Vorsitzender des Kommunalverbundes im Interview Manfred Cordes: 'Nicht hinter Gemeindegrenzen verstecken'

Oytens Bürgermeister Manfred Cordes ist der neue Vorsitzende des Kommunalverbundes Bremen/Niedersachsen mit 30 Mitgliedsgemeinden . Gleich nach Amtsantritt bekam er heftige Kritik zu hören. Uwe Dammann hat mit ihm gesprochen.
27.03.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Oytens Bürgermeister Manfred Cordes ist der neue Vorsitzende des Kommunalverbundes Bremen/Niedersachsen mit 30 Mitgliedsgemeinden und damit der Nachfolger von Bremens Umweltsenator Reinhard Loske. Gleich nach Amtsantritt bekam Cordes allerdings heftige Kritik aus dem eigenen Gemeinderat zu hören. Die CDU-Fraktion wirft ihm vor, dass er nun nicht mehr seine volle Kraft in die Gemeindearbeit investieren könne. Uwe Dammann sprach mit Cordes über seine neue Aufgabe und die Ziele des Kommunalverbundes.

Herr Cordes, herzlichen Glückwunsch zur Wahl des Vorsitzenden im Kommunalverbund und dazu, dass sie sich mit diesem Amt noch mehr Arbeit aufgehalst haben. Wie kam es dazu?

Cordes: Ich arbeite schon länger im Vorstand. Vom Schatzmeister, über Stellvertreter und Vorsitz habe ich bereits drei Positionen eingenommen. Da es keine direkte Wiederwahl für das Amt gibt, Herrn Loskes Amtszeit abgelaufen war, und die Aufgaben auf die Mitgliedsgemeinden verteilt werden sollen, hat mich der Vorstand vorgeschlagen. Ich habe mich also nicht danach gedrängelt. Aber es ist bekannt, dass ich ein regional denkender Mensch bin und auch über den Tellerrand der Gemeinde schaue.

Ihr neues Amt hat für Unruhe im Ort gesorgt. Die CDU-Fraktion im Oytener Gemeinderat fragt sich, was will der Bürgermeister denn noch alles machen und meint, dass es genügend Baustellen und Vorhaben in Oyten gäbe, die die volle Kraft des Verwaltungschefs fordern. Wollen Sie nun in der Gemeinde kürzer treten?

Natürlich ändert sich an meiner Arbeitszeit nichts. Ich mache den neuen Job in meiner Freizeit. Es wird also dabei bleiben, dass ich auch weit über die 40-Stundenwoche hinaus für die Gemeinde Oyten aktiv bin.

Das neue Amt wird also bei Ihnen oben drauf gesattelt?

Richtig. Die Arbeit für den Vorsitz ist zusätzlich, ebenso wie die repräsentativen Aufgaben, die ich als Bürgermeister abends oder am Wochenende übernehme. Im Rathaus habe ich meine normalen Bürozeiten, alles andere kommt oben drauf. Das ist so in diesem Job. Zum Glück halten sich die repräsentativen Verpflichtungen beim Kommunalverbund in Grenzen. An meiner Arbeit in der Gemeinde ändert sich gar nichts.

Die CDU kritisiert, dass Oyten den Chefposten im Kommunalverbund finanziert und bemängelt, dass die Ratsgremien nicht vorab über Ihre Kandidatur informiert waren. Wer finanziert denn diesen Vorstandsposten?

Alle Vorstandsmitglieder sind ehrenamtlich tätig, es gibt weder eine Aufwandsentschädigung noch einen anderen Ausgleich. Es nimmt also keine Gemeinde direkt Geld in die Hand. Da ich das Amt nebenbei ausübe, gab es auch keinen Grund, die Ratsgremien vorab zu informieren. Die wesentlichen organisatorischen Arbeiten im Kommunalverbund werden von der hauptamtlichen Geschäftsführung in Delmenhorst erledigt.

Für den früheren Achimer Bürgermeister Christoph Rippich war der Kommunalverbund eine 'Quasselbude', in der nichts beschickt wird. Ist er - angesichts von Metropolregionen - denn überhaupt noch zeitgemäß?

Der Kommunalverbund hat sich vor 20 Jahren gegründet und anfangs wirklich nicht effektiv gearbeitet. Das ist auch aus meiner Sicht so. Aber in den vergangenen Jahren hat sich Entscheidendes geändert. Wir sind gerade jetzt dabei, gemeinsam zu erarbeiten, wie unser Verbund sich für die Aufgaben der Zukunft aufstellt. Die Zusammenarbeit in der Raumplanung mit Bremen ist vertrauensvoll und gut. Wenn irgend etwas ansteht, wird telefoniert. Der Kontakt hat sich deutlich verbessert. Selbst bei dem berühmten Sündenfall 'Möbel Kraft' hat der damalige Bausenator Eckhoff sofort die Bürgermeister aus Ottersberg, Achim und Oyten persönlich und in einem direkten Gespräch über die Ansiedlungspläne beim Weser-Park informiert. Dann hat er uns etwas erzählt, was uns nicht gefallen hat. Aber es war von Anfang an ein offener Prozess mit einem gegenseitigen Meinungsaustausch.

Aber gebracht hat es nichts. Möbel-Kraft soll gebaut werden, und die Stadt Achim klagt gegen Teilbereiche des Vorhabens.

Das ist leider richtig, aber endgültig entschieden ist noch nichts. Die Klage der Stadt Achim wird nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig endgültig verhandelt. Im Sommer, so hört man, soll es eine Entscheidung geben.

Konfliktpotenziale gibt es dennoch jede Menge. Die Gewerbeansiedlung allgemein bleibt ein Thema, oder das genehmigte Windrad am Bremer Kreuz, bei dem sich das Land Bremen über Regelungen in Niedersachsen hinwegsetzt. Wie sollen künftig solche Probleme gelöst werden?

Natürlich gibt es weiterhin Konflikte. Aber es gibt keine Alternative zu einer engen Zusammenarbeit in der Regionalplanung. Und da sind nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Landkreise gefordert. Das muss Hand in Hand gehen und läuft beispielsweise im Bereich der Einzelhandelsansiedlung sehr gut.

Da wird genau geguckt, dass nicht irgendwo zu viel gebaut wird, was den Nachbarn stört. Es gibt weit über 30 Projekte, die in den vergangenen Jahren gemeinsam abgestimmt und immer einvernehmlich - bis auf Möbel-Kraft - gelöst wurden. Da übernimmt der Kommunalverbund die Moderatorenrolle, und versucht einen Interessenausgleich herbeizuführen. Wir legen Wert darauf, dass wir auch bei Projekten wie dem Bau des Windrades, noch enger zusammenarbeiten. Bremen muss sich bei seiner Regionalplanung mit dem Umland auseinandersetzen, genau wie wir uns eng mit Bremen befassen. Natürlich ist Bremen unser Oberzentrum, das ist völlig unumstritten. Die meisten Menschen aus dem Umland arbeiten in Bremen, nutzen die kulturellen Einrichtungen und stärken die Wirtschaft. Insofern sehe ich den Kommunalverbund in der Position eines Stadt/Umland-Organisators, der die konkrete Zusammenarbeit fördert.

Wie geht es weiter, welche weiteren Projekte gibt es?

Wir haben jetzt das grundsätzliche Projekt, der Weiterentwicklung des Kommunalverbundes. Konkret: Wir müssen wissen, was wir wollen. Wir müssen festlegen, wo wir zusammenarbeiten wollen, wo es verbindlich sein soll, wo man sich gegenseitig austauschen kann. Beispielsweise beim demographischen Wandel.

Nur eine Zahl: Im Jahre 2020 wird es im Bereich des Kommunalverbundes 27000 Schüler weniger geben, das entspricht ungefähr 900 Schulklassen. Das sind Entwicklungen, denen wir möglichst mit einem gemeinsamen Masterplan begegnen müssen. Da müssen wir in Zusammenhängen denken. Keine Kommune kann sich bei diesen Fragen hinter die eigenen Gemeindegrenzen verstecken. Solche Themen müssen wir gemeinsam anpacken und organisieren. Kirchturmpolitik ist da nicht mehr gefragt.

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