnung stellen", kündigt er an.

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