Netzbetreiber Tennet veröffentlicht die Trassenkorridore für die Suedlink-Erdverkabelung / Verden im Bereich Panzenberg betroffen „Kirchlinteln bekommt die volle Breitseite ab“

Landkreis Verden. Wolfgang Rodewald hatte es kommen sehen. Dass der künftige Suedlink-Trassenkorridor der Erdverkabelung ziemlich nah an der Gemeinde Kirchlinteln verlaufen würde, war nach den bisherigen Überlegungen des Netzbetreibers Tennet abzusehen gewesen.
28.09.2016, 00:00
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„Kirchlinteln bekommt die volle Breitseite ab“
Von Andreas Becker

Landkreis Verden. Wolfgang Rodewald hatte es kommen sehen. Dass der künftige Suedlink-Trassenkorridor der Erdverkabelung ziemlich nah an der Gemeinde Kirchlinteln verlaufen würde, war nach den bisherigen Überlegungen des Netzbetreibers Tennet abzusehen gewesen. Doch dann hatte es den Kirchlintler Bürgermeister doch kalt erwischt. „Ich habe gerade auf den Korridorverlauf gesehen und festgestellt, dass wir erheblich betroffen sind. Wir bekommen die volle Breitseite ab“, sagte Rodewald am Dienstagmittag.

Wie berichtet, sind die beiden jeweils 1000 Meter breiten Stromtrassen Teil der Energiewende der Bundesregierung. Sie haben die Aufgabe, Windstrom aus dem Norden in das Ballungszentrum in Süddeutschland zu leiten. Der Trassenabschnitt 47 führt nach den aktuellen Planungen durch die Landkreise Rotenburg, Verden, Heidekreis und Nienburg. Er hat eine Länge von 54 Kilometern. Betroffen sind nach Angaben der Tennet die Stadt Rotenburg sowie die Gemeinden Hassendorf, Bötersen und Ahausen (alle Samtgemeinde Sottrum) sowie die Gemeinde Westerwalsede. Im Landkreis Verden ist die Gemeinde Kirchlinteln betroffen sowie im Randbereich die Stadt Verden im Bereich Scharnhorst (Panzenberg).

Nach der Streckenbeschreibung führt die Trasse nördlich von Hassendorf in der Samtgemeinde Sottrum nach Süden bis westlich Ahausen. Weiter würde der Trassenkorridor südlich bis Rethem führen, dabei an Eversen, Holtum, Kirchlinteln, Armsen und Neddenaverbergen sowie westlich an Häuslingen vorbeiführen und die Autobahn 27 queren. Westlich von Rethem führt die Trasse dann weiter bis östlich Lichtenhorst.

Generell habe laut Tennet bei den Planungen im Vordergrund gestanden, einen möglichst kurzen Trassenverlauf in Nord-Süd-Richtung zu erreichen. Siedlungs- und Industrieflächen, etwa in Holtum, Kirchlinteln, Neddenaverbergen, Rethem und Specken befänden sich zwar am Rande des Korridors, es verbleibe jedoch ein ausreichend großer Abstand.

Das sieht Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald nicht so entspannt. „Dass die Trasse mitten durch unsere Gemeinde verlaufen soll, schockiert natürlich“, kommentiert er die Pläne. Schwierig sei, sich gegen eine Erdverkabelung zu wehren. „Das wird eine schwierige Geschichte. Wir müssen alle guten Argumente zusammentragen“, sagt Rodewald. Mit dem geplanten Verlauf abfinden wolle er sich jedenfalls nicht. Zwar sei ihm klar, dass die Trassen erforderlich seien, die Frage sei aber, warum Tennet nicht die neueste Technologie nutze, die wesentlich schmalere Trassen zulasse. Eine weitere entscheidende Frage sei für ihn, warum der Bund die Kabel nicht entlang der Autobahnen verlege. „Der Grund gehört dem Bund doch sowieso. Das stört niemanden und ist sicherlich einfacher als sich mit unzähligen Grundeigentümern herumzuschlagen und möglicherweise zu prozessieren“, argumentiert der Kirchlintler Bürgermeister. „Im Bereich Verden führt der Trassenverlauf laut Tennet „über verdichtungsempfindliche und schutzwürdige Böden, das Wasserschutzgebiet Panzenberg, Vorranggebiete Grundwasserschutz und Natur“. Die großräumige Ausprägung der Flächen lasse eine Umgehung nicht zu. Tina Rulffes von der Stadt Verden wollte den Verlauf am Dienstag nicht kommentieren und verwies auf eine Infoveranstaltung der Tennet am Abend.

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