Olaf Lies zu Besuch in Verden und Kirchlinteln: Lücken müssen geschlossen werden Minister drängt Bahn zu mehr Lärmschutz

Verden/Kirchlinteln. Auf einer Tour durch Verden und Kirchlinteln hat sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Freitag nicht nur kalte Füße geholt, sondern sich vor allem über die Schienen-Infrastruktur und die möglichen Folgen der Alpha-E-Variante informiert. Diese beinhaltet unter anderem den zweispurigen Ausbau der Strecke Verden-Rotenburg sowie die Elektrifizierung der Amerikalinie, die auch an Langwedel und Kirchlinteln entlangführt.
11.02.2017, 00:00
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Minister drängt Bahn zu mehr Lärmschutz
Von Andreas Becker

Verden/Kirchlinteln. Auf einer Tour durch Verden und Kirchlinteln hat sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Freitag nicht nur kalte Füße geholt, sondern sich vor allem über die Schienen-Infrastruktur und die möglichen Folgen der Alpha-E-Variante informiert. Diese beinhaltet unter anderem den zweispurigen Ausbau der Strecke Verden-Rotenburg sowie die Elektrifizierung der Amerikalinie, die auch an Langwedel und Kirchlinteln entlangführt. Auch der neue Bahnhaltepunkt in Kirchlinteln war Thema.

Schwerpunkt des Besuchs war jedoch für den Minister, sich vor Ort einen Eindruck vom Lärmschutz zu machen. Lies betonte, dass der Ausbau der Infrastruktur und die Zunahme des Schienenverkehrs für die Anwohner nicht nur zusätzliche Belastungen mit sich bringe, sondern auch Chancen eröffne. Besonders in Sachen Lärmschutz seien Verbesserungen möglich, allerdings müsse die Politik darauf dringen, dass die Bahn nicht nur Minimallösungen umsetze. Denn eine gesetzliche Verpflichtung, für optimalen Lärmschutz zu sorgen, bestehe für die Bahn nicht.

„Die Bahn hat sich teilweise damit schwer getan, aber wenn wir klare Botschaften senden, dass wir nur vollen Schutz vor Lärm akzeptieren, innerhalb der technischen Möglichkeiten, können wir etwas erreichen“, sagte Lies. Er betonte, dass nicht nur die neuen Ausbaustrecken mit optimalem Lärmschutz ausgestattet werden müssten, auch im Bestand, etwa im Verdener Stadtgebiet, klafften nach wie vor Lücken. Diese müssten geschlossen werden. „Der Ausbau des Schienenverkehrs ist eine wichtige Aufgabe, die mir persönlich am Herzen liegt. Aber man muss die Bürger einbinden und dafür sorgen, dass sie keine Nachteile dadurch haben“, betonte Lies. Dabei sei es nicht mit Lärmschutzwänden getan, gefragt seien flexible Lösungen, alleine der Einsatz von modernen und leiseren Bremssystemen würde bereits viel verbessern. An den entstehenden Mehrkosten könne sich das Land allerdings nicht beteiligen, diese müsse der Bund freigeben. Die Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Hermann (SPD) sagte dies für ihre Fraktion zu.

Durch den Ausbau der Schiene profitiere allerdings nicht nur der Güterverkehr, für den die Alpha-E-Variante entwickelt worden sei, sondern auch der Personenverkehr der Bahn. „Er wird verlässlicher und pünktlicher, die Qualität steigt“, so der Minister für Wirtschaft und Verkehr. Für Kirchlinteln bedeutet diese Entwicklung, dass in Zukunft auch Züge am geplanten Bahnhaltepunkt an der Kreepener Straße stoppen werden. Wann das so weit sein wird, ist allerdings noch offen. Bauamtsleiter Werner Kunath sagte, die Gemeinde sei zurzeit in Grundstücksverhandlungen, um die nötigen Flächen zu erwerben. Die Kosten für den Neubau des Haltepunkts samt Anlagen bezifferte er auf etwa 1,2 Millionen Euro, über mehrere Jahre verteilt. Davon würden Land und der Zweckverband Bremen-Niedersachsen mit 830 000 Euro etwa 70 Prozent übernehmen. Für eine bessere Nutzung ist geplant, den Haltepunkt mit einer Park-and-Ride-Anlage zu versehen, außerdem soll das Umland durch Busverkehr und Bürgerbus angebunden werden.

Nach Angaben von Kirchlintelns SPD-Vorsitzendem Hermann Meyer hat 1988 der bislang letzte Zug in Kirchlinteln gehalten. Olaf Lies erinnerte daran, dass zu dieser Zeit viele Bahnhöfe in Niedersachsen stillgelegt wurden. „Damals hat man gedacht, man braucht die nicht mehr. Es gibt doch Autos.“ Mittlerweile habe ein Umdenken eingesetzt, dem auch das Land Rechnung tragen müsse. „In Niedersachsen werden in den nächsten Jahren 30 Haltepunkte reaktiviert“, kündigte der Minister an. Um flexible Lösungen mit Park and Ride und anderen Annehmlichkeiten zu schaffen, werde das Land 20 Millionen Euro zusätzlich investieren.

An dem Treffen mit Lies nahm auch Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) teil. Er äußerte sich zufrieden, dass sich der Minister den Einsatz für mehr Lärmschutz auf die Fahnen geschrieben habe. Es werde allerdings noch vieler gemeinsamer Anstrengungen bedürfen, um alle Probleme zu lösen. Absicht sei, für die Menschen an der Strecke Fortschritte zu erzielen. Brockmann: „Das gute Leben an der Schiene muss das Ziel sein.“

„Der Ausbau des Schienenverkehrs ist eine wichtige Aufgabe.“ Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD)
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