Landkreise planen eine Innovationsagentur

Kooperation mit anderen Kreisen

Die Landkreise im Amtsbezirk Lüneburg planen die Gründung einer Innovationsagentur als gemeinsame GmbH. Sie soll ein stetes regionales Netzwerk für Technologie und Entwicklung sein, von dem Firmen profitieren,
06.06.2021, 14:39
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Kooperation mit anderen Kreisen
Von Kai Purschke
Kooperation mit anderen Kreisen

Langfristig soll die neue Gesellschaft auch die bestehende Kooperation im Bereich der Wasserstoffwirtschaft ausweiten.

Jan Woitas/dpa

Soll der Landkreis Verden Mitbegründer und Gesellschafter der Innovationsagentur Nordostniedersachsen/Artie werden? Diese Frage müssen nun der Kreisausschuss am 5. Juli und letztlich der Kreistag am 16. Juli beantworten. Vorbereitet ist der Beitritt, denn die elf Landkreise im Amtsbezirk Lüneburg haben einen gemeinsamen Ansatz entwickelt, um mit einer Innovationsagentur die bisherigen Aktivitäten der Artie – ein Regionales Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung – "zu verstetigen und weiter auszubauen", wie es die Kreisverwaltung ausdrückt. Um dafür eine gemeinsame Agentur in Form einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) zu gründen, sind die erforderlichen Verträge der Gesellschafter und Konsortialpartner vorbereitet und könnten nun mit den anderen Landkreisen abgestimmt werden. Die Kreisverwaltung spricht sich jedenfalls für den Beitritt aus, der den Landkreis Verden wohl rund 88.000 Euro jährlich kosten würde.

Bereits seit rund 20 Jahren betreibt die Artie einen gemeinsamen Wissens- und Technologietransfer (WTT), dem Netzwerk gehören zehn Landkreise und vier Kommunen im Amtsbezirk Lüneburg an. Deren Auftragnehmer für die Umsetzung ist das Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW). Dessen Wissens- und Technologietransfer umfasst insbesondere Erst- und Aufschlussgespräche mit interessierten Unternehmen sowie interne und externe Beratungen etwa zur Ressourceneffizienz oder Digitalisierung. 

"Ein Musterbeispiel"

Für die Kreisverwaltung ist Artie nicht weniger als "ein Musterbeispiel für interkommunale Zusammenarbeit". Die Vernetzung der Unternehmen ende nämlich nicht an den Landkreisgrenzen, sondern habe die Region insgesamt im Blick. Die Zufriedenheit der Unternehmen sei jedenfalls hoch und durch den Kooperationsverbund könnten auch neue Themen aufgegriffen werden, die für die gesamte Region von Bedeutung seien. Aus Artie heraus sind in den vergangenen Jahren die Projekte „Technikfolgenabschätzung Elektromobilität“ und die „Projektkoordination Wasserstoff“ entstanden.

Bisher wurde die Artie vom Landkreis Osterholz federführend getragen. Die Struktur beruht darauf, dass der Landkreis die Koordinierung übernommen hat – dazu gehören die Antragstellung für Fördermittel und deren Abrechnung sowie die Vergabe von Aufträgen. Der Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osterholz als Artie-Koordinator wird spätestens zum Beginn des Jahres 2022 in den Ruhestand gehen. Daher sei es unklar, ob der Landkreis Osterholz langfristig weiter für diese Aufgabe zur Verfügung steht. "Um für eine faire Lastenverteilung zu sorgen und eine langfristige Perspektive entwickeln zu können, wird eine neue Struktur benötigt", betont die Verdener Kreisverwaltung. Eine Innovationsagentur sei die ideale Plattform.

GmbH als beste Form

Die Gründung der Gesellschaft soll zum 1. Juli 2022 erfolgen. Eine GmbH sei als privatrechtliche Rechtsform geeignet, weil sie eine Haftungsbegrenzung vorsieht. Die Gesellschaft würde mit ihrer Geschäftsführung das „Dach“ bilden, unterhalb dessen verschiedene Projekte angesiedelt werden können. Langfristig soll die bestehende Kooperation im Bereich des WTT und der Wasserstoffwirtschaft ausgeweitet werden, um kreisübergreifend innovative Ansätze aufgreifen zu können, die einzelne Landkreise nicht realisieren können. "Damit wird eine gemeinsame Grundlage für eine professionelle Innovationsförderung in Nordostniedersachsen geschaffen", erklärt die Kreisverwaltung. Jedoch sei nicht zwangsläufig vorgesehen, dass alle Landkreise in jedem Projekt mitwirken. Insgesamt sollen – Stand jetzt – 1,34 Millionen Euro (inklusive Fördermittel) durch die GmbH in Projekten umgesetzt werden.

Die Kosten sind für zehn teilnehmende Gesellschafter kalkuliert, da sich der Landkreis Lüneburg bislang nicht an den Leistungen beteiligt. Bei den aufgeführten Kosten in Höhe von rund 88.000 Euro jährlich für den Kreis Verden handelt es sich nach Angaben der Kreisverwaltung noch um valide Schätzungen für den Grundsatzbeschluss zur Gründung und Ausstattung der Gesellschaft. Veränderungen könnten sich durch von Förderbedingungen ergeben. Auch könne eine Anpassung der Aufwendungen der GmbH aus
umsatzsteuerpflichtigen Gründen ebenfalls noch notwendig sein.

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