Maiklänge

Musikalische Sehnsucht

Das Programm der Maiklänge in Verden steht fest und wird im Radio übertragen, teilweise sogar live. Unter anderem steht diesmal Beethoven im Mittelpunkt.
12.05.2020, 16:57
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Von Susanne Ehrlich
Musikalische Sehnsucht

Die Maiklänge am DoG 2019: Damals stand Hugo Wolfs "Italienische Serenade" auf dem Programm. Dieses Jahr steht unter anderem Beethoven im Fokus.

Björn Hake

Ein ganzes Jahr lang haben sich die Kam­mermusikfreunde der ganzen Region darauf gefreut, doch sind auch die Mai­klänge 2020 der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Doch auch wenn es mit Festival-Leiter Nabil Shehata und sei­nem Ensemble international renom­mierter Solisten kein Wiedersehen gibt – hören lassen sie sich dennoch mit zwei hochkarätigen Konzerten, die der Sender Radio Deutschlandfunk Kultur im Domgymnasium zu Verden aufnehmen und sogar teilweise live senden wird.

Großartige Geste

Das ist natürlich nicht ganz dasselbe – aber zumindest eine begrüßenswerte Geste der Musiker, die das Publikum des immer beliebter werdenden Festi­val-Highlights nicht ganz im Stich las­sen wollten. Mit dabei sind außer Na­bil Shehata, Festival-Initiator, musika­lischer Leiter und weltweit anerkannter Kontrabass-Virtuose, die Geiger Momo Hiber und Karen Gomyo, die Cellisten Claudio Bohorquez und Tim Park, die Bratschisten Gareth Lubbe und Konstantin Sellheim sowie Pi­anist José Gallardo. Alle Musiker sind dem Publikum aus den Vorjahren als virtuose Musiker und außerge­wöhn­lich sympathische musikalische Gäste bekannt, nur die in Japan gebo­rene Karen Gomyo sollte in diesem Jahr erstmals dabei sein. Ab sofort können übrigens bereits ge­kaufte Eintrittskarten für die abgesag­ten Konzerte zurückgegeben werden. Dies kann in der Tourist-Info Verden geschehen oder über den Download eines Rückgabe-Formulars auf der Homepage des Domgymnasiums.

Wer seine Karten online bestellt hat, wird direkt vom Verein kontaktiert. Das Eintrittsgeld wird in voller Höhe erstattet, doch es ist auch möglich, den Eintrittspreis – oder auch nur einen Teilbetrag – dem veranstaltenden Ver­ein Musik und Kultur am Domgymna­sium Verden zu spenden. Wer dies auf dem Formular angibt, erhält eine Spendenquittung. Solch eine Spende ermöglicht es zum einen, die Musiker durch Ausfallhonorare zu unterstützen; zum anderen hilft sie da­bei, nach dem Ende der Ausnahmesituation die nächsten Maiklänge mit ebenso hochkarätigen Programmen und Musi­kern zu organisieren.

Am Sonnabend werden diese besonde­ren „Maiklänge für ein daheimblei­bendes Publikum“ mit einem guten alten Bekannten eröffnet: Das Duo in Es-Dur WoO 32 von Ludwig van Beethoven, das den Beinamen „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ führt, erklang im allerersten Konzert der ersten Maiklänge 2017. Anlässlich seines 250. Geburtstags sollte Beetho­ven in diesem Jahr im Zentrum des Programms stehen, und deshalb wurde das Werk nun, musiziert von Gareth Lubbe und Claudio Bohorquez, erneut aufgenommen. Danach werden Momo Hiber und Na­bil Shehata die Suite für Geige und Kontrabass von Reinhold Glière (1874-1956) spielen. Glière, gefeierter Volkskünstler der Sowjetunion, machte sich um die Pflege der vielen nationalen Folkloren im riesigen Viel­völkerstaat verdient.

Leos Janáceks (1854-1928) Sonate für Violine und Klavier entstand 1914 im Eindruck des Vormarschs der russi­schen Truppen gegen Österreich und erzählt vom Patriotismus der slawi­schen Völker, die das Joch der Dop­pelmonarchie nun endlich abschütteln wollten. Karen Gomyo und José Gal­lardo werden dieses überaus leiden­schaftliche, in tausend Farben schim­mernde Werk spielen.

Slawisch und leidenschaftlich bleibt es auch im Finale: Gallardo, Gomyo, Hi­ber, Sellheim und Park musizieren das 1888 uraufgeführte Klavierquintett in A-Dur op. 31 von Antonín Dvořák, das sich in seiner Bedeutung in die große Reihe romantischer Klavierquintette von Schubert, Schumann und Brahms einreiht. Dvořák setzt hier meisterhaft die ganze Palette tschechischer Mu­siktradition ein, doch Dumka, Furiant und Polka gehen bei ihm ganz eigene, überraschende und immer hinreißend schöne Wege.

Auch das Sonntagskonzert eröffnet mit einem Werk von Beethoven. Das so genannte „Gassenhauer-Trio“ op. 11 erhielt seinen Namen nach einem „Opern-Schlager“ der Jahrhundert­wende von Joseph Weigl. Wie bei sehr vielen Variationswerken hat auch hier die geniale Bearbeitung das ihr zugrunde liegende Singstückchen um mehr als 200 Jahre überlebt. Musiziert wird das Trio von José Gallardo, Momo Hiber und Claudio Bohorquez.

Mit ihrer Version des Allegro-Sona­tensatzes in C-Dur op. 43 von Bern­hard Romberg (1767–1841) gestalten Na­bil Shehata und Tim Park ein in­tim-gesangliches Duo. Karen Gomyo und Konstantin Sell­heim spielen Mozarts Sonate Nr. 1 für Geige und Viola KV 423 in G-Dur.

Großes Sextett

Im zweiten Teil des Konzertes spielen Momo Hiber, Gareth Lubbe und­ Tim Park das zärtliche Streichtrio D471 in B-Dur von Franz Schubert, bevor diese außergewöhnlichen Mai­klänge mit dem großen Sextett des rus­sischen Romantikers Max Glinka für zwei Vi­olinen, Viola (Lubbe), Cello (Bohor­quez), Kontrabass und Klavier aus­klingen.

Die beiden Termine, an denen die Konzerte übertragen werden, können zwar nicht das Konzerterlebnis mit den Gästen ersetzen, doch immerhin die musikalische Sehnsucht stillen: Das Sonnabend-Konzert wird am darauffolgenden Freitag, 22. Mai, ab 20 Uhr im Radio Deutschlandfunk Kultur übertragen. Der Sendetermin für das zweite Konzert am Sonntag steht noch nicht fest und wird später bekannt ge­geben.

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