Angeklagter aus Thedinghausen Sechs Jahre Haft wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs

Ein 37-Jähriger aus Thedinghausen muss erneut wegen Kindesmissbrauchs für einige Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Verden sah es als erwiesen an, dass der Mann 2021 vier Kinder sexuell missbraucht hatte.
14.09.2022, 18:07
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Von Angelika Siepmann

Wegen vierfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern, davon in zwei schweren Fällen sowie in Tateinheit mit dem Herstellen kinderpornografischer Inhalte, hat das Landgericht Verden am Mittwoch einen 37-jährigen Mann aus Thedinghausen zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die Plädoyers waren am vierten Prozesstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten worden. In der Urteilsbegründung der 3. großen Strafkammer – als Jugendschutzkammer – hieß es, der mehrfach einschlägig vorbestrafte Angeklagte habe im Tatzeitraum (März bis Dezember 2021) unter laufender Führungsaufsicht gestanden, und es seien weitere Ermittlungsverfahren anhängig. Näheres dazu wurde nicht gesagt.

Ein Kind muss aussagen

Die Beweisaufnahme war phasenweise ebenfalls nicht öffentlich durchgeführt worden. Dazu gehörte auch die Vernehmung eines der drei betroffenen Kinder. Dem Mädchen konnte ein Erscheinen bei Gericht nicht erspart werden, da der Angeklagte den Missbrauchsvorwurf in diesem Fall bestritten hatte. Die heute Zehnjährige brauchte allerdings nicht in den Verhandlungssaal zu kommen. Sie befand sich in einem separaten Raum, als der Vorsitzende Richter sie während einer Live-Schalte befragte. Ihre Aussagen "mit deliktspezifischem Detailreichtum" wurden als absolut glaubwürdig eingestuft. Als "typisches Detail" wurde unter anderem das "Schweigegelübde" genannt, das dem Kind abverlangt worden sei.

In der Chronologie der vier angeklagten Taten war diese offenbar die erste. Sie ereignete sich nach den Erkenntnissen im Schlafzimmer der Ehewohnung des Mannes; eine Schwester des Opfers soll derweil in einem anderen Bereich des Hofgeländes "geparkt" worden sein. Hatte der 37-Jährige diese Tat in Abrede gestellt, so war in den übrigen drei Fällen schon am ersten Prozesstag über den Bremer Verteidiger ein "vollumfassendes" Geständnis erfolgt. Dieses sei auch schon "früh angekündigt" worden, so der Richter. Objektive Beweismittel hätten aber ohnehin zu Genüge vorgelegen.

Fotos aus dem Smartphone

Von den sexuellen Übergriffen auf einen fünfjährigen Jungen und ein anderes achtjähriges Mädchen hatte der Angeklagte mit einem Smartphone eine Vielzahl von Fotos gefertigt. Diese beiden Kinder mussten nicht mehr aussagen. Die Tat an der Achtjährigen wurde als schwerwiegendste gewertet. Hier setzt die Kammer allein eine Einzelstrafe von vier Jahren und drei Monaten an. Die verhängte Gesamtstrafe von sechs Jahren, dies wurde dem Mann noch einmal vor Augen geführt, wäre ohne seine weitgehend geständige Einlassung noch deutlich höher ausgefallen.

Der 37-Jährige, der zu seinen persönlichen Verhältnissen ohne Anwesenheit der Öffentlichkeit Auskunft gab, ist einschlägig vorbestraft. Wegen vielfachen Missbrauchs von Jugendlichen und Kindern ist er vom Amtsgericht Rotenburg zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden. Die Strafvollstreckung soll Anfang 2017 erledigt gewesen sein. Seither stand er offenbar unter Führungsaufsicht. Anfang März dieses Jahres hatte er wieder den Gang hinter Gitter antreten müssen. Er war in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem er wegen des Besitzes von kinder-, jugend- und tierpornografischen Materials erneut in den Fokus der Ermittler geraten war.

Massageangebot im Internet

Bei einer Hausdurchsuchung hatten Beamte der Polizeiinspektion Verden/Osterholz eine Vielzahl von Dateien entdeckt. Über einige der ausgewerteten Abbildungen war der Mann dem Vernehmen in dringenden Verdacht geraten, Missbrauchstaten an Kindern begangen zu haben. Eine Beamtin hatte im Zeugenstand berichtet, dass der Angeklagte über ein Kleinanzeigenportal "mobile Massage" angeboten hatte. Erwachsenen Interessenten sei aufgefallen, dass der Mann immer wieder nachgefragt habe, ob er auch Kinder massieren dürfe, "möglichst entspannt und mit ihnen allein".    

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