30. Werk-Kunst-Ausstellung

Knopfbilder, Schmuck und Marionetten

24 Kunsthandwerker präsentierten am vergangenen Wochenende ihre Arbeiten im Verdener Rathaus und erfreuten sich an der Wertschätzung ihrer Exponate durch ein zahlreich erschienenes Publikum.
23.11.2015, 00:00
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Von GISELA ENDERS
Knopfbilder, Schmuck und Marionetten

Hannelore Schnitter präsentierte am Wochenende bei der Werk-Kunst-Ausstellung im Rathaus ihr Geschirr. Die Besucher konnten hier Schmuck, Kleidungsstücke und sogar Marionetten bewundern.

Focke Strangmann

Feine Materialien, ausgefeilte Techniken, eine harmonische Farbgebung. 24 Kunsthandwerker präsentierten am vergangenen Wochenende ihre Arbeiten im Verdener Rathaus und erfreuten sich an der Wertschätzung ihrer Exponate durch ein zahlreich erschienenes Publikum. Während einige Besucher mit festen Kaufabsichten gekommen waren, sichteten andere erst einmal das umfangreiche Angebot und überlegten bei Kaffee und Kuchen, womit sie ihre Lieben oder sich selbst zu Weihnachten erfreuen könnten. Ein Hackbrettspieler aus Hildesheim trug mit den zarten Klängen seines Saiteninstrumentes zur besinnlichen Stimmung der Veranstaltung bei.

Zu den Ausstellern der ersten Stunde gehört zweifelsohne Renate Bertram. Schon vor 30 Jahren sei sie dabei gewesen, und immer auch an der Organisation der Veranstaltung beteiligt, erklärte die Verdenerin. Ihrem Studium habe sie die Neigung zum Experimentieren zu verdanken, textiles Gestalten ist damals das Thema gewesen. „Immer wieder lote ich Möglichkeiten aus, es ergeben sich dabei wie von selbst neue Effekte.“

Besonders ausdrucksvoll erscheint ein aus hellem Naturgarn entstandener Vogel, der sich auf schlichtem Pergament zeigt. „Damit er nicht im luftleeren Raum flattert, habe ich ihm ein Stück Baumrinde zum Rasten geschenkt“, sagte Renate Bertram und schmunzelte dabei. Interessant auch die Knopfbilder, deren Zusammensetzung vor ihrem inneren Auge entsteht. Das Material: Verschlüsse aus der Vergangenheit, allesamt schwarz, zügig auf hellem Leinen angeordnet, damit die Idee nicht auf einmal verblasst.

Papierarbeiten und Baumschmuck habe er erworben, erzählte Dietmar Witte, der seit etwa zehn Jahren zur Weihnachtszeit aus Lübeck anreist, um gemeinsam mit seinem Freund Dietrich Krink Verdener Luft zu schnuppern. Traditionell wird dabei die Werk-Kunst-Ausstellung im Rathaus besucht. Krink hat in diesem Jahr auf Holz gesetzt und ein Räuchermännchen aus Buche erworben, kaum mehr als zehn Zentimeter hoch. „Das funktioniert“, erklärt der ehemalige Lehrer der Klaus-Störtebeker-Schule auf Nachfrage, „unsere Schülerfirma hat’s drauf mit dem Drechseln“. Vera Schellhorn macht Schmuck. Die 1987 geborene Designerin betreibt gemeinsam mit anderen Künstlern die „galerie zehn“ in Hildesheim. Dort kreiert die ehemalige Studentin der Metallgestaltung Schmuckstücke von besonderem Reiz, deren Grundlage sie in der Natur sucht. „Abgüsse von Pflanzenteilen veredele ich, Silber ist das Material, aus dem dann Anhänger und Ohrschmuck entstehen.“ Auch grüne Glasscherben, die durch ihren jahrelangen Aufenthalt zwischen Wasser und Sand weiche Konturen bekommen haben, bezieht sie in ihre Arbeiten ein.

Sonnenblumenkerne, umgeben von Fett, sichern das Überleben der Vögel, die im Garten von Regina Wagner in Dauelsen auf Futtersuche sind. Um auch selbst vor winterlicher Kälte geschützt zu sein, hat sie sich einen warmen Schal geleistet. „Der ist aus feiner Merinowolle, kratzt daher nicht, und die leuchtenden Farben helfen gegen den Winterblues.“ Ganz zielstrebig habe sie zugegriffen. „Davon gab es nur einen, und wenn man zu lange wartet, ist er auf einmal weg.“

Meisterhaft geformte Marionetten mit ausdrucksvollen Gesichtern sind seit mehr als 20 Jahren Hausgenossen von Rotraud Scholz. Lange Zeit habe sie ihr Hobby vernachlässigt, erzählte die ehemalige Lehrerin des Gymnasiums am Wall, „aber vor etwa drei Jahren habe ich wieder angefangen“. Die Figuren entspringen der Fantasie der Verdenerin und entstehen in der Altstadt. Viel Kreativität und auch handwerkliches Geschick seien das Rüstzeug für die Herstellung der etwa 80 Zentimeter großen Puppen, sagte Rotraud Scholz. Ist die Grundform des Kopfes fertig, gehe es darum, ihm ein individuelles Gesicht zu verleihen. Bisher entstanden unter anderem ein Saxofonist und der NSA-Mann Nero Sven Asmussen, gewandet natürlich in einen Trenchcoat. Hobbyfotograf Uwe Jöstingmeier fängt die verschiedenen Persönlichkeiten mit der Kamera ein. Vor Glanders Korbrennerei lässt er den Musiker aufspielen, der NSA-Mann schleicht durch eine dunkle Gasse. „An Fäden in Verden“ heißt die Bildreihe, die jetzt als Kalender vorliegt. „Die erste Auflage ist schon weg“, freute sich Rotraud Scholz, ein Nachdruck sei jedoch in Arbeit.

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