Unterirdische Suedlink-Stromtrassen Kirchlintler Landwirte wehren sich

Die jetzt eröffnete Möglichkeit für den niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet, seine Suedlink-Stromtrassen von Schleswig-Holstein bis Bayern auch unterirdisch zu führen, versetzt Kirchlintler Landwirten einen Schock.
13.10.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Dominik Albrecht

Die jetzt eröffnete Möglichkeit für den niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet, seine Suedlink-Stromtrassen von Schleswig-Holstein bis Bayern auch unterirdisch zu führen, versetzt Kirchlintler Landwirten einen Schock.

Ein Schock, besonders für die Landwirte. Sie sehen den Ertrag ihrer Ernte gefährdet. Jörn Ehlers, Vorsitzender des Landvolks Niedersachsen und selbst Landwirt, sowie sein Kollege Holger Meier sprechen über ihre Bedenken.

„Für uns Landwirte sind die Erdkabel die schlechtere Lösung“, ist sich Jörn Ehlers schon jetzt sicher. Er ist einer der Bauern, die von den neuen Trassen betroffen ist, sollen sie doch genau unter seinen Feldern verlaufen. Auch wenn er zugesteht, dass es bezüglich der Auswirkungen auf die Pflanzen nur wenige Informationen gibt, sieht er eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass besonders die Wärmeentwicklung den Pflanzen auf dem Feld zu schaffen macht. Für seine Theorie zieht er unterirdische Gasleitungen heran: „Bei Gas-Pipelines kann man die Temperaturerhöhung im Winter bei Schnee gut sehen. Dort, wo die Leitungen verlaufen, ist der Boden getaut“, berichtet Jörn Ehlers. Sollte dies auf dem Feld passieren, kann beispielsweise der Anbau von Wintergetreide erschwert werden. „Wintergetreide braucht Frost für eine Winterruhe. Wenn dieser durch die Wärme wegtaut, fehlt dieser Schutz“, gibt der Vorsitzende zu bedenken. Außerdem werden mehrere Kabel auf einer Breite von etwa zehn Metern verlegt, was die betroffene Fläche weiter vergrößert.

Des Weiteren muss laut Jörn Ehlers nach einem gewissen Abstand eine Kopplung der Leitungen vorgenommen werden. Dafür müssten überirdisch Bauwerke errichtet werden, was wieder wertvolle Anbaufläche kosten würde. Die finanziellen Einbußen machen sich darüber hinaus auch außerhalb der Felder bemerkbar, wie der Landwirt befürchtet: „Eine Erdverkabelung wird im Grundbuch vermerkt, was sich negativ auf den Grundstückswert auswirken kann.“

Alternativen, wie die Verlegung entlang der Autobahn 7 und dem Truppenübungsplatz, wurden mit einer Unterschriftenaktion angeregt, aber abgelehnt. „Als Grund wurde angegeben, dass der Truppenübungsplatz aus Nutzungsgründen unbedingt freigehalten werden soll“, erzählt Jörn Ehlers. Für Holger Meier ein Unding: „Selbst ein Umweg wird in Kauf genommen, um die Bundesflächen zu schützen. Das finde ich eine Frechheit“, macht der Landwirt seinem Ärger Luft. Besonders die Zerstörung des Bodens macht ihm zu schaffen. „Jeder drängt darauf, dass wir in der Landwirtschaft nachhaltig wirtschaften sollen, und hier wird eine betonierte Pipeline in die Erde verlegt“, zeigt sich Meier irritiert.

Aussagen über Folgen kann bereits jetzt Alex Johannes Dittmar machen. Der Auszubildende arbeitet momentan bei Holger Meier. Auf dem Hof seiner Familie im Raum Hamburg wurde eine Gas-Pipeline verlegt. „Unser Mais ist an den Stellen einen halben Meter kleiner, und auch der Anbau ist jetzt schwieriger“, bestätigt der Azubi. Eine einmalig getätigte Ausgleichszahlung sei angesichts der Verluste „ein Witz“ gewesen. Auf ein ähnliches Angebot an die Kirchlintler Landwirte möchte sich auch Jörn Ehlers nicht einlassen: „Es kann sein, dass die Leitungen 50 Jahre in der Erde bleiben. Dann hat der Ur-Großvater Geld bekommen aber die nächsten Generationen haben mit den Folgen zu tun. Eine jährliche Zahlung wäre fairer.“

Bis zum Bau der Trassen in vier bis sechs Jahren ist noch Zeit, und die beiden Landwirte sehen den Kampf noch nicht verloren. „Wir müssen Schulterschluss zeigen und werden jedem raten, sein Land nicht herzugeben. Dann müssen die uns runterklagen“, wappnen sich die Landwirte. Einige Landwirte können sogar auf zusätzliche rechtliche Rückendeckung hoffen, wie Holger Meier erklärt. So gebe es auf der Strecke Betriebe, die bereits zuvor enteignet wurden. „Laut Gesetz darf ein Betrieb nicht zweimal enteignet werden. Da müssen die Betreiber einen Bogen machen.“ Es könne sich also ein langwieriges Verfahren für Tennet ergeben, für das Jörn Ehlers und seine Mitstreiter aber bereit seien.

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