Corona-Krise im Landkreis Verden

Oyten und Achim bisher die Hotspots

Das Gesundheitsamt sieht die größte Gefahr für eine Zunahme der Coronafälle im Landkreis Verden derzeit bei den Reiserückkehrern. Die meisten Infizierten seit Pandemie-Ausbruch kamen aus Oyten und Achim.
28.07.2020, 09:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Antonia Blome
Oyten und Achim bisher die Hotspots

Corona-Tests werden im Landkreis Verden nun von den Hausärzten gemacht (Symbolfoto).

BORIS ROESSLER/DPA

Die Corona-Pandemie hat im Landkreis Verden seit März inzwischen 263 Infektionsfälle, acht Verstorbene und zahlreiche soziale und wirtschaftliche Herausforderungen nach sich gezogen. Aktuell hat das Gesundheitsamt die Situation laut Amtsärztin Jutta Dreyer allerdings gut unter Kontrolle. Trotzdem sei nicht auszuschließen, dass auch zukünftig immer mal wieder Hotspots auftauchen könnten. Besonders betroffen waren bisher mit Stand des vergangenen Freitags die Gemeinde Oyten (75 Fälle) sowie die Stadt Achim (74). Danach folgen mit deutlichem Abstand Verden (30), Thedinghausen (20), Langwedel (19), Ottersberg (17) und Kirchlinteln (12). Der Trend lässt sich laut Dreyer durch die Nähe des Nordkreises zur Stadt Bremen begründen, wo im Mai zahlreiche Infektionen verzeichnet worden seien. In Oyten kam es außerdem im Juni zu einem Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim, aus dem die sechs Oytener Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus resultierten.

Die Zahlen zeigen auch in Bezug auf das Alter der Betroffenen eine klare Tendenz: Mit 85 Fällen haben sich besonders viele 41- bis 60-Jährige mit dem Virus angesteckt. „Das liegt daran, dass diese Altersgruppe am aktivsten am Berufsleben teilnimmt, viele soziale Kontakte pflegt und häufig Kinder hat“, klärt Dreyer auf. Danach folgen 21- bis 40-Jährige mit 61 Fällen, 61- bis 80-Jährige (47, darunter ein Verstorbener) und Infizierte bis 20 Jahren (39). Im Alter von 81 bis 100 Jahren haben sich zwar nur 30 Menschen angesteckt, sieben von ihnen sind jedoch gestorben. Im Landkreis Verden sind mit Stand Montagmittag insgesamt 263 Personen nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet. Das bedeutet im Vergleich zum vorherigen Freitag eine Zunahme um einen Fall.

„Zurzeit bereitet uns vor allem das Thema Reiserückkehrer Bauchschmerzen“, erzählt die Amtsärztin von der aktuellen Situation. Erst am Wochenende seien zwei Rückkehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Das ist für uns die neue große Herausforderung, allerdings sollten dabei andere Themen wie Alters- und Pflegeheime und das gelockerte Besuchsrecht nicht in den Hintergrund rücken.“ Die Pflegeheime stünden derzeit im engen Austausch miteinander. Ziel sei nun, auch Besuche von mehreren Personen in den Einrichtungen sicher zu gestalten. „Jeder Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung misst einmal am Tag Fieber und analysiert seinen Gesundheitszustand im Rahmen der Selbstüberwachung“, informiert Dreyer.

Das Testzentrum in Verden wurde vergangene Woche geschlossen und nun sei abzuwarten, ob die hausärztlichen Praxen es schaffen würden, ihre Patienten mit Corona-Tests zu versorgen. „Das nächste Ziel des Gesundheitsamtes ist es, so viele Leute wie möglich zur Grippeimpfung zu animieren“, schildert sie weiter. Eine klare Unterscheidung zwischen einer Grippe- und Corona-Infektion erleichtere dem Gesundheitsamt die Arbeit schließlich sehr.

„Es ist eine lange Zeit und ich als Psychiaterin sehe, was die Krise auf sozialer Ebene mit den Menschen macht“, erzählt die Medizinerin außerdem. Zu befürchten sei ein starker Zuwachs an psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung. Am wichtigsten sei nach wie vor eine zeitnahe Eindämmung des Virus. „Wir dürfen trotz der langen Zeit nicht müde werden, Fälle weiterhin zu identifizieren und die Menschen gegebenenfalls zu isolieren.“ Auch während der Ferien habe das Team des Gesundheitsamts Rufbereitschaft.

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