Landtagswahl Sturmfest und verwurzelt

Dörte Liebetruth (SPD) will auch in den nächsten fünf Jahren ihre "guten Kontakte" in die Ministerien nutzen, um etwas für den Wahlkreis Verden zu bewegen. Ihr Markenzeichen soll der rote Rucksack bleiben.
19.09.2022, 17:17
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Sturmfest und verwurzelt
Von Jörn Dirk Zweibrock

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) ist ein Fan von Dörte Liebetruths kleiner Tochter. "Er hat auch ein Enkelkind in dem Alter", erzählt die SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis Verden-Achim. Im Niedersächsischen Landtag in Hannover gebe es sogar ein Eltern-Kind-Büro mit einem Spielteppich. Nicht nur den, sondern auch ihren roten Rucksack finde ihre 16 Monate alte Tochter toll, verrät die 42-Jährige aus Kirchlinteln. Den Rucksack hat sie in den vergangenen fünf Jahren fest als Markenzeichen etabliert. Darin sammelt Dörte Liebetruth die Ideen der Bürgerinnen und Bürger für ihre Arbeit. Rote Socken, rote Pullunder, rote Rosen, rote Sofas  – all das gab es schon vor ihr, aber mit dem Rucksack hat sich die Landtagsabgeordnete nach Ansicht vieler Bürgerinnen und Bürger ein richtiges Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Die Parlamentarierin charakterisiert sich als "sturmfest". Als alleinerziehende Mutter könne sie mit Gegenwind umgehen. 

Seit einer Legislaturperiode, sprich seit 2017, vertritt sie nun schon die Kreisverdener im Leineschloss, dem Hohen Haus in Hannover. Damals hat sie CDU-Mann Adrian Mohr aus Dörverden das Direktmandat abgenommen. Der Wahlkreis Verden-Achim umfasst den gesamten Landkreis bis auf die nördlichen Gemeinden Oyten und Ottersberg. "Ich bin hier fest verwurzelt", sagt die Sozialdemokratin. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihren beiden Schwestern – zwei jungen Frauen mit Handicap – lebt sie in einem Haus in Kirchlinteln. "Mit den beiden habe ich gelernt, dass Chancengleichheit und Teilhabe keine Selbstverständlichkeit sind." Bis zu ihrer Wahl in den Landtag war Liebetruth im Niedersächsischen Sozialministerium für den Aktionsplan Inklusion des Landes zuständig.

Vorbild Helmut Schmidt

Und von Kultmoderatorin Ina Müller hat sie das mit den Bierdeckeln gelernt. Bei ihrer "Tour der Ideen" radelt sie nicht nur durch ihren Wahlkreis, sondern verteilt auch Deckel, auf denen die Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen, Ideen und Anregungen aufschreiben können. Daneben setze sie im Wahlkampf natürlich auch auf Hausbesuche und die sozialen Medien. Den Kontakt zur Basis hält sie auch in Form von regelmäßigen Praxistagen. "Ich habe beispielsweise schon bei den Tafeln, der Stiftung Waldheim oder bei einem Reinigungsunternehmen hospitiert", erzählt sie. 

Stichwort Smartphone: Schmunzelnd zeigt die Sozialdemokratin ein altes Foto vom heutigen SPD-Chef Lars Klingbeil im Norweger-Pulli und sich. "Damals haben wir in Verden einen Band-Contest organisiert", erinnert sich die ehemalige Juso-Landesvorsitzende. Apropos Foto: Stolz zeigt Liebetruth auch ein Bild von Helmut Schmidt und ihr. Sie sei froh, dass sie den verstorbenen Altkanzler, eines ihrer politischen Vorbilder, als Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung während ihrer Doktorarbeit noch kennenlernen durfte.

Lässt Dörte Liebetruth die vergangene Landtagsperiode Revue passieren, zieht sie eine positive Bilanz. "Ich freue mich, dass wir auch im Kreis Verden und umzu das vom Land Niedersachsen bezuschusste regionale Schüler- und Azubi-Ticket im gesamten Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen eingeführt haben. Das ist eine große Entlastung für die Familien." Eine Herzensangelegenheit sei für sie auch die Abschaffung der Kita-Gebühren in Niedersachsen zum Kindergartenjahr 2018/2019 gewesen. "Auf Anregung von Eltern und Erziehern aus dem Landkreis Verden setze ich mich nun für die dritte Kraft in Kita-Gruppen und kostenlose Tablets für alle Schülerinnen und Schüler ein", betont die SPD-Politikerin.

Kontakte in die Ministerien

Froh sei sie auch über die 35-Millionen-Euro-Landesförderung für das im Bau befindliche neue Bettenhaus der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Verden. Auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Grünen Jugend, den Jusos und dem Grünen Lennart Quiring hat Liebetruth gerade über ihren Einsatz für die geplanten Bahnhalte in Dauelsen, Kirchlinteln und Uphusen informiert und für eine bezahlbare Verkehrswende geworben, die den ländlichen Raum in den Blick nimmt. 

Stichwort Erdgasförderung, ein Thema, das die Menschen nicht nur im Flecken Langwedel bewegt: "Gemeinsam mit unseren Bürgerinitiativen habe ich im Landtag die Finanzierung einer mehrjährigen Messkampagne für mehr Sicherheit rund um Erdgasförderstätten durchgesetzt", berichtet sie von einem weiteren Erfolg ihrer parlamentarischen Arbeit. 

Vor ihrem Einzug ins Parlament hat Liebetruth politische Erfahrung in den Büros von Bundestags- und Europaabgeordneten gesammelt, war persönliche Referentin von Sozialministerin Cornelia Rundt sowie Bundesratsreferentin.

Stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, Kreisvorsitzende, Vorsitzende des Kreistagsausschusses für Soziales und Gesundheit – seit der Kommunalwahl im vergangenen Herbst sitzt die Sozialrätin und promovierte Medienwissenschaftlerin auch noch im Rat ihrer Heimatgemeinde Kirchlinteln. 

"Meine Kontakte zu Ministerpräsident Stephan Weil und in die Ministerien nach Hannover, Berlin und Brüssel helfen mir bei meiner Arbeit für die Region Verden-Achim", betont die Sozialdemokratin. Warum sie sich erneut um ein Landtagsmandat bewirbt? "Weil ich viel angestoßen habe, das es weiter voranzubringen gilt, und ich weiter mit vollem Einsatz etwas für die Menschen hier bewegen will."

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