Werkkunstausstellung in Verden

Kunsthandwerk in der Kreisstadt

30 Aussteller haben das Verdener Rathaus zum Basar für Nützliches, Skulpturen und Mode gemacht. Von exotischen Fruchtmarmeladen über Salzstreuer bis hin zu Gartendekoration gab es dort so ziemlich alles.
25.11.2018, 15:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Hermann Meyer
Kunsthandwerk in der Kreisstadt

Brigitte Becker sorgte mit ihrem Textildesign für zahlreiche Farbtupfer auf der Werkkunstausstellung im Verdener Rathaus.

fotos: Björn Hake

Während in der Kälte draußen auf dem Rathausplatz die Buden für den Weihnachtsmarkt aufgebaut, ausstaffiert und geschmückt werden, findet im beheizten ehrwürdigen Verdener Rathaus die traditionelle Werkkunstausstellung statt. Rund 30 Kunsthandwerker aus der näheren und weiteren Umgebung der Kreisstadt präsentieren hier ihre anspruchsvolle Kunst, ihre Objekte, Skulpturen und Mode.

„Ich freue mich, hier zu sein“, sagt Cordula Birck aus Görzke. Hier sei ein anspruchsvolles und gepflegtes Publikum, das auch gerne mal bereit sei, mehr Geld auszugeben für das, was gefällt. Sie war bereits 16 Mal auf dem Brokser Heiratsmarkt und Bruchhausen-Vilsen, und ist froh, jetzt im ruhigen Rathaus ihre Gebrauchskeramik anbieten zu können. „Das ewige Wummern der Musik im Hintergrund war schon gewöhnungsbedürftig.“

Cordula Birck hatte den weitesten Anreiseweg: Görzke liegt rund hundert Kilometer südwestlich von Berlin im Naturpark Hoher Fläming. Die Entfernung von Görzke nach Verden beträgt circa 300 Kilometer. In dem kleinen Ort gibt es heute noch sechs Töpferwerkstätten. Die lange Tradition geht bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Schon 1706 schlossen sich die Töpfer zu einer Innung zusammen. Der Salzstreuer ist der Renner in Bircks Angebot.

Bio gehört dazu

Denise und Jennifer von der Oberschule Verden bieten über 20 verschiedene Sorten selbst gemachter Marmelade an – mit „wenig Zucker, und alles bio“. Bio heißt für die beiden zum Beispiel Früchte aus den eigenen Gärten, aber sie haben auch exotische Fruchtmarmeladen im Angebot. Etwas ganz Besonderes ist ihre Marmelade aus grünen Tomaten, verfeinert mit Weißwein, Ingwer, Zitronensaft, Zimt und Gelierzucker. Die Einnahmen werden wieder für den nächsten Einkauf genutzt.

Schon über 20 Jahre ist die Heimstätte Jeddingen im Verdener Rathaus vertreten. „Wir sind das soziale Engagement der Ausstellung“, sagt Betreuerin Sandra Kammann. Um die angebotenen Kerzen herzustellen, bedürfe es mehrerer Arbeitsschritte. Jetzt zur Weihnachtszeit sind viele Kerzen in den klassischen Farben Rot und Dunkelrot produziert worden. „Wir machen das nicht, um uns zu bereichern“, sagt die Betreuerin, „sondern wir kaufen davon wieder neues Material.“

Michael Mehlhorn aus Nienburg ist Glas- und Objektbildner und beteiligt sich zum ersten Mal an der Werkkunstausstellung. Mit seiner einzigartigen Fusing- und Casting-Technik schafft er beispielsweise wunderschöne Blüten, die, auf Nirostastangen geschraubt, ein toller Blickfang für den Garten sind. „Bei der Entwicklung dieser Technik hat mir ein tschechischer Glasingenieur geholfen“, erläutert der gelernte Maurer. In Bezug auf Glas genießen die Tschechen einen weltweit guten Ruf. „Sie haben zum Beispiel in Abu Dhabi ein komplettes Schwimmbad verglast und dabei elf Meter hohe Säulen aus Glas geschaffen, die wie Palmen aussehen“, erzählt Mehlhorn begeistert.

Aus Einbeck kommt Kathrin Scholz. Sie bietet selbst genähte Taschen an. „Mittlerweile habe ich fünf Nähmaschinen“, sagt sie. Dazu gehört eine Stick- und eine Polstermaschine für Ledertaschen. Manchmal nimmt sie eine mit auf die Märkte, um den Interessierten ihre Arbeit zu zeigen. In Verden hat sie darauf verzichtet. „Diesen Markt gönne ich mir zum Ausruhen, weil er der letzte vor Weihnachten ist.“ Scholz war schon öfter in Verden. „Ich bin hier sehr zufrieden, es ist ein schöner Markt mit einer hochwertigen Auswahl, der mich immer wieder anzieht.“

Die Qualität überzeugt die Kunden

Zwei Webstühle nennt Gisela Janke-Grimm aus Thedinghausen ihr Eigentum. Darauf produziert sie handgewebte Schals aus Naturfasern, unter anderem auch den Verdener Schal aus Merinowolle. „In anderen Schals verwende ich auch Seide und Kaschmir sowie Baumwolle für die Sommerschals“, erklärte die Autodidaktin. Sie ist vor 35 Jahren angefangen und hat Kurse bei Webmeisterinnen in Norddeutschland besucht. Noch heute sei der Handweber ein Lehrberuf, weiß die Thedinghauserin zu berichten. Die Qualität überzeugt die Kunden: „Jetzt kaufe ich schon den dritten Schal bei Ihnen, mit den anderen beiden bin ich sehr zufrieden.“

Schon seit über 30 Jahren gibt es die Werkkunstausstellung im Rathaus. Bärbel Hesse gehört zum Kreis der fünf Organisatorinnen. Sie bietet Verfilztes und Versponnenes an: unter anderem Mohnblumen, Hüte und Schals. „Der Erlös des Eintrittsgelds geht an den Verein Kista im Bürgertreff Hoppenkamp für den Kauf von Spielgeräten und an die Kunsttherapie im Frauenhaus“, versprach sie.

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