Bundestagswahl

Verdener Basis steht hinter Baerbock

Einhellig begrüßen die Kreisverdener Grünen die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock. Unterdessen fordert die CDU-Basis, das Tauziehen der Bewerber zu beenden. Im Landkreis hätte Söder die Nase vorn.
19.04.2021, 17:04
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Verdener Basis steht hinter Baerbock
Von Andreas Becker
Verdener Basis steht hinter Baerbock

Grünen-Kreisfraktionsvorsitzende Ulla Schobert freut sich, dass Annalena Baerbock ins Rennen um die Kanzlerschaft geht.

Björn Hake

Bei den Grünen sind die Würfel gefallen, seit Montag ist klar, dass die Umweltpartei mit Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf zieht. Wesentlich mehr knirscht es bei der CDU, wo sich Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) nach wie vor nicht einigen können. Während sich die Grünen im Landkreis Verden sehr zufrieden äußern, wird an der Basis der Christdemokraten unterdessen der Ruf nach einer Einigung immer lauter.

Überrascht sind die Grünen im Landkreis Verden über die Entscheidung für Baerbock nicht. „Ich habe damit gerechnet“, sagt Frank-Peter Seemann, der für die Grünen im Kirchlintler Gemeinderat sitzt. Schließlich genießen Frauen bei gleicher Eignung in der Partei Vorzug. Dass Robert Habeck und Baerbock sich in aller Ruhe darauf geeinigt haben, wer von ihnen antritt, freut auch Johanna König vom Vorstand der Verdener Grünen. Das besonnene Vorgehen sei ein gutes Beispiel für die politische Kultur der Partei, die sie von anderen deutlich unterscheide. Es gehe weniger um Personalien als um Inhalte. Dass nach Merkel erneut eine Frau im Land die Regierung anführen könnte, sieht König ebenfalls als Vorteil.

„In den 193 Ländern der Uno stehen nur rund 20 Frauen an der Spitze der Regierung“, sagt sie. Staaten wie Neuseeland, Island, Finnland und Dänemark würden alle von „toughen, jungen, engagierten Frauen“ geführt – mit Erfolg. Baerbock passe mit ihren 40 Jahren bestens in diese Reihe und spiegele ein modernes Frauenbild wider. König ist zuversichtlich, dass die grüne Kandidatin sich insbesondere für die Stärkung von Familien einsetzen werde. Obwohl sie als Newcomerin noch keine Regierungsverantwortung trug, trauen ihr die Grünen im Landkreis Verden die anstehenden Aufgaben zu. „Sie hat ein gut aufgestelltes Team um sich“, ist König überzeugt. Walter Franzmeier von den Dörverdener Grünen ist sich zudem sicher, dass sich Baerbock in den vergangenen Jahren auch ohne Regierungsverantwortung viele Kompetenzen erarbeitet habe, die sie für eine Kanzlerschaft wappnen. Baerbock biete zudem einen größeren Kontrast zu den Kandidaten anderer Parteien.

Auch Ulla Schobert, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Verdener Kreistag, hat mit der Entscheidung für Baerbock gerechnet. Die Brandenburgerin sei in ihren Aussagen sehr viel klarer als ihr bisheriger Mitstreiter Habeck, nennt Schobert einen weiteren Vorteil der 40-Jährigen.

Darüber, wie sich die Entscheidung von CDU und CSU für Laschet oder Söder auf das Wahlergebnis der Grünen niederschlagen könne, machen sich die Grünen im Kreis Verden derweil weniger Gedanken. „Ich bin von keinem von beiden überzeugt“, macht Schobert deutlich. Für beide stehe der Machtgedanke zu sehr im Fokus. Eine Koalition mit CDU/CSU sei unter Laschets Führung zudem nur schwer vorstellbar, schließlich fördere er die „alte Kohlepolitik“ Nordrhein Westfalens, die mit den Klimazielen der Grünen nicht zu vereinbaren sei. Bis zum Wahlsonntag könne allerdings noch viel passieren. „Wir haben eine wahnsinnig spannende Zeit vor uns“, ist auch König überzeugt.

Bei der Kandidatenkür sieht CDU-Kreisvorsitzender Adrian Mohr in Niedersachsen Markus Söder von der CSU deutlich vorne und verweist in diesem Zusammenhang auf eine Video-Konferenz mit den Kreisvorsitzenden und dem Landesvorsitzenden Bernd Althusmann. „Es gab ein vielfältiges Meinungsbild, und für beide Bewerber gibt es gute Argumente“, sagt Adrian Mohr. Am Ende hätten sich aber die niedersächsischen Kreisvorsitzenden mit einer deutlichen Mehrheit für Söder ausgesprochen. Auch im Kreisverband Verden liege der Bewerber aus Franken mit großem Vorsprung vor seinem Konkurrenten aus Nordrhein-Westfalen. „Das Verhältnis ist etwa 80:20“, schätzt Mohr. Die Vorliebe für den CSU-Bewerber hegt auch Adrian Mohr. „Ich würde auch für Laschet engagiert Wahlkampf machen, aber Söder wirkt für mich frischer und dynamischer“, erklärt der Dörverdener. Außerdem traue er ihm eher zu, für die Zeit nach der Pandemie die notwendigen Antworten für die gesellschaftlichen Fragen zu finden. „Aus meiner Sicht verwaltet Laschet eher das Erbe von Angela Merkel, und das wird nicht reichen“, argumentiert der CDU-Kreisvorsitzende. Es gehe vor allem darum, das Zusammenspiel zwischen Klimaschutz und Wirtschaft hinzukriegen, außerdem um solide Finanzen und eine moderne Verwaltung. Sollten sich die beiden Bewerber um die Kanzlerkandidatur nicht einigen können, lehnt Mohr eine Urwahl aus praktischen Gründen ab. „Das würde zu lange dauern, in vier Monaten beginnt schon die Briefwahl“, sagt er.

Für Wilhelm Hogrefe, Ex-Landtagsabgeordneter der CDU und Vorsitzender der Kreistagsfraktion, ist Armin Laschet der bessere Kandidat. „Strauß und Stoiber haben es nicht geschafft, und warum man jetzt zum dritten Mal so ein Experiment machen möchte, erschließt sich mir nicht“, so Hogrefe. Sollten sich beide nicht einigen, wendet sich Hogrefe jedenfalls gegen ein Votum in der Bundestagsfraktion. „Dort sitzen zu viele Leute, die nur ihr Mandat nicht verlieren wollen.“

CDU-Kreisgeschäftsführer Jens Richter plädiert ebenfalls für eine baldige Einigung der beiden Kontrahenten. „Das wäre auch ein Zeichen von Größe“, sagt er. Er könne sich im Falle eines Falles eine Urwahl vorstellen. Richter befürchtet, dass die jüngsten Maskenaffären der CDU am Ende schaden. „Etwas bleibt immer hängen. Ich war entsetzt, dass jemand in so einer Lage seinen persönlichen Vorteil sucht.“

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