Corona-Lage: Nur Vechta hat höheren Wert

Kreis Verden hat die zweithöchste Inzidenz in Niedersachsen

Den einen Grund für die hohe 7-Tage-Inzidenz im Kreis Verden, die niedersachsenweit den zweithöchsten Wert aufweist, gibt es nicht. Vielmehr glaubt die Verwaltung, dass viele private Kontakte der Grund sind.
11.11.2020, 16:30
Lesedauer: 3 Min
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Kreis Verden hat die zweithöchste Inzidenz in Niedersachsen
Von Kai Purschke
Kreis Verden hat die zweithöchste Inzidenz in Niedersachsen

Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Verden, hier das Verdener Rathaus, ist niedersachsenweit am zweithöchsten.

Björn Hake

Der Landkreis Verden hat sich auf Platz zwei vorgeschoben –jedoch in einer Rangliste, in der niemand oben stehen will. Denn der Kreis mit seinen rund 137.000 Einwohnern hat in der Corona-Pandemie niedersachsenweit die zweithöchste Inzidenz der vergangenen sieben Tage (Stand: Mittwochmorgen, 9 Uhr). Sie liegt bei 226,1 bestätigten Covid-19-Fällen pro 100.000 Einwohner. Nur Vechta weist von allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Niedersachsen laut Landesregierung einen höheren 7-Tage-Inzidenzwert (282,9) auf.

Von Dienstagmorgen bis Mittwochmorgen (8 Uhr) waren im Kreisgebiet 38 neue vom Labor bestätigte Corona-Fälle hinzugekommen, 1233 gibt es bisher insgesamt. Dem gegenüber stehen 750 (plus 63 zum Vortag) Covid-19-Patienten, die als genesen gelten und aus der häuslichen Quarantäne entlassen wurden. Aktuell sind somit 471 Kreisbewohner nach offiziellen Angaben mit dem Coronavirus infiziert und in Quarantäne – wie auch 470 Kontaktpersonen. 15 Personen werden aktuell im Krankenhaus behandelt. „Im Landkreis ist heute der 13. Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu beklagen“, teilte die Kreisverwaltung am Mittwoch mit. Eine knapp 90-jährige Frau aus der jüngst von fünf Corona-Fällen betroffenen Pflegeeinrichtung in Achim starb im Heim an den Folgen der Covid-19-Erkrankung.

Weitere Einzelfälle in Schulen

Sieben Schüler wurden zudem positiv auf das Virus getestet. An der IGS Oyten, der Grundschule Sagehorn, der Nils-Holgersson-Grundschule Thedinghausen, der Oberschule Langwedel, der Grundschule Etelsen, der Aller-Weser-Oberschule in Dörverden sowie der Grundschule Dörverden sei jeweils ein Schüler betroffen. Soweit nicht bereits geschehen, wechseln die Schulen in den schichtweisen Präsenzunterricht. Auch bei den „Erbhof-Löwen“ in der Kita Thedinghausen wurde ein Kind positiv getestet.

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Woran es aber liegt, dass der Landkreis Verden eine so hohe Inzidenzzahl aufweist, darüber kann die Kreisverwaltung nur mutmaßen. Den einen Grund gibt es jedenfalls nicht, betont Kreissprecher Ulf Neumann nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt. Weder gab es eine große Familienfeier, noch aktuell große Hotspots mit vielen Infizierten. „Es gibt immer mal wieder Spitzen wie in diversen Pflegeheimen oder bei der Stiftung Waldheim, aber dadurch alleine kommen die hohen Zahlen nicht zustande“, sagt er. Vielmehr seien ganz banal und flächendeckend die privaten Kontakte wohl ausschlaggebend für den hohen Inzidenzwert.

Anders als noch während des Lockdowns im Frühjahr mit seinem verschärften Kontaktverbot kämen derzeit Menschen vereinzelt privat zusammen, treffen sich mit wenigen Freunden oder der Familie. Die Kreisverwaltung glaubt, dass bei diesen Treffen aber nicht immer Abstände eingehalten oder Masken getragen würden. „Den einen Tag trifft man sich mit dem Freund, am nächsten Tag mit einem anderen. Und die wiederum treffen ja auch wieder Menschen und so weiter“, sagt Neumann. Die Infizierungen geschehen vermutlich nach dem Schneeballsystem, denn: „Das eine Ereignis, das die Zahlen erklären würde, gab es nicht.“ Zumal sich die Infizierungen laut Neumann durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten ziehen. Auch die Schulen seien diesbezüglich keine Brandherde, schließlich gab es nach den Herbstferien insgesamt nur 38 Fälle an 21 Schulen sowie kreisweit fünf Corona-Fälle in einer Kita. Diese Zahlen möchte auch der Kreissprecher nicht kleinreden, aber auch sie hätten die Zahl in den jüngsten sieben Tagen nicht alleine hochgetrieben. Neumann ist es wichtig, zu betonen, dass den Menschen im Kreis Verden keine Leichtsinnigkeit zu unterstellen sei, aber da man sich treffen dürfe, geschehe dies eben auch.

Hoher Aufwand für Nachverfolgung

Mit steigenden Infektionszahlen geht auch mehr Aufwand bei der Nachverfolgung von Infektionsketten einher. Wie Neumann schildert, schafft das Gesundheitsamt es, am Tag die Infektionsketten von etwa 40 Corona-Kranken nachzuvollziehen. „Sind es mehr, wird es schwierig, die Frist von 48 Stunden einzuhalten, in denen die Nachverfolgung erforderlich wäre“, erklärt er. Zumal es sich bei der Recherche nicht um Small-Talk-Telefonate handelt – allein deshalb ist es wichtig, dass die dafür zuständigen Containment Scouts vernünftig eingearbeitet werden. „Denn sie müssen anhand der Antworten direkt Entscheidungen treffen und eventuell sofort eine Quarantäne verhängen“, erzählt Neumann. Zehn dieser Scouts, die die Infektionsketten in Erfahrung bringen, gab es in der Kreisverwaltung, fünf weitere sind hinzugekommen und nochmal zwei sollen noch folgen.

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