Annelie Früchtenicht kocht seit 20 Jahren süße Brotaufstriche aus Erdbeeren und anderen Obstsorten, die sie dann in ihrem Hofladen verkauft Langwedels Lady Marmelade

„Gelee wird aus Saft hergestellt und Konfitüre ist mit großen Fruchtstücken.“ Annelie Früchtenicht, Landfrau Langwedel.
23.07.2015, 00:00
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Langwedels Lady Marmelade
Von Esther Nöggerath

Fünf Kilogramm Beeren fallen in den riesigen Topf auf der Herdplatte. Kurz darauf folgt dann noch mal die Hälfte der Menge an Gelierzucker. Annelie Früchtenicht steht in ihrer Marmeladenküche und bereitet die nächste Fuhre an Fruchtaufstrichen für ihren Hofladen vor. Rund 20 Gläser von dem süßen Brotbelag produziert die Langwedeler Landfrau aus einem vollen Topf – das Sortiment reicht dabei von klassischen Sorten wie Erdbeer, Himbeer und Kirsch bis hin zu Orangen- und Nektarinenmarmelade oder Johannisbeer- und Apfelgelee.

„Im Sommer nehme ich immer frische Früchte. Alles, was gerade aus der Saison da ist“, sagt Annelie Früchtenicht, die auch gerne verschiedene Fruchtsorten miteinander kombiniert. „Erdbeeren gehen immer gut zusammen mit Rhabarber oder auch Himbeer“, erzählt die 61-Jährige. „Das gibt immer einen guten Geschmack, wenn man etwas Saures zu den süßen Erdbeeren nimmt.“

Auf Lager produziert die Landfrau ihre Fruchtaufstriche aber nicht: Sobald das Regal im Hofladen sich allmählich leert, kocht Annelie Früchtenicht nach. „Die Marmelade wird zwar nicht so schnell schlecht, aber irgendwann verliert sie ihre Farbe und wird grau“, erklärt ihr Mann Heinrich Früchtenicht, der auch schon das ein oder andere Mal in der Küche mit eingesprungen ist. Dann wäre die Marmelade zwar noch längst nicht schlecht und immer noch essbar, aber verkaufen ließe sie sich dann eben nicht mehr so gut.

Heutzutage steht Annelie Früchtenicht bis zu zweimal pro Woche in der eigens dafür eingerichteten Küche und sorgt für Nachschub im Marmeladenregal. Dabei fing alles vor 20 Jahren eher zufällig an: „Wir haben am Anfang nur unseren eigenen Spargel verkauft, aber die Kunden haben auch nach anderen Obst- und Gemüsesorten gefragt“, erzählt Heinrich Früchtenicht. Also habe man damit angefangen, auch Erdbeeren von einem Landwirt aus der Nachbarschaft anzubieten. Nach und nach entwickelte sich daraus der Hofladen. „Und irgendwann kam uns dann die Idee mit der Marmelade“, ergänzt Annelie Früchtenicht. Weil eine Palette Erdbeeren stehen geblieben sei, die sie nicht mehr verkaufen konnten. Also machte sie daraus eben Marmelade.

Und auch heute werden die Früchte, die für Kunden nicht mehr ganz so attraktiv seien und dementsprechend liegen blieben, nicht weggeschmissen, sondern landen in dem großen Kochtopf auf dem Herd in der Marmeladenküche. „Die sind ja noch lange nicht schlecht, aber sie werden dann eben einfach nicht mehr gekauft“, erklärt Heinrich Früchtenicht.

Aus der Notlösung wurde schnell eine Leidenschaft: „Man bekam dann auch Lust, mal ein bisschen was auszuprobieren“, sagt Annelie Früchtenicht. Zu der Erdbeermarmelade gesellten sich schnell weitere Sorten und inzwischen stellt die Landfrau auch aus Quitten oder Holunderblüten Gelee her. „Das ist dann schon was besonderes“, findet sie. Die Holunderblüten würde sie dann mit Apfelsaft und etwas Zitrone vermischen. „Das schmeckt einfach wunderbar.“

Das Gelee unterscheidet sich von der Marmelade vor allem durch seine Herstellungsweise: „Gelee wird aus Saft hergestellt und Konfitüre wiederum ist dann mit ganzen oder großen Fruchtstücken“, erklärt die Fachfrau, die ihre Marmelade aber eigentlich immer pürieren würde, weil das von vielen Kunden auch gewünscht sei: „Gerade Kinder mögen das einfach lieber, wenn keine Stücke mehr in der Marmelade sind.“

Offiziell verkaufen darf Annelie Früchtenicht ihre Fruchtaufstriche übrigens nicht unter dem Namen „Marmelade“. „Dafür müsste das Verhältnis von Frucht und Zucker eins zu eins sein“, erzählt sie. Das sei früher das gängige Mengenverhältnis gewesen, aber das fände sie selbst viel zu süß und sei heute auch kaum noch gefragt. Deswegen verkauft die Landfrau ihre süßen Brotaufstriche in ihrem Hofladen unter dem Namen „Fruchtzubereitung“. Nur das Gelee ist auch offiziell als Gelee gekennzeichnet und etikettiert.

Dass heutzutage kaum noch jemand Marmelade, Konfitüre oder Gelee zu Hause selber herstellt, sieht die Landfrau weniger der mangelnden Erfahrung oder Fähigkeiten geschuldet, sondern viel eher der fehlenden Zeit und dem damit verbundenen Aufwand: „Wenn man berufstätig ist und dann vielleicht auch nur zu zweit lebt, lohnt sich das ja kaum“, sagt Annelie Früchtenicht. Der Topf müsse ja schon mindestens halb gefüllt sein und da würde man gleich zehn Gläser raus bekommen – und das eben nur von einer Sorte. „Da kommen die Leute lieber hierher und holen sich ein oder zwei Gläser von verschiedenen Sorten“, sagt sie.

Den Hofladen von Annelie und Heinrich Früchtenicht finden Interessierte an der Völkerser Landstraße 45 in Langwedel. Geöffnet hat das Geschäft immer montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 und 14.30 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 8.30 bis 12.30 Uhr. Weitere Informationen gibt es außerdem online unter www.hofladen-fruechtenicht.de.

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